Betrugsverdacht Diesel-Razzia bei Opel

Wegen eines konkreten Betrugsverdachts im Zusammenhang mit Dieselautos durchsucht die Polizei Geschäftsräume des Autobauers Opel. Das hessische Landeskriminalamt bestätigte laufende Aktionen.

Opel-Werk in Kaiserslautern
RONALD WITTEK/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Opel-Werk in Kaiserslautern


Im Dieselskandal sind die Ermittler bei Opel wegen Betrugsverdachts im Zusammenhang mit Dieselfahrzeugen zur Durchsuchung angerückt.

Ein Sprecher des hessischen Landeskriminalamts bestätigte, "dass es polizeiliche Maßnahmen bei Opel gibt." Diese hätten am Vormittag begonnen. Details nannte der Sprecher des LKA nicht.

Auch Opel berichtet in einer Stellungnahme von "Untersuchungen im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens zum Thema Emissionen" an den Standorten Rüsselsheim und Kaiserslautern. Der Autobauer beharrt darauf, dass seine Fahrzeuge den geltenden Vorschriften entsprechen.

Laut "Bild online" seien 95.000 Fahrzeuge der Modelle Insignia, Zafira und Cascada der Baujahre 2012, 2014 und 2017 betroffen.

Im vergangenen Juli "amtliche Anhörung gegen Opel"

Im Juli hatte das Bundesverkehrsministerium in Berlin "eine amtliche Anhörung gegen Opel" wegen drei Fahrzeugmodellen bestätigt. Berichten zufolge soll der Grund - wie bereits bei anderen Autobauern - ein Verdacht von Manipulationen bei der Abgasreinigung gewesen sein.

Opel sollte sich demnach zur Funktionsweise einer Abschalteinrichtung äußern. Mit einer solchen Funktion kann die Reinigung von Abgasen in bestimmten Fahrsituationen oder -bedingungen wie etwa niedrigeren Temperaturen oder Drehzahlen verringert werden. "Vor dem Ergebnis dieser Anhörung kann zur Unzulässigkeit der Abschalteinrichtung noch nichts abschließend gesagt werden", hatte ein Ministeriumssprecher damals gesagt.

Autobauer begründen Anschalteinrichtungen mit dem sogenannten Motorschutz vor allem bei Kälte oder Hitze. Bei vielen Modellen gibt es aber Zweifel daran, ob dies wirklich notwendig ist. Wenn die Abgasreinigung nicht richtig arbeitet, stoßen die Diesel mehr gesundheitsschädliche Stickoxide aus. Da Luftgrenzwerte in vielen Städten überschritten sind, drohen Fahrverbote für Dieselautos.

Staatsanwaltschaft hatte Vorermittlungen eingestellt

Im Gegensatz zu anderen Autoherstellern war Opel bislang nicht Ziel juristischer Ermittlungen und musste noch keine Fahrzeuge zurückrufen. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hatte Vorermittlungen vor mehr als einem Jahr eingestellt.

VW hatte im September 2015 eingeräumt, Abgastests bei mehr als zehn Millionen Dieselautos manipuliert zu haben. Allein in Deutschland musste der Konzern ein Bußgeld von einer Milliarde Euro zahlen. In den USA soll VW im Rahmen eines Vergleichs rund vier Milliarden Euro gezahlt haben, um die Einstellungen straf- und zivilrechtlicher Klagen zu erwirken.

Hier finden Sie eine Übersicht über die Chronologie des Dieselskandals.

Im Video: Abgastricks beim Porsche Cayenne Diesel? (SPIEGEL TV von 2017)

SPIEGEL TV

cop/dpa/Reuters

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insgesamt 43 Beiträge
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dirkcoe 15.10.2018
1. Echt jetzt?
Hat unser Minister Scheuer nicht erst noch vorgelegen, jetzt sei alles in Griff mit dem Diesel? Hat Desaster Merkel in ihrer naiven Dummheit - und am Nasenring der Industrie - nicht gefaselt, der Kunde brauche Vertrauen in den Diesel? Hut ab, wir sind wirklich auf gutem Weg Vertrauen aufzubauen - keine Woche vergeht ohne neuen Betrug.
murksdoc 15.10.2018
2. Sprachverpanschung
1. Es gibt keine Anhörungen "gegen" jemanden. 2. Es gibt DieselMOTOREN und Fahrzeuge, auch Autos, die durch solche bewegt werden. "Dieselauto" ist ein Begriff aus der Legokiste eines Kinderzimmers. 3. Die Einrichtungen heissen "Abschalt-", nicht "Anschalt-"Einrichtungen. 4. Untersucht wird die Zulässigkeit, nicht die "Unzulässigkeit".
mnuessgen 15.10.2018
3. Politische Lenkung der Industrie.....
......ist dringend notwendig, und wird andernorts sehr erfolgreich betrieben. Mann muss gar nicht nach China schauen, sondern es reicht der Blick nachh Skandinavien. Dort ist vielerorts zwar auch nicht alles Gold was glänzt (s. Ausstieg vom Atomausstieg) aber die Entscheidungen zum Auslaufen der Verbrennungsmotoren sind ein klares Zeichen. Wenn die hiesige Industrie mit sowas nicht klarkommt, dann ist sie nicht auf der Höhe der Zeit. Umso mehr Grund Sie wieder auf den richtigen Weg zu bringen! Aber Merkel und Scheuer werden das sicher nicht leisten.....
Röntgen 15.10.2018
4. Ach nee,
dachten die tatsächlich, das "Dieselproblem" gäbe es nur bei Volkswagen? Das würde ja heißen, dass bei VW nur dumme Ingenieure arbeiten, die nur mit Fake-Lösungen die Grenzwerte einhalten können. Und die anderen Autohersteller haben alle schlaue Ingenieure, die das mit großem technischen Wissen auch ohne Fakes hinkriegen. Hier reicht zur Beurteilung wohl der gesunde Menschenverstand. Die daraus resultierende Prognose: alle Dieselhersteller kommen noch dran, ohne Ausnahme.
burghard42 15.10.2018
5. Na ja,
Zitat von dirkcoeHat unser Minister Scheuer nicht erst noch vorgelegen, jetzt sei alles in Griff mit dem Diesel? Hat Desaster Merkel in ihrer naiven Dummheit - und am Nasenring der Industrie - nicht gefaselt, der Kunde brauche Vertrauen in den Diesel? Hut ab, wir sind wirklich auf gutem Weg Vertrauen aufzubauen - keine Woche vergeht ohne neuen Betrug.
außer Verdacht liegt bisher nichts Konkretes zu den möglichen Betrugsvorwürfen gegen Opel vor. Und : Opel ist weder in den letzten Jahrzehnten noch heuteein deutsches Unternehmen ,allerdings befinden sich div .Fertigungsstätten in Deutschland..... Insofern eine mögliche Erweiterung bei der Verfolgung von Vorwürfengegenüber ausländischen Herstellern. Gut so .........mal sehen wie das weitergeht
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