Hohe Messlatte durch gute Zahlen PSA-Chef Tavares will Opel auf Gewinne trimmen

Mitten in den Gesprächen über einen Opel-Kauf setzt der französische Autokonzern PSA seine Margenziele hoch. Konzernchef Tavares will nun dem verlustträchtigen deutschen Hersteller auf die Beine helfen. Die Messlatte liegt hoch.

PSA-Chef Carlos Tavares
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PSA-Chef Carlos Tavares


Der französische Autobauer PSA Peugeot Citroën gibt sich vor einer möglichen Opel-Übernahme höhere Gewinnziele - und setzt damit auch den seit Jahren Verluste schreibenden Rüsselsheimer Autohersteller unter Druck. Im Schnitt der Jahre 2016 bis 2018 soll die bereinigte operative Gewinnmarge im PSA-Autogeschäft nun im Durchschnitt 4,5 Prozent erreichen, teilte der Volkswagen-Konkurrent bei Vorlage seiner Jahreszahlen mit. Bisher lag die Zielmarke bei 4 Prozent. PSA werde Opel im Falle eines Kaufs helfen, "wieder auf die Beine zu kommen", sagte PSA-Chef Carlos Tavares.

Mit seinen Zielvorgaben und Aussagen zu Opels Zukunft gibt Tavares die Marschrichtung für das deutsche Unternehmen vor, falls Opel unter die PSA-Fittiche kommt: es muss kräftig gespart und mehr Gewinn aus dem Verkauf der Modelle herausgeholt werden. Der Kauf von Opel sei eine "Gelegenheit, einen europäischen Automobil-Champion zu schaffen", sagte Tavares, der zuvor Peugeot Citroën erfolgreich saniert hatte. Er hatte PSA dafür gesundgespart und die Modellpalette deutlich verbessert.

Zugleich versprach PSA-Chef Tavares für den Fall einer Übernahme von Opel eine Zusammenarbeit mit den deutschen Gewerkschaften. Er sei zu einer Partnerschaft mit "den Beschäftigten, den Gewerkschaften und der Regierung" in Deutschland entschlossen. Opel werde dabei im Konzernverbund als "deutsches Unternehmen" eigenständig bleiben. Dies sei auch betriebswirtschaftlich sinnvoll: Bestimmte Autokäufer hätten kein Interesse an französischen Marken, sondern würden deutsche Autos bevorzugen.

Peugeot hat zuletzt zugesichert, an der durch Opels Mutterkonzern gegebenen Jobgarantie bis Ende 2018 festzuhalten. Auch die zugesagten Investitionen für die Opel-Standorte in Deutschland bis 2020 will PSA übernehmen. Die sei eine "moralische Frage", sagte Tavares. Nach dem Ablauf dieser Zeitrahmen droht nach Ansicht von Experten allerdings ein harter Sanierungskurs.

"Gewinnbringende Investitionen im Interesse der Aktionäre"

"Derzeit kann es keine Gewissheit geben, was das Ergebnis dieser Gespräche angeht", sagte Finanzchef Jean-Baptiste de Chatillon. Die Nettobarmittel des Herstellers von Peugeot- und Citroen-Fahrzeugen in Höhe von 6,8 Milliarden Euro erlaubten aber gewinnbringende Investitionen im Interesse der Aktionäre, fügte er hinzu.

PSA Peugeot Citroën und der US-Mutterkonzern von Opel, General Motors(GM), hatten vergangene Woche bekannt gegeben, über einen Eigentümerwechsel für das defizitäre GM-Europageschäft zu verhandeln. Die Nachricht löste in DeutschlandSorge um die Arbeitsplätze bei Opel aus.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries(SPD) trifft am heutigen Donnerstag den französischen Wirtschafts- und Finanzminister Michel Sapin in Paris. Sie will nach Angaben ihres Ministeriums auf den Erhalt der deutschen Arbeitsplätze und Standorte pochen.

Für PSA läuft es durch Tavares' strikten Kurs deutlich besser. So kündigte der Konzernchef die erste Dividende seit sechs Jahren an. "Die Ergebnisse sind das Resultat unserer Effizienzverbesserungen im Konzern", sagte der Manager.

Die operative Ergebnisspanne im Autogeschäft stieg unter anderem dank Preisanhebungen und Kosteneinsparungen vergangenes Jahr auf den Rekordwert von sechs Prozent gegenüber fünf Prozent im Jahr 2015. Für die kommenden Jahre erwartet der Konzern zwar nicht wieder solche Margen - jedoch mehr als bisher gedacht.

Trotz eines wechselkursbedingten Umsatzrückgangs um 1,2 Prozent auf 54 Milliarden Euro kletterte das bereinigte operative Ergebnis im Konzern um 18 Prozent auf 3,24 Milliarden Euro. Der für die PSA-Aktionäre unterm Strich verbleibende Gewinn stieg mit 1,73 Milliarden Euro gar fast auf das Doppelte.

kig/dpa/Reuters



insgesamt 36 Beiträge
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logomat 23.02.2017
1. Adieu Opel
Das wird enden wie die Übenahme von Hochtief durch die spanische ACS. Der Schlechtere aber finanztechnisch geschicktere PSA Konzern schluckt den technisch Besseren auf dessen Kosten.
new_eagle 23.02.2017
2. Welche Logik hinter einer Übernahme von Opel durch PSA sheht
erschließt sich mir nicht, ganz anders als bei dem Einstieg von Renault bei Nissan und nun auch bei Mitsubishi. Opel und Peugeot/Citroen sind auf dem gleichen Markt und in gleicher Zielgruppe unterwegs. Renault/Nissan/Mitsubishi hingegen auf unterschiedlichen Märkten (Renault in Europa, Afrika, Südamerika; Nissan/Mitsubishi in Asien und Nissan ist auch in Nordamerika stark) aktiv. Opel hingegen kennt man als Marke nur in Europa und Afrika. Peugeot/Citroen immerhin auch in Lateinamerika.
bullet69 23.02.2017
3. Die Beschäftigungs- und Standortgarantien
bis Ende 2018 bzw. 2020 haben schon ein Geschmäckle. Nach 2018 wird rasiert und nach 2020 werden die Standorte neu bewertet. Für das zukünfige E-Geschäft reicht dann ein Standort und wer die größten Subventionen zahlt (also letztendlich der Steuerzahler), der bleibt erhalten.
lookinside13012 23.02.2017
4. Warum sehen wir nicht die immensen Vorteile*?
Es ist doch von Vorteil Opel mit unseren französischen Freunden zu entwickeln... Besser als sich von GM die Patente abnehmen zu lassen! Trump und Co wollen Europa in Scheibchen aufteilen... Es liegt bei uns die europäischen Werte zu verfeinern und zu verteidigen!!!
t.h.wolff 23.02.2017
5.
Zitat von bullet69bis Ende 2018 bzw. 2020 haben schon ein Geschmäckle. Nach 2018 wird rasiert und nach 2020 werden die Standorte neu bewertet. Für das zukünfige E-Geschäft reicht dann ein Standort und wer die größten Subventionen zahlt (also letztendlich der Steuerzahler), der bleibt erhalten.
Das Kapital verlangt den üblichen tiefen Schluck aus der Pulle, während für die Belegschaften der Abstieg beginnt. Im Westen nichts Neues.
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