Nach Stellenabbau am Stammsitz Opel sucht dringend Leiharbeiter

Mit Stellenstreichungen wollte Opel Kosten sparen. Nun braucht das Unternehmen dringend Hunderte Leiharbeiter, damit die Bänder weiterlaufen können.
Opel-Logo in Rüsselsheim: Es fehlen Arbeiter

Opel-Logo in Rüsselsheim: Es fehlen Arbeiter

Foto: Andreas Arnold / dpa

Beim Autohersteller Opel ist nach kräftigen Stellenstreichungen die Personaldecke dünn geworden. Am Stammsitz Rüsselsheim sucht das Unternehmen mehrere Hundert Leiharbeiter, um den Produktionshochlauf des neuen Kompaktmodells Astra zu stützen. Temporär soll über einen Personaldienstleister eine mittlere dreistellige Zahl an Stellen besetzt werden, sagte ein Unternehmenssprecher und bestätigte einen Bericht der »Wirtschaftswoche«. Auch Ausfälle durch die aktuelle Welle der Coronavariante Omikron wolle man auf diesem Weg kompensieren.

Der krisengeplagte Hersteller gehört seit 2017 zur französischen PSA-Gruppe, die inzwischen mit Fiat-Chrysler zu Stellantis verschmolzen ist. Seit der Übernahme durch PSA hat Opel Tausende Beschäftigte mit Abfindungen, Altersteilzeit und Vorruhestand dazu gebracht, das Unternehmen zu verlassen. Teile des Entwicklungszentrums wurden ausgelagert. Allein seit Anfang 2020 mussten so 2100 Menschen gehen. Am Stammsitz Rüsselsheim wird neben dem Astra auch der DS 4 und der Mittelklassewagen Opel Insignia gebaut. Geplant ist dafür ein Zweischichtbetrieb.

Autobauer können auf besseren Absatz hoffen

Immerhin können Opel und die anderen Autobauer auf bessere Verkäufe hoffen. Denn es gibt einen Hoffnungsschimmer am deutschen Automarkt: Nach einem düsteren Coronajahr mit den niedrigsten Pkw-Neuzulassungen seit der Wiedervereinigung legte der Absatz zum Jahresanfang zu. Im Januar kamen rund 184.100 Neuwagen auf die Straßen, 8,5 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mitteilte. Der Zuwachs bedeutet allerdings nicht, dass sich die Nachfrage erholt hat. »Eine Trendwende ist das nicht, an eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau ist derzeit nicht zu denken«, sagt Peter Fuß, Autoexperte der Beratung EY. Vor einem Jahr waren die Neuzulassungen inmitten des Lockdowns um fast ein Drittel eingebrochen, weil viele Autohäuser wegen der Bekämpfung der Pandemie geschlossen hatten.

Der Pkw-Absatz leidet außerdem nach wie vor darunter, dass Halbleiter knapp sind und die Hersteller nicht so viele Fahrzeuge liefern können, wie bestellt wurden. Die Kunden müssen zum Teil monatelang auf einen Neuwagen warten. Zunehmend sei auch das Elektrosegment betroffen, sagte Fuß. »Es könnten mehr Elektroautos und Plug-in-Hybride verkauft werden, wenn die Materialknappheit nicht auch hier zu Produktionsausfällen führen würde.«

mmq/dpa/Reuters

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