Opel-Verkauf Wundersame Einigkeit

Schriftliche Garantien forderte der Opel-Betriebsrat beim Deal zwischen GM und PSA - und drohte mit Streiks. Nun zeigen sich Vorstand und Arbeitnehmerseite der deutschen Autofirma einig. Dabei ist kaum etwas erreicht.

Mitarbeiter bei Opel
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Mitarbeiter bei Opel


Vor zwei Wochen schien es noch einmal hoch herzugehen rund um den Verkauf von Opel an den französischen Autokonzern PSA Peugeot Citroën. Gerichtsfeste Garantien verlangte Opels Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug Mitte März vom bisherigen Mutterkonzern General Motors (GM) und drohte ansonsten Streiks an.

Nun scheint der Groll wundersam verflogen. Auf Betriebsversammlungen an diesem Donnerstag an allen Opel-Standorten zeigten sich Vorstand, Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall einig. Dabei gab es kaum neue Erfolge zu berichten.

Die GM-Tochter hat Vorbereitungen für die Übernahme durch den französischen Konkurrenten PSA getroffen: Alle europäischen Aktivitäten von Opel und deren britischer Schwester Vauxhall, die von GM zuvor teils aufgeteilt waren in verschiedenen Firmen, sollen nun gesellschaftsrechtlich unter einem Dach zusammengefasst werden. Dies dürfte PSA die Übernahme erleichtern.

Die Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmer sollten dabei erhalten bleiben, genauso die Tarifverträge, versicherte Opel und feierte Betriebsrat wie IG Metall. Allerdings waren diese aus Sicht von Experten kaum in Gefahr innerhalb des Opel-Verbunds in Deutschland - selbst nach einer PSA-Übernahme.

Auch sonst konnte Opel nur bereits gemachte Zusagen von PSA und GM wiederholen. Die Vereinbarungen zu den Pensionsplänen bleiben bestehen. Der Rüsselsheimer Autobauer bekräftigte die bislang getroffenen Produktionszusagen. Demnach soll im Werk in Eisenach ab 2019 der Nachfolger des Kompakt-SUV Mokka X gebaut werden. In Rüsselsheim soll ab dem Ende des Jahrzehnts ein großer SUV vom Band rollen. Auch alle weiteren Vereinbarungen mit dem Betriebsrat blieben gültig. Dies schließe die künftige Auslastung des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim ein.

Keine Garantien über 2020 hinaus

PSA-Chef Carlos Tavares hatte am Mittwoch auch beim Spitzengespräch mit der Bundesregierung in Berlin erneut betont, dass der französische Autokonzern bei der geplanten Übernahme der Marke Opel die von GM zuvor gegebenen Standort- und Beschäftigungszusagen übernehmen werde. Darüber hinaus ging Tavares dort nicht, und auch Opel konnte hier keine Neuigkeiten auf den Betriebsversammlungen vermelden. Die gegebenen PSA-Zusagen beinhalten einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2018 und bis 2020 zudem Sicherheit für sämtliche Opel-Standorte. Danach ist für Opel alles offen.

PSA hatte vor wenigen Wochen mit General Motors die Übernahme von Opel vereinbart. Der französische Autobauer rückt damit zur Nummer zwei unter Europas Autoherstellern hinter VW auf. Europaweit zählt das Unternehmen dann gut 38.000 Mitarbeiter. Mehr als die Hälfte arbeiten in Deutschland, vor allem in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach.

In einem Brief an die Opel-Belegschaft hatte Betriebsratschef Schäfer-Klug am 24. März gerichtsfeste Garantien von General Motors (GM) gefordert, dass die beim Verkauf der GM-Tochter gegebenen Zusagen auch tatsächlich eingehalten werden. Im anderen Falle drohte er mit Streiks. Er monierte, dass die gemachten Zusagen von PSA bislang nur mündlich gegeben wurden. Schriftliche, vertraglich bindende Garantien wollen die beiden Autokonzerne erst nach dem Verkaufsabschluss geben. Daher wollte Schäfer-Klug diese von der bisherigen Opel-Mutter. Am Willen des US-Konzerns dazu habe er "erhebliche Zweifel", warnte Schäfer-Klug.

"Aus meiner Sicht wird das positive Image von GM, das Dan Akerson und Steve Girsky in Europa gegenüber der Belegschaft sowie Arbeitnehmervertretern, der Politik und Öffentlichkeit aufgebaut haben, durch die derzeitige GM-Führung gefährdet", warnte der Opel-Betriebsratschef Ende März.

Nun allerdings klang der Ton ganz anders. "Wir sind froh, dass wir erreicht haben, dass die Belegschaften heute umfassend über die anstehenden Schritte informiert werden konnten", betonte Schäfer-Klug nun lediglich.

kig/Reuters

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spontanistin 06.04.2017
1. Überkapazitäten-Abbau!
Das dürfte zunächst das Gebot der Stunde sein. Sowohl in der Fertigung, wie in Entwicklung und Vertrieb/Marketing! Dann wird die Modellpalette zusammengestrichen. Warum sollten jetzt mehr Autofahrer an einem Opel Interesse zeigen, nur weil das nun eine Marke von PSA wird. Die Topmanager Weden bei dem Deal für sich das Meiste rausholen (siehe Mannesmann-Vodafone)!
manicmecanic 06.04.2017
2. Neusprech ala Gewerkschaft
Die Wahrheit ist doch daß es KEINE Zusagen über 2020 hinaus gibt und auch keine geben wird.Beste Politikerart wie nun dieser Gewerkschafter das auch noch als gut verkauft.Wer da noch glaubt daß danach nicht groß umgebaut wird an Opel der glaubt auch noch an andere Märchen.
dlmb 06.04.2017
3. 2020
Wie absurd ist es denn, Garantien für die Zeit nach 2020 zu fordern? Hier wird auch von der Presse eine absurde Forderung aufgestellt, die niemand in der freien Wirtschaftswelt erfüllen könnte. Dass es eine Einigung gibt, liegt daran, dass die Beteiligten eben nicht irgendwelche angeblichen Konflikte herbeischreiben müssen.
_gimli_ 06.04.2017
4.
Ich durfte gestern einen Opel Mokka als Mietwagen fahren. Die hinteren Türen schlossen nur beim Zuschlagen mit Gewalt. Bevor das Radio nach dem Starten des Autos angeht, vergehen mal locker 5-10 Sekunden, da der "geniale" Bordcomputer erst starten muss. Gleiches, wenn der Bordcomputer bei ausgeschalteter Zündung nach einigen Minuten festgelegt, das Radio auszuschalten. Bis es wieder an ist, ist der gehörte Beitrag leider vorbei. Teile des Displays am Bordcomputer verschwinden hinter dem Lenkrad. Das Menü der Zentralanzeige ist hinter dem Hebel des Blinkers verbaut (Hab ich nach langer Suche gefunden). Verbrauch: 10 l/100km Wer so 2017 so ein Auto auf den Markt bringt, geht aus guten gründen in die Pleite. Was für ein Schrott!
hardline 07.04.2017
5. Naiv und dumm
Die (deutschen) Gewerkschaften und Politiker sind naiv, dumm und handeln unverantwortlich, weil sie dieser Übernahme nicht alles entgegensetzen, was sie aufbieten können. Als 2011 Opel von Magna übernommen werden sollte, gab es viele Bedenken, dass Jobs abgebaut werden könnten und alle waren gegen die Übernahme. Damals aber hätte es bei Magna weder große Synergieeffekte noch Konkurrenz im eigenen Haus gegeben. Genau das aber gibt es jetzt. Und damit werden Arbeitsplätze abgebaut werden. Und wem nicht klar ist, dass das in Deutschland und nicht in Frankreich passiert, der ist naiv und dämlich. Denn es wird nicht darauf ankommen, wo die Produktion billiger ist, sondern darauf, dass ein Konzern mit Staatsbeteiligung in Frankreich keine Stelle abbaut, die er in D abbauen kann. Außerdem hat man in Frankreich Gewerkschaften, die dann echt Ärger machen und nicht wie hier, mal nett an das Unternehmen appellieren.
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