Absatzeinbruch Opel zieht sich aus Russland zurück

Die Verkäufe brechen ein, der Rubel hat enorm an Wert verloren: Nun zieht auch Opel Konsequenzen und verlässt Russland. Im Sankt Petersburger Werk soll das letzte Auto bereits Mitte des Jahres vom Band laufen.
Opel-Präsentation auf dem Moskauer Autosalon 2014: "Entschiedene Maßnahmen"

Opel-Präsentation auf dem Moskauer Autosalon 2014: "Entschiedene Maßnahmen"

Foto: SERGEI KARPUKHIN/ REUTERS

Noch vor Kurzem galt Russland als Europas Automobilmarkt der Zukunft. Doch nun stellt mit Opel ein weiterer namhafter Hersteller sein Geschäft auf dem russischen Markt ein. Auch Chevrolet werde sich weitestgehend aus Russland zurückziehen, teilte der gemeinsame Mutterkonzern General Motors (GM) mit. Bereits im November hatte die Volkswagen-Tochter Seat bekannt gegeben, Anfang dieses Jahres den Verkauf in Russland einzustellen.

Grund für die Entscheidung ist eine tiefe Absatzkrise bei Automobilen in Russland, die auch die Marke Opel voll zu spüren bekommt. Noch 2013 war Russland nach Deutschland und Großbritannien der drittgrößte Markt für den Hersteller. Doch bereits im vergangenen Jahr wurden mit knapp 65.000 Opel-Fahrzeugen gut 20 Prozent weniger verkauft als 2013.

In den ersten beiden Monaten 2015 beschleunigte sich der Trend enorm: Der Verkauf brach um sage und schreibe 82 Prozent ein. Zudem führt der Verfall des Rubelkurses dazu, dass Opel dort zuletzt mit jedem verkauften Auto Verluste machte. Allein durch den schwachen Rubel wurde der Gewinn im vergangenen Jahr um 200 Millionen Dollar geschmälert.

Rückzug kostet 600 Millionen Dollar

"Wir mussten entschiedene Maßnahmen in Russland ergreifen, um unser Geschäft zu schützen", sagte Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. Dennoch wolle das Unternehmen im Jahr 2016 in Europa wieder profitabel sein und den Marktanteil von 6,7 auf acht Prozent im Jahr 2022 steigern.

Offenbar hat die Opel-Mutter GM wenig Hoffnung auf eine baldige Trendwende am russischen Automarkt und will mehrere Jahre mit hohen Verlusten vermeiden. Top-Manager Dan Ammann sagte: "Diese Entscheidung vermeidet signifikante Investitionen in einen Markt, der langfristig sehr herausfordernde Perspektiven hat." Künftig werde sich GM mit der Marke Cadillac und einzelnen Chevrolet-Modellen wie Corvette oder Camaro auf das Premiumsegment des russischen Marktes konzentrieren, während die Volumenmodelle von Chevrolet dort nicht mehr verkauft werden.

Der Rückzug der Opel-Mutter betrifft auch die Produktion in Russland. Das Fahrzeugwerk in St. Petersburg wird stillgelegt, schon zur Jahresmitte soll das letzte Auto dort vom Band rollen. Auch die Auftragsfertigung von Chevrolet-Fahrzeugen bei GAZ wird beendet. Die Opel-Gruppe beschäftigt derzeit noch tausend Mitarbeiter in St. Petersburg und 300 weitere in Moskau. Sie sollen das Unternehmen mit Abfindungen verlassen, GM erwartet durch den Schritt Netto-Sonderbelastungen von bis zu 600 Millionen Dollar.

fdi/Reuters/dpa
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