Erster Gewinn seit fast 20 Jahren Warum Opel noch nicht gerettet ist

Opel überrascht mit dem ersten Gewinn seit fast 20 Jahren. Doch bei der Blitz-Sanierung sind längst nicht alle Probleme gelöst worden. Worauf es jetzt ankommt.

Opel-SUV Grandland X: Der Wagen steht bereits auf einer PSA-Plattform
OPEL

Opel-SUV Grandland X: Der Wagen steht bereits auf einer PSA-Plattform

Von manager-Magazin.de-Redakteur


Lässt Opel mit dem Gewinn die Dauerkrise hinter sich?

Der operative Jahresgewinn von 859 Millionen Euro ist zwar ein Anfang - für Jubelmeldungen ist es aber zu früh. Denn die Sanierung von Opel ist längst nicht abgeschlossen, wie ein paar wichtige Kennzahlen zeigen. Der Chef des französischen Mutterkonzerns PSA, Carlos Tavares, legt etwa Wert auf niedrige Lohnkosten - und misst diese gerne in Personalkosten in Relation zum Umsatz. Je niedriger also der Wert, desto besser. Bei Opel liegt er aktuell bei etwa 13 Prozent. Bei den restlichen PSA-Marken, zu denen Citroën, DS, Peugeot und Vauxhall gehören, sind es hingegen zehn Prozent. Laut PSA-Angaben hat Opel im vergangenen Jahr eine Rendite von 4,7 Prozent erwirtschaftet, die Gewinnmarge der französischen Schwestermarken lag allerdings bei 8,4 Prozent.

Zwar hinkt Opel den restlichen Konzernmarken hinterher, trotzdem kann die Mannschaft rund um Opel-Chef Michael Lohscheller stolz auf sich sein. Denn bei der Vorstellung des Sanierungsplans "Pace" im November 2017 hatte es geheißen, dass Opel spätestens 2020 schwarze Zahlen schreiben wird. Das gelang den Opel-Leuten nun deutlich früher.

Allerdings: Ganz so gut wie nun dargestellt ist das Opel-Zahlenwerk auf den zweiten Blick nicht. Denn der von Konzernchef Tavares präsentierte operative Opel-Gewinn lässt Restrukturierungskosten in Höhe von 512 Millionen Euro außen vor. Rechnet man diese mit ein, liegt das Opel-Betriebsergebnis für 2018 nur bei 283 Millionen Euro - und die Rendite sinkt auf 1,5 Prozent. Opel-Boss Lohscheller hat also einiges an Arbeit vor sich.

Was macht PSA besser als die frühere Opel-Mutter General Motors?

PSA-Chef Tavares und sein Statthalter Lohscheller sanieren Opel nach jenem Rezept, mit dem Tavares einst die Wiederbelebung von Peugeot und Citroën gelang: mit Kostensparen und Vereinfachen. Dabei baut Opel auch Stellen ab, kommt bislang aber ohne Werksschließungen aus. Denn Lohscheller einigte sich mit den Arbeitnehmern darauf, dass 3700 von insgesamt 19.000 deutschen Jobs wegfallen werden. Gesteuert wird dieser Abgang über Abfindungs- und Frühverrentungsmodelle statt betriebsbedingter Kündigungen, bislang wurden so 2500 Stellen abgebaut. Die Blaupause dafür liefert die PSA-Sanierung: Da trennte sich Tavares mit einer ähnlichen Vorgehensweise von knapp 20.000 Mitarbeitern.

Opel-Fabrik in Kaiserslautern
RONALD WITTEK/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Opel-Fabrik in Kaiserslautern

Die deutschen Opel-Werke erhalten Schritt für Schritt die beiden PSA-Plattformen als Basis für ihre Automodelle, aus dem Kleinstwagensektor hat sich Opel komplett zurückgezogen. Auch das spart Geld - unter der Ägide von General Motors Chart zeigen hatte Opel mit neun verschiedenen Plattformen gearbeitet. Insgesamt, so erklärte PSA vor Kurzem, seien die Fixkosten bei Opel bereits im ersten Halbjahr 2018 um 28 Prozent im Vergleich zu 2017 gesunken.

Gegen eine Maßnahme regte sich aber zuletzt Widerstand in Rüsselsheim: PSA will Teile des Opel-Entwicklungszentrum verkaufen. Dabei sollen 2000 der knapp 7000 Ingenieure zum französischen Dienstleister Segula wechseln. Das würde wohl weiter Kosten bei Opel sparen, bislang gibt es aber keine Einigung mit der Gewerkschaft IG Metall oder dem Opel-Betriebsrat. Tavares warf der Gewerkschaft vor, den Plan zu blockieren.

Wo hakt es aktuell am meisten?

Die Kosten scheint Opel in den Griff zu bekommen, die Marke mit dem Blitz hat allerdings nach wie vor ein Verkaufsproblem: Der Absatz ist im vergangenen Jahr europaweit auf 884.000 Fahrzeuge gesunken, das waren sechs Prozent weniger als noch 2017. Opels Marktanteil ging damit auf 5,7 Prozent zurück.

Fachleute warnen, dass die Zahl der Eigenzulassungen bei Opel sehr hoch ist. Der Hersteller lässt also Fahrzeuge über eigene Händler zu, um die Autos dann als junge Gebrauchte in den Markt zu bringen. Für die Marke bringt das nur sehr niedrige Verkaufspreise.

Opel-Chef Lohscheller will gegensteuern, indem er die Produktionsplanung strafft. "Wir haben unsere Fahrzeugbestände im vergangenen Jahr deutlich reduziert und werden auch in Zukunft nicht auf Halde produzieren," sagte er.

Konkrete Produktionsplanungen für die deutschen Werke in Eisenach, Rüsselsheim und Kaiserslautern nannte Lohscheller nicht. Berichten zufolge plant Opel aber in diesem Jahr mit deutlich geringeren Produktionszahlen in zwei seiner drei deutschen Werke. Die IG Metall will nun mehr Klarheit über die Auslastung in den Autofabriken.

Schwertun könnte sich Opel auch mit einem Schwenk Richtung Elektroantrieb, wie ihn etwa der Konkurrent Volkswagen plant. Denn bei E-Antrieben hinkt der PSA-Konzern hinterher, auch weil dafür lange die Investitionskraft fehlte. Auch der mögliche Austritt Großbritanniens aus der EU könnte Opel belasten - schließlich betreibt die Marke zwei Fabriken in dem Land. "Sollten künftig Zölle erhoben werden, würden natürlich die Kosten in unseren britischen Werken steigen", sagt Opel-Chef Lohscheller. "In diesem Fall müssten wir dann auch unsere Preise anpassen."

PSA-Chef Tavares hingegen betonte die Chancen der als sehr britisch empfundenen Opel-Schwester Vauxhall, die ihr Geschäft 2018 gut stabilisiert habe. Sie werde nach dem Brexit vielleicht die "Überlebende" auf dem britischen Automarkt sein.

insgesamt 6 Beiträge
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whopper 26.02.2019
1. Völlig Absurd
Es gibt Opel nicht mehr. Und die Werke werden auch noch abgewickelt. Wer momentan noch in Rüsselsheim sitzt hat nichts zu tun Viele sind schon gegangen und es werden noch mehr. Opel ist nur noch ein Emblem auf einem Peugeot aus Frankreich. Mehr ist sehr bald nicht mehr übrig.
kenterziege 26.02.2019
2. Dies ist ein Beitrag betriebswirtschaftlicher Art...
....daher sollte der Autor präzise formulieren. Man kann keine Kosten sparen. Man kann nur Kosten reduzieren. Das lernt jeder Student der BWL im ersten Semester. In Fachbeiträgen sollten grundsätzlich die richtigen Termini Verwendung finden!
deus_ex_machina 26.02.2019
3.
Persönlich muss ich sagen: ich habe eigentlich keine bevorzugte Automarke, alles der gleiche überflüssige Krempel mit lausigem Wirkungsgrad und absurd schlechtem Preis-Leistungsverhältnis. Ja, eigentlich finde ich Autos generell doof. Außer Opel, deren Mühlen finde ich so grottenschlecht, dass die bei mir sogar einen besonderen Platz genießen - eben einen besonders schlechten. Mir entzieht sich tatsächlich jegliches Verständnis, warum ein Kunde, dem die ganze Palette der Autoindustrie zur Auswahl steht, sich für einen Opel entscheidet. Insofern betrachte ich die im Text genannten 800+k Autoverkäufe von Opel als beachtlichen Erfolg.
hrboedefeld 27.02.2019
4. kleine Franzosen...
ich hab mir kürzlich auf der Suche nach einem neuen Dienstwagen auch die Opel-Modelle angesehen. Vor langer Zeit hatte ich mal einen solchen und war schwer begeistert! Top-Auto, fuhr sich richtig gut und hatte vor allem extrem gute Sitze! Jetzt saß ich dann wieder in allen Modellen und musste feststellen, dass die Sitze nur noch für Kleinwüchsige designt werden! Für meine 1,86m passt das gar nicht.
new#head 27.02.2019
5.
PSA setzt offenbar auf Effizienz und Kostenbewusstsein und mit offenbarem Erfolg. Was mit Opel geschen ist, ist ein weiteres Beispiel dafür, wohin die Reise geht wenn Betriebsräte und Gewerkschaften das Ruder übernehmen. Aber da ist Opel ja nicht alleine, weitere, z.B. Karstatt / Kaufhof, arbeiten noch daran.
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