Nach Chefwechsel Opel will offenbar 500 Manager entlassen

Beim kriselnden Autobauer Opel geht das Aufräumen in der Führungsebene weiter. Finanz- und Forschungsvorstand werden ausgetauscht, laut "FAZ" sollen 500 weitere Manager gehen. Opels Übergangschef bewirbt sein Unternehmen als "eigentlich cool".
Opel-Gelände in Bochum: Dürrer Dank für die "harte Arbeit"

Opel-Gelände in Bochum: Dürrer Dank für die "harte Arbeit"

Foto: dapd

Frankfurt/Rüsselsheim - "Es ist Zeit für Veränderungen" - so begründet ein Opel-Sprecher die Wechsel an der Spitze des angeschlagenen Autokonzerns. Die Trennung von Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke war dabei offenbar nur der Anfang. Auch Entwicklungschefin Rita Forst und Finanzchef Mark James wurden ohne Begründung abgelöst. "Ich danke Rita und Mark für ihre harte Arbeit", sagte Opel-Aufsichtsratschef Steve Girsky lediglich am Mittwoch in Rüsselsheim.

Stimmt der Aufsichtsrat der Personalrochade zu, werden im September nur noch zwei von neun Vorständen übrig bleiben, die noch Ende letzten Jahres im Amt waren: Personalvorstand Holger Kimmes und Susanna Webber, die für Einkauf und Logistik verantwortlich ist.

Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") müssen noch weit mehr Führungskräfte um ihren Job bangen: In den kommenden Wochen wolle sich Opel von 500 Führungskräften trennen, deren Gehälter allesamt mindestens sechsstellig seien, berichtet das Blatt. Den Managern sollten Abfindungsangebote gemacht werden.

Laut "FAZ" soll sich der mit der Sanierung beauftragte Aufsichtsratschef Girsky in einer Sondersitzung sogar dafür ausgesprochen haben, insgesamt ein Fünftel des Managements abzusetzen - nach seiner Rechnung 2400 Mitarbeiter. Nach dem Verständnis des GM-Managers gelte jeder als Führungskraft, der andere Mitarbeiter leitet.

Die Zeitung beruft sich auf zwei Mitglieder des Aufsichtsrats. Ein Opel-Sprecher ging auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd nicht auf die angeblichen Pläne ein. Er bestätigte jedoch, man wolle "die Bürokratie im Unternehmen reduzieren. Die Führungsstrukturen sollen verschlankt und effizienter gestaltet werden".

Der am Dienstag ernannte Opel-Interimschef Thomas Sedran bemühte sich derweil bei einem ersten Auftritt um Zuversicht. "Unsere sportliche Ambition ist zurück", sagte Sedran auf einer Informationsveranstaltung zu einem Sportevent am Standort des hessischen Autobauers. "Opel ist doch eigentlich cool", sagte er. "Sollte man öfter kaufen."

Opel hat in den letzten Jahren Milliardenverluste angehäuft, welche die Mutterfirma General Motors   nicht länger tragen will. Die wichtigste Aufgabe des neuen Vorstands besteht deshalb darin, Opel wieder profitabel zu machen - ein schwieriges Unterfangen: Am Dienstag wurden Absatzverluste im Kernmarkt Europa von 15 Prozent im ersten Halbjahr 2012 bekannt - 8,2 Prozentpunkte schlechter als der Branchendurchschnitt.

dab/AFP/dapd
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