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22. September 2011, 09:37 Uhr

"Operation Twist"

Amerikas Anleihe-Manöver verunsichert Börsianer

Der US-Notenbank-Chef zwingt den Dax ins Minus: Der von Ben Bernanke geplante Anleihentausch sorgt bei Anlegern für große Verunsicherung. Amerikas Währungshüter wollen die lahmende Konjunktur befeuern, doch Investoren zweifeln an der Wirksamkeit der Aktion.

Hamburg/Frankfurt am Main - Mit ihrem Manöver zum Tausch von Staatsanleihen hat die US-Notenbank Fed für Verunsicherung bei Anlegern gesorgt. Bis zum Mittag fiel der Deutsche Aktienindex (Dax) um mehr als vier Prozent. Am Mittwoch hatten bereits die US-Börsen deutlich im Minus geschlossen. Der Dow Jones fiel um 2,5 Prozent, der Nasdaq um 2,9 Prozent.

Vor allem die Kurse von Banken gerieten an der Frankfurter Börse unter Druck. Aktien der Deutschen Bank fielen um 4,8 Prozent, der Kurs der Commerzbank um 4,2 Prozent. Auch der Euro in Dollar verbilligte sich am Donnerstag im Vergleich zum Vorabend deutlich und kostete noch 1,3554 Dollar. Alle im Dax notierten Werte zeigten am Morgen Verluste. Aktien von Daimler verbilligten sich um 4,1 Prozent auf 33,93 Euro, Anteile von Metro 3,8 Prozent und ThyssenKrupp -Krupp-Aktien um 3,7 Prozent.

Auch an den Börsen in London, Paris und Mailand begann der Handel mit Verlusten. Die Tokioter Börse schloss am Donnerstag im Minus. Der Nikkei -Index notierte zum Handelsende einen Abschlag von knapp 2,1 Prozent.

Die Fed hatte am Donnerstag wie erwartet die sogenannte "Operation Twist" angekündigt. Bis Mitte kommenden Jahres will die Notenbank für 400 Milliarden Dollar langlaufende Anleihen erwerben und zugleich Schuldverschreibungen mit Laufzeiten bis zu drei Jahren verkaufen.

Durch das Manöver will die Fed die Zinsen für langfristige Kredite drücken und dadurch die Wirtschaft ankurbeln. Im Gegensatz zu früheren Programmen pumpen die Währungshüter damit kein neues Geld in das System. Ihren Leitzins beließen sie wie erwartet bei null bis 0,25 Prozent.

"Operation Twist" war bereits im Vorfeld auf Kritik gestoßen, da viele Experten ihre Wirksamkeit bezweifeln. Auch im geldpolitischen Ausschuss FOMC gehen die Meinungen über die neue Vorgehensweise auseinander: Wie bereits die letzte Entscheidung im August wurden auch die jüngsten Beschlüsse nicht einstimmig getroffen.

"Die Möglichkeit, damit die Zinskurve abzuflachen und so die Wirtschaft zu stimulieren ist sehr begrenzt", sagte Marktstratege David Buik von BGC Partners. "Es scheint, als ob es den Entscheidern immer schwerer fällt, die gleichen materiellen Auswirkungen ihrer vorherigen Interventionen zu erreichen".

Die US-Notenbank hatte in ihrem Kommentar zur Zinsentscheidung von "signifikanten Abwärtsrisiken" für den wirtschaftlichen Ausblick gesprochen. Dies habe eine Flucht in den Dollar ausgelöst, sagten Händler. Als weitere Belastung nannten sie die Rating-Abstufung von einigen italienischen und US-amerikanischen Banken.

dab/dpa-AFX/Reuters/dapd

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