"Operation Twist" Amerikas Anleihe-Manöver verunsichert Börsianer

Der US-Notenbank-Chef zwingt den Dax ins Minus: Der von Ben Bernanke geplante Anleihentausch sorgt bei Anlegern für große Verunsicherung. Amerikas Währungshüter wollen die lahmende Konjunktur befeuern, doch Investoren zweifeln an der Wirksamkeit der Aktion.

Händlerin in Frankfurt: "Signifikante Abwärtsrisiken"
DPA

Händlerin in Frankfurt: "Signifikante Abwärtsrisiken"


Hamburg/Frankfurt am Main - Mit ihrem Manöver zum Tausch von Staatsanleihen hat die US-Notenbank Fed für Verunsicherung bei Anlegern gesorgt. Bis zum Mittag fiel der Deutsche Aktienindex (Dax) Chart zeigen um mehr als vier Prozent. Am Mittwoch hatten bereits die US-Börsen deutlich im Minus geschlossen. Der Dow Jones Chart zeigen fiel um 2,5 Prozent, der Nasdaq um 2,9 Prozent.

Vor allem die Kurse von Banken gerieten an der Frankfurter Börse unter Druck. Aktien der Deutschen Bank Chart zeigenfielen um 4,8 Prozent, der Kurs der Commerzbank Chart zeigen um 4,2 Prozent. Auch der Euro in Dollar Chart zeigen verbilligte sich am Donnerstag im Vergleich zum Vorabend deutlich und kostete noch 1,3554 Dollar. Alle im Dax notierten Werte zeigten am Morgen Verluste. Aktien von Daimler Chart zeigen verbilligten sich um 4,1 Prozent auf 33,93 Euro, Anteile von Metro Chart zeigen 3,8 Prozent und ThyssenKrupp Chart zeigen-Krupp-Aktien um 3,7 Prozent.

Auch an den Börsen in London, Paris und Mailand begann der Handel mit Verlusten. Die Tokioter Börse schloss am Donnerstag im Minus. Der Nikkei Chart zeigen-Index notierte zum Handelsende einen Abschlag von knapp 2,1 Prozent.

Die Fed hatte am Donnerstag wie erwartet die sogenannte "Operation Twist" angekündigt. Bis Mitte kommenden Jahres will die Notenbank für 400 Milliarden Dollar langlaufende Anleihen erwerben und zugleich Schuldverschreibungen mit Laufzeiten bis zu drei Jahren verkaufen.

Durch das Manöver will die Fed die Zinsen für langfristige Kredite drücken und dadurch die Wirtschaft ankurbeln. Im Gegensatz zu früheren Programmen pumpen die Währungshüter damit kein neues Geld in das System. Ihren Leitzins beließen sie wie erwartet bei null bis 0,25 Prozent.

"Operation Twist" war bereits im Vorfeld auf Kritik gestoßen, da viele Experten ihre Wirksamkeit bezweifeln. Auch im geldpolitischen Ausschuss FOMC gehen die Meinungen über die neue Vorgehensweise auseinander: Wie bereits die letzte Entscheidung im August wurden auch die jüngsten Beschlüsse nicht einstimmig getroffen.

"Die Möglichkeit, damit die Zinskurve abzuflachen und so die Wirtschaft zu stimulieren ist sehr begrenzt", sagte Marktstratege David Buik von BGC Partners. "Es scheint, als ob es den Entscheidern immer schwerer fällt, die gleichen materiellen Auswirkungen ihrer vorherigen Interventionen zu erreichen".

Die US-Notenbank hatte in ihrem Kommentar zur Zinsentscheidung von "signifikanten Abwärtsrisiken" für den wirtschaftlichen Ausblick gesprochen. Dies habe eine Flucht in den Dollar ausgelöst, sagten Händler. Als weitere Belastung nannten sie die Rating-Abstufung von einigen italienischen und US-amerikanischen Banken.

dab/dpa-AFX/Reuters/dapd

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mpigerl 22.09.2011
1. Bitte Ihre Wetteinsätze...
Man könnte Wetten starten, welches Finanzsystem zuerst kollabiert: Möglichkeiten: A; Zuerst die USA, die dann die EU und China mit in die Tiefe reißt! B; Zuerst die EU, welche dann USA und dann auch China in den Untergang zieht! Ich tippe auf USA, dort gibt es jetzt schon mehr Pleitestaaten, wie innerhalb der EU und der FED steht das Wasser schon bis zur Nase (der EZB erst bis zum Hals :-) ) Außerdem sind in der EU "nur" die Staaten überschuldet. In den USA haben die Staaten, die Industrie und die Bürger zuviele Schulden.
newliberal 22.09.2011
2. Natürlich
wird der Handlungspielraum kleiner, tiefer als Null kann der offizielle Zinssatz nicht sinken. Selbst mit weiterem QE kann man eine deflationäre Entwicklung nicht aufhalten, bestenfalls abfedern. Privathaushalte, Unternehmen und der Staat sind hochverschuldet, das Ende der Fahnenstange ist erreicht und die Akteure wissen das. Mit Null- und Niedrigstzinsen kann man versuchen diese Schuldenlast erträglicher zu gestalten, man kann aber niemanden mehr dazu motivieren sich noch höher zu verschulden. Das Ende des westl. Wachstumsmodelles der letzten vierzig Jahre, Wachstum auf Pump, Aufblähen des staatlichen Sektors und der Staatsquote ist erreicht. Punkt aus, Ende !
M123 22.09.2011
3. umlaufgesichertes Geld
Zitat von sysopDer Fed-Chef schickt den Dax ins Minus: Der von Ben Bernanke geplante Tausch von Anleihen sorgt bei Anlegern für große Verunsicherung. Der Handlungsspielraum der Notenbank werde immer kleiner, fürchten sie. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,787722,00.html
Mal sehen, wann der erste auf die Idee kommt, negative Zinsen zu erheben. Dann haben wir das umlaufgesicherte Geld...
einszweidrei, 22.09.2011
4. Ziel erreicht
Die Fed hat (vorerst) ihr Ziel erreicht, und das war nicht eine Stützung der Börsen. Viele Länder haben in den letzten Jahren ihren Anteil an Treasuries (Bills, Notes) mit kurzen Laufzeiten (bis 5 Jahre) deutlich verringert, z.B. auch Russland und China. Dafür kaufen Anleger weltweit wie verrückt langfristige Treasuries (Bonds). Mit Ihrem jüngsten Manöver hat die Fed den Zins für langfristige Treasury Bonds verringert, sie also unattraktiver gemacht. Der Zins für kurz- und mittelfristige Treasury Bills und Notes ist dagegen gestiegen, hat sie also wieder attraktiver gemacht. http://www.treasury.gov/resource-center/data-chart-center/interest-rates/Pages/TextView.aspx?data=yield Es ist natürlich noch nicht klar, ob diese Zinsverschiebung schon attraktiv genug ist, dass sich Anleger wieder mehr den kurzfristigen Anleihen zuwenden. Das wird die Zeit zeigen. Die Börsen sind enttäuscht, weil sie sich eine erneute Geldspritze (QE3) erhofft haben. Die ist bislang ausgeblieben. Auf ein eindeutiges, nachhaltiges Konjunkturprogramm können sich US-amerikanische und europäische Politiker auch nicht einigen. Ohne gute Nachrichten haben die Börsen keinen Anlass, nach oben zu gehen.
böseronkel 22.09.2011
5. Die Finanzmärkte müssen wieder der Realwirtschaft dienen
Der share-holder-value hat sich in der Vergangenheit total von der Realwirtschaft entkoppelt. Die Verunsicherung der Anleger hat daher für die Realwirtschaft etwa die gleiche Wirkung als wenn in Peking ein Sack Reis umfällt. Wirksame Bekämpfung einer sich anbahnenden Rezession ist nur möglich, wenn die Armut energisch bekämpft und der in der jüngeren Vergangenheit grotesk gewachsene Reichtum angemessen besteuert wird, und das weltweit.
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