Opfer der Euro-Krise Wall-Street-Firma MF Global ist pleite

Die Spekulation mit europäischen Staatsanleihen wurden dem US-Wertpapierhändler MF Global offenbar zum Verhängnis: Die Wall-Street-Firma musste Gläubigerschutz beantragen, ist also pleite. Die Insolvenz belastet auch den deutschen Aktienmarkt.

MF-Global-Büro in Manhatten: Leiden unter der Euro-Schuldenkrise
REUTERS

MF-Global-Büro in Manhatten: Leiden unter der Euro-Schuldenkrise


New York - Die Euro-Schuldenkrise hat ihr erstes größeres Opfer an der Wall Street gefordert: Der Wertpapierhändler MF Global beantragte am Montag in New York Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts. Dies bedeutet, dass das Unternehmen pleite ist, nach "Chapter 11" des US-Insolvenzrechts wird dem Schuldner aber ein zeitlich begrenzter Schutz vor seinen Gläubigern gewährt, um sich zu sanieren.

MF Global kann also vorerst weiterarbeiten. Der Insolvenzantrag wurde gestellt, nachdem Gespräche über einen Anteilsverkauf mit der Interactive Brokers Group gescheitert waren.

MF Global ist außerhalb der Wall Street kaum bekannt, hat sich innerhalb der Finanzwelt aber einen Namen gemacht. Die Firma wickelt zum Beispiel für Hedgefonds deren Geschäfte mit Aktien, Anleihen, Währungen, Derivaten oder Rohstoffen ab. Das Haus hatte aber auch selbst mit europäischen Staatsanleihen im Volumen von 6,3 Milliarden Dollar (rund 4,5 Milliarden Euro) spekuliert - dieses Geschäft scheint MF Global zum Verhängnis geworden zu sein.

Die Pleite erinnert an den Untergang der Investmentbank Lehman Brothers vor drei Jahren, ist in ihren Ausmaßen aber nicht vergleichbar: MF Global hat mit annähernd 2900 Mitarbeitern gerade mal ein Zehntel der Mannstärke von Lehman Brothers.

Nach der Nachricht verloren die Bankaktien im frühen New Yorker Handel moderat: Die Investmentbank Goldman Sachs verlor vier Prozent, Branchenprimus JP Morgan Chase drei Prozent. Händler sahen in der Nachricht, dass der US-Wertpapierhändler MF Global unter der Euro-Schuldenkrise leidet, auch eine Belastung für die Stimmung am deutschen Aktienmarkt. Am Nachmittag weitete der Dax seine Verluste aus: Der deutsche Leitindex markierte bei 6.192,11 Punkten sein Tagestief und zeigte sich zuletzt 2,28 Prozent schwächer bei 6.201,75 Punkten.

lgr/dpa/Reuters



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irobot 31.10.2011
1. Hier könnte Ihre Werbung stehen!
Na wer sagt es denn? Die Marktwirtschaft funktioniert doch noch. Zumindest bei den kleinen Fischen.
nick999 31.10.2011
2. oh
Da drücke ich doch glatt eine Träne aus. Eine Heuschrecke hat nicht überlebt. Hedgefonds wetten oft auf fallende Kurse und lancieren nach dem Besitz entsprechender Papiere Informationen, um einen Kursrutsch entstehen zu lassen. Im Prinzip sind das Parasiten. Sie schaffen keine Werte, versorgen die reale Wirtschaft nicht mit Geld, können aber beim Wirt Schmerzen verursachen. Pleite nach Chapter 11 also. Das heißt Schutz vor den bösen Gläubigern. Das Unternehmen sieht scheinbar noch Chancen, das Geschäft fortzusetzen? Schade für alle zukünftigen Betroffenen. Vor ein paar Monaten habe ich einen Bericht im Fernsehen gesehen, daß ein Banker zu Beginn der Bankenkrise dem Ausland riesige Mengen faule Wertpapiere angedreht hatte (HRE war mit dabei). Er wurde in den USA wie ein Held gefeiert, weil dadurch in den USA die Folgen der Bankenpleite spürbar abgemildert wurden. Das ist der Stil. Jetzt bloß keine Ausgleichszahlungen an den armen Wertpapierhändler und seine nun darbenden Familien!
lakechamplainer 31.10.2011
3. Nichts neue hier
Jedermann versteht, wo wir von hier gehen: Der Volk wird fuer die Verluste von den Boersianern zahlen, und die Boersianer werden ihr Geld halten.
spiekla 31.10.2011
4. Ihr Aspekt des Besch***sens ausländischer Banker
Zitat von nick999Da drücke ich doch glatt eine Träne aus. Eine Heuschrecke hat nicht überlebt. Hedgefonds wetten oft auf fallende Kurse und lancieren nach dem Besitz entsprechender Papiere Informationen, um einen Kursrutsch entstehen zu lassen. Im Prinzip sind das Parasiten. Sie schaffen keine Werte, versorgen die reale Wirtschaft nicht mit Geld, können aber beim Wirt Schmerzen verursachen. Pleite nach Chapter 11 also. Das heißt Schutz vor den bösen Gläubigern. Das Unternehmen sieht scheinbar noch Chancen, das Geschäft fortzusetzen? Schade für alle zukünftigen Betroffenen. Vor ein paar Monaten habe ich einen Bericht im Fernsehen gesehen, daß ein Banker zu Beginn der Bankenkrise dem Ausland riesige Mengen faule Wertpapiere angedreht hatte (HRE war mit dabei). Er wurde in den USA wie ein Held gefeiert, weil dadurch in den USA die Folgen der Bankenpleite spürbar abgemildert wurden. Das ist der Stil. Jetzt bloß keine Ausgleichszahlungen an den armen Wertpapierhändler und seine nun darbenden Familien!
wird leider von unseren Politikern und Bankern nicht deutlich genug ausgesprochen. Denn was gingen uns die US-Hypo-Krise sowie die damit zusammenhängenden Schrottpapiere an, wenn nicht verbrecherische US Banker ihren damals noch vertrauenswürdigen ausländischen Kollegen diese nicht "verkauft" hätten. Stellen Sie sich vor, der Gesamtschaden wäre nur dort abgerechnet worden, wo er produziert wurde = in USA. Deren Pleite wäre jetzt noch erheblich näher und wir hätten bald Ruhe vor denen.
khaproperty 31.10.2011
5. Mal wieder das Eigengeschäft,
das die eigene Existenz kostete. Das ist nicht so schlimm, wenn und solange man sich nicht aus den Geldern der Kunden bediente bei den riskanten Geschäften. Selbst wenn, träfe es dort nicht die gar Ahnungslosesten. Gefährlich wird das Ganze - was sehr üblich ist bei allen Banken, etc. -, sofern die Herrschaften ihre Griffel in die Kassen der vielen auch kleineren Privatkunden stecken, um sich zum eigenen Vorteil die nötige Eigenkapitalbasis zu schaffen, um die Märkte (wo sich oft dieselben Kunden umtreiben) abzusaugen. Geht`s dann schief, deckt der Arbeitgeber im Zweifel den Mantel des Vergessens drüber, gleicht die Verluste aus und setzt die Leut` bei nächster Gelegenheit ganz friedlich mit Abfindung und Schweigegelübde an die Luft. Nicht immer klappt das so einfach - was dann in der Presse zu lesen ist. Darum: Finger weg vom Kundengeld, egal welcher Lagerdauer. Hier etwa liegt wegen der Infektionsgefahr ein tragender Grund für das Trennbankensystem. Wenn dieselben Aktionäre beide Institute tragen möchten - bitte sehr.
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