Opioid-Epidemie in den USA Johnson & Johnson wegen falscher Vermarktung von Schmerzmitteln verurteilt
Spritzen an einem Drogen-Hotspot: In den USA grassiert die Opioid-Epidemie
Foto: DOMINICK REUTER/ AFPDer Pharmakonzern Johnson & Johnson ist wegen unrechtmäßiger Vermarktung von suchtgefährdenden Schmerzmitteln zu einer vergleichsweise glimpflichen Strafe verurteilt worden. Der zuständige Richter Thad Balkman ordnete eine Zahlung von 572 Millionen Dollar (515 Mio Euro) an, weil der Konzern zur Epidemie der Medikamentenabhängigkeit im Bundesstaat Oklahoma beigetragen habe. Johnson & Johnson kündigte umgehend an, Berufung gegen die Entscheidung einzulegen.
Der Generalstaatsanwalt von Oklahoma, Mike Hunter, hatte dem Konzern vorgeworfen, mit suchtgefährdenden Schmerzmitteln ein Wegbereiter der Opioid-Epidemie und Drogenkrise gewesen zu sein. Laut des Zentrums für Seuchenkontrolle und -prävention in den USA waren Opioide zwischen 1999 und 2017 in etwa 400.000 Todesfällen durch Überdosis beteiligt.
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2018 war die Zahl der Drogentoten in den Vereinigten Staaten zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten gesunken. 2018 starben laut der US-Gesundheitsbehörden rund 68.600 Menschen an einer Überdosis, im Jahr 2017 gab es circa 72.200 Todesfälle. Mit der Geldstrafe für J&J soll der Staat in den nächsten 30 Jahren bei der Bekämpfung der Opioid-Krise unterstützt werden.
Anleger nach Urteil erleichtert
Johnson & Johnson wurde in der Klage beschuldigt, aus Profitgier Suchtrisiken bei der Vermarktung der Medikamente durch irreführende Angaben verschleiert zu haben. Oklahomas Staatsanwalt Hunter hatte eine noch deutlich höhere Strafe von über 17 Milliarden Dollar gefordert.
Pharmakonzern Johnson & Johnson: Die Strafe fiel vergleichsweise gering aus
Foto: CHARLY TRIBALLEAU/ AFPAnleger reagierten erleichtert auf das Urteil, die Aktie von Johnson & Johnson stieg nachbörslich zeitweise um mehr als fünf Prozent. Die Klage richtete sich auch gegen andere Unternehmen, doch Purdue Pharma - der Hersteller des berüchtigten Schmerzmittels Oxycontin - und Teva hatten sich auf Vergleichszahlungen von 270 Millionen beziehungsweise 85 Millionen Dollar geeinigt und einen Prozess damit abgewendet. Es laufen jedoch noch zahlreiche weitere ähnliche Klagen in den USA.