Opioid-Krise Walmart verklagt US-Regierung - um ihr zuvorzukommen

Walmart betreibt in seinen Supermärkten auch Apothekenschalter - trägt der Konzern eine Mitschuld, wenn dort Opiate herausgegeben werden? Um diese Frage entbrennt ein Rechtsstreit, die erste Klage liegt vor.
Walmart in Washington, DC: Droht eine rückwirkende Strafe wegen Opiat-Verkaufs?

Walmart in Washington, DC: Droht eine rückwirkende Strafe wegen Opiat-Verkaufs?

Foto: ANDREW CABALLERO-REYNOLDS / AFP

Die Opioid-Krise in den USA fordert jährlich Tausende Tote, zuletzt gerieten zahlreiche Hersteller der süchtig machenden Schmerzstiller in den Fokus. Doch wie sieht es bei Firmen aus, die die Medikamente an die Bevölkerung herausgeben? Der größte US-Einzelhändler Walmart hat die amerikanische Regierung nun verklagt, um sich gegen drohende juristische Konsequenzen wegen seiner Rolle in der Krise zu wappnen.

Das Justizministerium drohe Walmart mit einem "vollkommen unberechtigten" Rechtsstreit, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend (Ortszeit) in Bentonville mit. Walmart könnte demnach rückwirkend dafür bestraft werden, süchtig machende Schmerzmittel verkauft und damit zur verheerenden Opioid-Epidemie in den USA beigetragen zu haben.

Walmart argumentiert jedoch, die Mitarbeiter hätten nur ihre Pflicht erfüllt und Arzneimittel angeboten, die Kunden von Ärzten mit Zulassung der US-Behörden verschrieben worden seien. "Wir beginnen diesen Rechtsstreit, weil es kein Bundesgesetz gibt, das es Apothekern vorschreibt, sich in dem vom Justizministerium geforderten Maße in das Verhältnis zwischen Ärzten und Patienten einzumischen."

Walmart kommt einer möglichen Klage der US-Regierung nun zuvor, um gerichtlich klären zu lassen, ob Arzneimittelhändler zur Verantwortung gezogen werden können. Tatsächlich werde stets von staatlichen Experten und Gesundheitsbehörden betont, dass es verboten sei, Patienten medizinische Ansprüche zu verweigern. Stellungnahmen des Justizministeriums oder der Antidrogenbehörde DEA, gegen die sich die Klage des Großkonzerns ebenfalls wendet, gab es zunächst nicht.

Die Hersteller sehen sich Milliardenforderungen ausgesetzt

Opioide sind zum Teil synthetisch hergestellte Arzneimittel mit unter anderem schmerzlindernden Eigenschaften. Sie bergen jedoch auch enorme Abhängigkeitsrisiken und hohes Missbrauchspotenzial. Die Opioid-Epidemie in den USA hat laut der Gesundheitsbehörde CDC seit der Jahrtausendwende zu mehr als 450.000 Toten geführt.

Walmart zählt zwar nicht zu den Pharmakonzernen, denen häufig eine Hauptschuld an der Misere gegeben wird, steht als großer Medikamentenhändler mit vielen Apothekenschaltern aber ebenfalls schon länger in der Kritik. Zuletzt hatte der Oxycontin-Hersteller Purdue Pharma am Mittwoch einen Milliardenvergleich akzeptiert.

jok/dpa
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