Oracle und Google im Android-Patentstreit Larry gegen Larry

Wer macht im Kampf um die Herrschaft über den Smartphone-Markt die meisten Milliarden? Diese Frage beherrscht den Patentstreit über das Betriebssystem Android, den Oracle-Chef Larry Ellisson und Google-Boss Larry Page ausfechten - und der nun vor Gericht geht.
Android-Maskottchen: Angriff von allen Seiten

Android-Maskottchen: Angriff von allen Seiten

Foto: REUTERS

Hamburg - Seit einiger Zeit brauchen Technologiefirmen nicht mehr die besten Erfinder und Software-Entwickler, um am Markt erfolgreich zu sein. Sie brauchen die besten Rechtsabteilungen und Anwälte. Statt sich mit den interessantesten Keynotes zu überbieten und die tollsten Gadgets vorzustellen, schlagen sich Konzerne wie Apple, Samsung, Yahoo, Microsoft, RIM oder - hochaktuell - Oracle und Google vor allem vor Gericht. Fast immer geht es um Milliardensummen - und jetzt auch um die Zukunft des lukrativen Smartphone-Markts.

Es geht um die Frage, wer den 200-Milliarden-Mobilfunkmarkt in Zukunft beherrschen wird. Leistungsfähige Smartphones laufen nach und nach überall auf der Welt herkömmlichen Handys den Rang ab - auch in Deutschland. Den Durchbruch brachte der Marktstart von Apples iPhone vor rund fünf Jahren, mittlerweile hat aber das Google-Betriebssystem Android seinen Marktanteil auf mehr als 50 Prozent ausgebaut - und daran will Oracle mit seiner Klage in den USA jetzt mitverdienen.

Schlichtung abgelehnt

Der Prozess, den Richter William Alsup am Bezirksgericht in San Francisco am Montag eröffnet, hat eine lange Vorgeschichte. Oracle reichte schon im August 2010 Klage gegen Google ein. Der Vorwurf: Der Internetkonzern verletze mit seinem Betriebssystem gleich sieben Patente von Oracle, der Schaden liege bei mehr als sechs Milliarden Dollar. Android basiert auf der von der Firma Sun Microsystems entwickelten, offenen und kostenlosen Programmiersprache Java. Die aber gehört seit der milliardenschweren Sun-Übernahme im Jahr 2010 Oracle und seitdem fordert der Technologiekonzern Schadensersatz von Google.

Oracle-Chef Larry Ellison gilt als einer der prozessfreudigsten Unternehmer des Silicon Valley, im aktuellen Fall agiert er aber eher glücklos: Google erreichte bereits, dass fünf Patente, die Oracle für sich beansprucht, für unwirksam erklärt wurden - die Forderung reduziert sich deshalb schon auf rund eine Milliarde Dollar. Ein von Richter Alsup angestrebtes Schlichtungsverfahren endete allerdings ohne Ergebnis, so dass jetzt ein spektakulärer Prozess bevorsteht.

Larry gegen Larry

Als Zeugen wird das Gericht sowohl Ellison aufrufen als auch Google-Chef Larry Page. Ellison wird vermutlich die wichtige Rolle betonen, die Java für das Oracle-Geschäft spiele und welchen Schaden Android dem Unternehmen zugefügt habe. Wenn Google-Chef Page aussagt, rechnen Branchenbeobachter damit, dass interessante Details über die Vermarktungsstrategie für Android und die Geschäftserwartungen bekannt werden - auch über die Werbeeinnahmen mit dem Handy-Betriebssystem wird Page wohl sprechen müssen.

Oracle wird versuchen, eine einstweilige Verfügung gegen Android zu erwirken, das Ziel ist aber kein Auslieferungsverbot, sondern Google soll zum Kauf einer Java-Lizenz gezwungen werden - das Urteil wird erst in acht Wochen erwartet.

Google muss weitere Attacken abwehren

Der Suchmaschinenkonzern zeigt sich zwar mit Blick auf die wirtschaftlichen Folgen des Verfahrens gelassen: Das Unternehmen rechnet damit, dass es höchstens 2,8 Millionen Dollar zahlen müsse, wenn das Gericht eine Verletzung von zwei Java-Patenten feststellen sollte.

Aber Google muss sich einer ganzen Reihe weiterer Attacken erwehren. Bisher vermeiden die Konkurrenten den direkten Angriff und gehen gegen die Produzenten von Geräten vor, auf denen das Betriebssystem Android läuft. So überhäuft der iPhone-Hersteller Apple beispielsweise die Handy-Produzenten HTC und Samsung mit Patentklagen.

Gegen einen Produzenten aber klagen gleich mehrere Branchengrößen: Gegen den Handy-Konzern Motorola - und damit wiederum gegen Google. Der Suchmaschinenkonzern will seine Zwölf-Milliarden-Dollar-Übernahme von Motorola bis zum Juni abschließen - und die mehr als 17.000 Patente als Schutzschild nutzen. Die Erzfeinde Microsoft und Apple haben kürzlich bei der EU-Kommission sogar gemeinsam eine Beschwerde gegen Motorola eingelegt, die Google noch empfindlich treffen könnte. Motorola hat bereits zurückgeschlagen und seinerseits Microsoft verklagt. Ein Ende der weltweiten Patentkriege ist derzeit nicht abzusehen - genauso wenig wie ein Ende des Smartphone-Booms.

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