Hickhack um Beleuchtungsfirma Wir kaufen Osram! Ach nein, doch lieber nicht

Das Angebot kam überraschend: Der Halbleiterkonzern AMS wollte den kriselnden Beleuchtungshersteller Osram schlucken. Doch dann überlegten es sich die Österreicher genauso plötzlich anders.

Osram-Produkte: Die Geschäfte des Traditionsunternehmens laufen schlecht
Osram

Osram-Produkte: Die Geschäfte des Traditionsunternehmens laufen schlecht


Die Aussichten auf eine mögliche Bieterschlacht um eines der bekanntesten deutschen Industrieunternehmen und bessere Konditionen währte nur kurz. Nur wenige Stunden nach einem unverbindlichen Angebot an den in Bedrängnis geratenen Beleuchtungshersteller Osram hat sich der vergleichsweise kleine österreichische Halbleiterkonzern AMS aus Premstetten wieder zurückgezogen.

Der Konzern sehe nach einer Evaluierung "keine ausreichende Basis" für eine Fortsetzung der Gespräche, hieß es in einer Mitteilung von AMS in der Nacht zum Dienstag.

AMS hätte mit seiner Offerte die zwei US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle mit einer auf Pump finanzierten Offerte von 3,7 Milliarden Euro ausgestochen - das wären 300 Millionen Euro mehr als die Amerikaner zuvor in Aussicht gestellt hatten.

AMS habe eine "unverbindliche Interessenbekundung" vorgelegt, wie Osram am Montagabend mitteilte. Die Anleger reagierten erfreut, nicht jedoch die Osram-Chefetage: Die "Transaktionswahrscheinlichkeit" sei "sehr gering", hieß es. Im nachbörslichen Handel legte die Osram-Aktie Chart zeigen dennoch kräftig auf über 35 Euro zu.

Der Osram-Vorstand und -Aufsichtsrat befürworteten vielmehr das verbindliche US-Angebot von 35 Euro je Aktie, das AMS mit 38,50 Euro übertrumpft hätte. Allerdings hätte dafür ein "temporäres Bankdarlehen" in Höhe von 4,2 Milliarden Euro herhalten sollen. In der Mitteilung aus der Osram-Spitze war von "erheblichen Zweifeln an der Finanzierbarkeit" die Rede.

AMS ist in der Schweiz börsennotiert und derzeit etwa 3,1 Milliarden Euro wert, der Umsatz lag 2018 bei 1,4 Milliarden Euro - nicht einmal die Hälfte des Osram-Umsatzes im vergangenen Geschäftsjahr.

Bei Osram laufen die Geschäfte schleppend

Osram steht zum Verkauf, weil der Konzern in den vergangenen eineinhalb Jahren in Schieflage geraten ist. In diesem Jahr könnte der Umsatz um 11 bis 14 Prozent zurückgehen. Das Unternehmen produziert mittlerweile hauptsächlich LEDs und Optoelektronik, die wichtigsten Kunden sind Auto- und Smartphonehersteller.

Die Geschäfte in beiden Branchen laufen schlecht, das trifft die Beleuchtungsfirma hart. Hinzu kommt, dass Osram unmittelbar vor Beginn des Abschwungs noch viel Geld in die Erhöhung der Produktionskapazitäten investiert hatte.

Die US-Finanzhäuser planen, Osram von der Börse zu nehmen. Die Aktionäre sollen bis Anfang September Zeit haben, um das Angebot anzunehmen oder abzulehnen.

jok/dpa



insgesamt 41 Beiträge
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stolpe 16.07.2019
1. Osram, deutsche Qualität
Ich habe vor einigen Jahren mehrere Osram LED-Birnen erworben. Eine habe ich im Wohnzimmer verwendet, eine im Hausflur und eine dritte als Reserve. Nach wenigen Monaten begann die Birne im Wohnzimmer zu spinnen, bald darauf die Birne im Hausflur, lange bevor die beworbenen 15.000 Stunden oder 100.000 Schaltzyklen erreicht waren. Ich hatte gedacht, ich hätte Qualitätsware erworben, aber Pustekuchen. Osram, nein Danke. Heute verwende ich Billigmarken. Die halten wenigstens, was sie versprechen.
dasfred 16.07.2019
2. Ich fand den Namen Osram immer hilfreich
Als Orientierung über Preise von Leuchtmitteln reichte Osram auf der Verpackung und der Preis am Regal, um nachzusehen, ob es nicht vergleichbares zum halben Preis gibt. Osram ist eine bekannte Marke, aber die Produkte sind, abgesehen von ein paar Spezialfällen, meistens zu teuer.
nach-mir-die-springflut 16.07.2019
3. Dr. Hiobs - Sprechstundenzeiten Mo - Fr 9 - 14 ; 18 - 21 ; So 7 - 9
Wenn die Glühbirnen abgeschafft werden, was hat OSRAM noch zu tun? Die Frage ist: Darf ich ein Glühfadenleuchtmittel benutzen, wenn die Energie dafür über ein Photovoltaikmodul gewandelt von der Sonne kommt? Kann Berlin seine Gaslaternen behalten, wenn das Methan für sie aus Elektrolyse durch Sonnenstrom kommt? Oder muss Berlin sein historische Bausubstanz abtragen und sprengen wie die noch völlig intakte Deutschlandhalle?
neutron76 16.07.2019
4. Mit dem abgebildeten Artikel hat die Firma nichts mehr zu tun
Die Regale in den Baumärkten mit Leuchtmitteln für den Consumerbereich hat Osram schon vor Jahren ausgegliedert. Heute gehört LEDVANCE zum Konzern MLS. Da klassische Leuchtmittel nichts mehr kosten, werden die Arbeitsplätze auch bald verschwinden.
sven2016 16.07.2019
5. Osram-Produkte waren früher Qualität.
In den letzten Jahre bin ich davon abgekommen, da zu schnelle Ausfälle vorkamen. Wurde da billig produziert? Namenlose Produkte sind zumindest für mich ökonomisch sinnvoller. In der Industrie mag das anders sein. Wenn verkauft wird, geht ein Teil der Zulieferung nach Ostasien. Davon kann man ausgehen.
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