Chaos um Beleuchtungsfirma Neues Übernahme-Angebot für Osram

Der Halbleiterkonzern AMS will den kriselnden Beleuchtungshersteller Osram nun doch schlucken. Zuvor hatte das Unternehmen eine überraschende Offerte nur Stunden später wieder zurückgezogen.

Ja, nein, ja: Halbleiterkonzern AMS hat ein Angebot für Osram vorgelegt, das vorherige hatte AMS zurückgezogen
Michaela Rehle / REUTERS

Ja, nein, ja: Halbleiterkonzern AMS hat ein Angebot für Osram vorgelegt, das vorherige hatte AMS zurückgezogen


Neue Runde im Übernahme-Hickhack um den Beleuchtungshersteller Osram: Der Halbleiterkonzern AMS aus Österreich will das angeschlagene Unternehmen nun doch übernehmen. Einer Mitteilung zufolge unterbreitet der vergleichsweise kleine Konzern aus Premstätten den Osram-Anlegern ein Kaufangebot von 38,50 Euro je Aktie.

AMS hatte sich Mitte Juli nur wenige Stunden nach einem überraschenden unverbindlichen Angebot wieder zurückgezogen. Damals hieß es, der Konzern sehe nach einer Evaluierung "keine ausreichende Basis" für eine Fortsetzung der Gespräche.

Der Osram-Vorstand und -Aufsichtsrat befürworten bislang das verbindliche Angebot von 35 Euro je Aktie der US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle. Doch die Anleger sind skeptisch: Am vergangenen Freitag hat sich die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) gegen die Offerte ausgesprochen. Die Interessenvertretung der Kleinaktionäre hält den gebotenen Preis für zu niedrig.

Das sieht auch der größte Osram-Anteilseigner, der Vermögensverwalter Allianz Global Investors, so. Er hatte angekündigt, das Angebot wegen des zu geringen Preises nicht anzunehmen.

Vorstand: Zweifel an Finanzierbarkeit

Die Banken HSBC und UBS wollen das Angebot laut der Nachrichtenagentur Reuters mit 4,2 Milliarden Euro finanzieren, einen Teil davon will AMS später durch eine 1,5 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung ablösen, die von den Banken garantiert wird. Auch beim zurückgezogenen Angebot war von einem "temporären Bankdarlehen" in derselben Höhe die Rede, damals sprach die Osram-Spitze von "erheblichen Zweifeln an der Finanzierbarkeit".

AMS ist in der Schweiz börsennotiert und derzeit etwa 3,1 Milliarden Euro wert, der Umsatz lag 2018 bei 1,4 Milliarden Euro - nicht einmal die Hälfte des Osram-Umsatzes im vergangenen Geschäftsjahr.

Osram steht zum Verkauf, weil der Konzern in den vergangenen eineinhalb Jahren in Schieflage geraten ist. Das Unternehmen produziert mittlerweile hauptsächlich LEDs und Optoelektronik, die wichtigsten Kunden sind Auto- und Smartphonehersteller.

Die Geschäfte in beiden Branchen laufen schlecht, das trifft die Beleuchtungsfirma hart. AMS interessiert sich vor allem für das Autozuliefer- und die Photonik-Bereiche von Osram.

kko/dpa/Reuters



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