Angeschlagener Lichttechnikkonzern Osram-Übernahme vorerst gescheitert

Der Beleuchtungshersteller Osram bleibt vorerst eigenständig. Die geplante Übernahme durch den österreichischen Sensorhersteller AMS ist geplatzt - eine gemeinsame Zukunft scheint dennoch nicht ausgeschlossen.
Nach wochenlangem Hickhack steht nun fest - Osram wird vorerst nicht übernommen

Nach wochenlangem Hickhack steht nun fest - Osram wird vorerst nicht übernommen

Foto: REUTERS/Andreas Gebert

Nach einer wochenlangen Bieterschlacht ist nun klar: Der Beleuchtungshersteller Osram bleibt zunächst eigenständig. Das Unternehmen konnte nicht genügend Osram-Aktionäre für sein 4,5 Milliarden Euro schweres Angebot gewinnen.

Nur die Eigentümer von 51,6 Prozent der Anteile des Münchner Traditionsunternehmens nahmen die Offerte von 41 Euro je Aktie an. Somit verfehlte AMS das selbst gesteckte Ziel, 62,5 Prozent der Osram-Anteile in seinen Besitz zu bringen. Die Osram-Aktie stürzte nach Bekanntgabe der gescheiterten Übernahme ab und liegt zur Stunde knapp sechs Prozent im Minus.

Osram-Führungsetage äußerte deutliche Bedenken

AMS-Vorstandschef Alexander Everke will seinen Traum von der Erschaffung einer starken Marke für optische Sensoren und Optoelektronik dennoch nicht aufgeben: "Unsere Vision mit Osram ist es, einen global führenden Anbieter von Sensoriklösungen und Photonik zu schaffen, der auf europäischer Technologie basiert und damit sicherstellt, dass Europa seine weltweite Spitzenstellung bei optischen Technologien beibehält", sagte Everke.

Osram kündigte dagegen an, weiter selbstständig bleiben zu wollen: "Nach dem Scheitern der bisherigen Übernahmeversuche behalten wir jetzt unsere Eigenständigkeit und gestalten unsere Zukunft selbst", sagte Olaf Berlien, Vorstandschef von Osram.

Das Management des Münchner Beleuchtungsherstellers lud die AMS-Führung zu Gesprächen ein, "wie eine sinnvolle und für beide Unternehmen vorteilhafte Kooperation im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben aussehen könnte". Osram-Vorstand und Aufsichtsrat hatten das Übernahmeangebot von AMS zwar befürwortet, jedoch mit so vielen Bedenken, dass dies von vielen als verstecktes Nein gewertet wurde.

Übernahme sollte Geld und Planungssicherheit bringen

Osram bleibt nun selbstständig, doch schreibt das Unternehmen hohe Verluste. AMS hat im Verlauf der Bieterschlacht knapp 20 Prozent der Osram-Aktien an der Börse gekauft und ist damit jetzt größter Anteilseigner. Eine Hauptsorge bei Osram war die Finanzierung. Osram-Vorstandschef Olaf Berlien und der Aufsichtsratsvorsitzende Peter Bauer hatten sich entschieden, ihre eigenen Aktien nicht an AMS zu verkaufen.

Denn um Osram übernehmen zu können, wollte AMS ungeachtet einer jetzt schon hohen langfristigen Verschuldung von mehr als 1,4 Milliarden Euro weitere Kredite in Höhe von knapp 3,9 Milliarden Euro aufnehmen.

Aus diesem Grund sind auch die IG Metall und der Osram-Betriebsrat gegen die Übernahme - die Arbeitnehmervertreter fürchten eine Zerschlagung Osrams, damit würden letztlich die weltweit 24 000 Mitarbeiter die Kosten der Übernahme tragen.

Frisches eigenes Geld wollte sich AMS mit einer Kapitalerhöhung beschaffen - der Plan sah vor, neue Aktien für 1,5 Milliarden Euro auszugeben und zu verkaufen. Unklar ist, wie es nun mit Osram weitergeht. Osram-Vorstand und Aufsichtsrat hatten ursprünglich eine Übernahme durch die zwei US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle befürwortet.

Wegen des rasanten technologischen Wandels in der Beleuchtungsbranche sind nach Einschätzung der Osram-Führungsetage permanente Investitionen notwendig. Doch da das über 110 Jahre alte Unternehmen derzeit Verluste schreibt, ist die Finanzierung von Zukunftsprojekten sehr schwierig.

Die Übernahme durch die Investoren hätte Osram nach Einschätzung des Managements sowohl Geld als auch Planungssicherheit für die nächsten Jahre verschafft. AMS-Chef Everke will jedenfalls auf Grundlage des 19,99 Prozent-Anteils an Osram seine Übernahmepläne weiter verfolgen.

flg/dpa-AFX