Energiegipfel Ostseestaaten in der EU wollen Windkraft massiv ausbauen

Mehrere Ostseestaaten haben sich in Dänemark auf einen enormen Ausbau der Windkraft verständigt. Die Menge an Offshore-Windenergie soll sich bis 2030 versiebenfachen. Auch Deutschland ist gefordert.
Windkraftanlagen in der Ostsee: Mehr als 19 Gigawatt sollen 2030 installiert sein

Windkraftanlagen in der Ostsee: Mehr als 19 Gigawatt sollen 2030 installiert sein

Foto: Joern Pollex/ Getty Images

Die Hoffnungen auf dem Gipfeltreffen von acht Anrainerstaaten der Ostsee, darunter Deutschland, sind groß: Offshore-Windenergie soll einen großen Teil dazu beitragen, sich dauerhaft vom russischen Gas unabhängig zu machen und das Klima schützen.

Gemeinsam haben sie sich nun auf einen massiven Ausbau der Windkraft auf dem Meer geeinigt. Die Offshore-Windkapazität solle bis 2030 versiebenfacht werden, sagte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bei dem Energiegipfel auf Schloss Marienborg, nördlich von Kopenhagen. Das Treffen sollte ursprünglich auf der Insel Bornholm stattfinden. Aufgrund eines Streiks am Flughafen der Insel wurde es aber kurzfristig nach Marienborg verlegt.

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Es gebe ein großes Potenzial, sagte die sozialdemokratische Regierungschefin. »Solange wir von fossilen Brennstoffen abhängig sind, sind wir verwundbar.« An dem Treffen nahmen zudem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie Vertreter aus Polen, Litauen, Lettland, Estland, Finnland und Schweden teil. Über eine deutsche Teilnahme war lange nichts bekannt – Deutschland taucht jedoch als Unterzeichner auf der gemeinsamen Marienborg-Erklärung  auf.

Strom für 20 Millionen Haushalte

In der Ostsee sind derzeit 2,8 Gigawatt (GW) Offshore-Windkapazität installiert, überwiegend in dänischen und deutschen Gewässern. Geht es nach dem Willen der Gipfelteilnehmer soll der Anteil bis 2030 auf mehr als 19 Gigawatt installierte Leistung steigen. Damit könnten rund 20 Millionen Haushalte mit Strom versorgt werden.

Foto: Ritzau Scanpix / REUTERS

Im Mai hatte Dänemark bereits einen Gipfel zur Windenergie in der Nordsee ausgerichtet. Damals einigten sich Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und seine Amtskollegen aus Dänemark, Belgien und den Niederlanden darauf, den Ausbau der Offshore-Windenergie anzukurbeln und dabei enger zusammenzuarbeiten.

Zu Beginn der Woche hat sich Deutschland zudem den Zugang zu deutlich mehr Windenergie aus Dänemark gesichert. Das dänische Energieministerium teilte am Montag mit, die Übertragung solle dabei über die Insel Bornholm mit einem 470 Kilometer langen Netzkabel direkt nach Deutschland erfolgen.

Auf der Insel im dänischen Teil der Ostsee ist ein Energieverteilungszentrum geplant. Von dort sollen bis 2030 mehrere Windparks im Meer Energie liefern  – für Deutschland geht es um mindestens drei Gigawatt. Damit könnten 4,5 Millionen Haushalte versorgt werden. Die Investitionen und die künftigen Gewinne wollen sich beide Länder je zur Hälfte teilen.

Wird Leben auf Bornholm »die Hölle«?

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sprach der Mitteilung des dänischen Ministeriums  zufolge von einem Modellprojekt. Es werde helfen, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern. Im vergangenen Jahr hatten Deutschland und Dänemark bereits begonnen, über Kabel mehrere Windparks in der Ostsee zu verbinden. Das skandinavische Land will bis 2030 fünfmal so viel Windenergie vor seinen Küsten produzieren.

Auf Grundlage der politischen Einigung sollen der dänische Übertragungsnetzbetreiber Energinet und 50Hertz sich nun über den konkreten Inhalt der Vereinbarung einigen. Mithilfe der Energieinsel sollen auf der vom Tourismus geprägten Insel Bornholm neue Ausbildungs- und Arbeitsplätze entstehen und auch die Versorgungssicherheit der Insel gestärkt werden.

Auf Bornholm ist jedoch nicht jeder begeistert. Nachdem ursprünglich wie für die Nordsee auch für die Ostsee eine künstliche Insel für die Anlagen geplant war, die den Strom bündeln und weiterschicken soll, sollen diese nun auf Bornholm entstehen. Ein Nachbar an der Südküste der Insel sprach Danmarks Radio zufolge davon , dass das Leben dort künftig »die Hölle« sein werde – sowohl wegen der Windturbinen nahe der Küste, als auch wegen der inzwischen größer geplanten Onshore-Anlagen.

apr/Reuters/dpa
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