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06. Juni 2011, 17:12 Uhr

OTE-Beteiligung

Griechenland verkauft Telekom 400-Millionen-Aktienpaket

Die griechische Regierung beginnt mit den angekündigten Privatisierungen: Sie verkauft der Deutschen Telekom weitere zehn Prozent am früheren Staatskonzern OTE. Ein Erfolg war die Investition für die Telekom bislang nicht, zugreifen muss sie trotzdem.

Athen - Griechenland soll mehr Staatsbesitz zu Geld machen - das fordern die internationalen Experten, die bis zur vergangenen Woche den Stand der Reformbemühungen überprüften. Nun zeigt die Regierung in Athen, dass sie zu weiteren Privatisierungen bereit ist: Das Land verkauft einen zehnprozentigen Anteils am Telekommunikationsunternehmen OTE an die Deutschen Telekom .

Für die 49 Millionen OTE-Aktien werde die Telekom etwa 400 Millionen Euro zahlen, teilte das Bonner Unternehmen am Montag mit. Nach der Transaktion wird Griechenland noch zehn Prozent plus eine Aktie halten, die Telekom 40 Prozent plus eine Aktie. Die restlichen 50 Prozent gehören institutionellen Anlegern aus Griechenland und dem Ausland.

Die Telekom hatte bereits 2008 einen Anteil von 30 Prozent an OTE gekauft. Der Konzern verpflichtete sich damals, weitere zehn Prozent zu erwerben, falls die Regierung in Athen dies bis Ende 2011 beantragen sollte. Diese Option haben die Griechen nun gezogen. Der Preis ergibt sich aus dem durchschnittlichen Aktienkurs der vergangenen 20 Handelstage plus einen Aufschlag von 15 Prozent.

Die Investition in OTE war für die Telekom bislang wenig erfolgreich: Vor drei Jahren hatte das Unternehmen für den 30-Prozent-Anteil an OTE etwa 3,8 Milliarden Euro gezahlt. Seitdem ist der OTE-Kurs in den Keller gerauscht - derzeit wird das gesamte Unternehmen an der Börse in Athen noch mit etwa 3,5 Milliarden Euro bewertet. Die Erhöhung auf 40 Prozent sorgte bei Telekom-Anlegern jedoch für wenig Aufregung: Der Kurs der Aktie sank bis zum Nachmittag lediglich um 0,1 Prozent auf 10,01 Euro.

Weitere Privatisierungen gelten als eine der Voraussetzungen dafür, dass Griechenland weiterhin Geld aus einem 110-Milliarden-Euro-Rettungsschirm von EU und Internationalem Währungsfonds erhält. Trotz wachsenden Widerstands in der Bevölkerung diskutiert die griechische Regierung derzeit weitere Einschnitte, um ein zweites Rettungspaket zu ermöglichen.

Die Verhandlungen über dieses Programm sind laut einem Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn aber noch lange nicht unter Dach und Fach. "Eine mögliche Vereinbarung müsste von den Euro-Finanzministern fertig verhandelt und angenommen werden", sagte der Sprecher. Das nächste Treffen der Euro-Finanzchefs ist für den 20. Juni angesetzt.

dab/dpa

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