Neuer Fonds in Brasilien Otto wird zum globalen Internet-Investor

Die Otto-Group wird zum weltweiten Kapitalgeber für Start-ups. Der Versandhändler ist bereits in Europa, Asien und Russland aktiv - nun beteiligt er sich nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen an einem 130 Millionen Dollar schweren Fonds in Brasilien.
Skyline von São Paulo: Die Zahl der Start-ups wächst

Skyline von São Paulo: Die Zahl der Start-ups wächst

Foto: © Paulo Whitaker / Reuters/ REUTERS

Hamburg - Der Versandhändler Otto drängt in die Märkte der Zukunft. Wie SPIEGEL ONLINE aus Branchenkreisen erfuhr, beteiligt sich das Unternehmen mit 20 Millionen Dollar an einem 130 Millionen schweren Investmentfonds für Start-ups in Brasilien. Das Investment passt zur Konzernstrategie. Bereits 2011 hatte Otto angekündigt, sich das schnell wachsende Schwellenland mit eigenen Online-Shops erschließen zu wollen.

Mit diesem Schritt dürfte das Versandhaus mit dem konservativen Image nun endgültig zum größten deutschen Internet-Investor im sogenannten Wagniskapitalbereich aufsteigen.

Verwaltet wird der Fonds von einem Joint Venture der Investmentgesellschaften Redpoint und e.ventures, die seit Anfang des Jahres brasilianische Start-ups mit Kapital versorgen und mit dem Silicon Valley in San Francisco vernetzen. Redpoint e.ventures hat bereits in fünf brasilianische Start-ups investiert, unter anderem in das Reiseportal Viajanet und einen Spezialisten für Marketing in sozialen Netzwerken namens 55Social. Nun hat Redpoint e.ventures genug Kapital für seinen ersten Brasilien-Fonds eingesammelt.

Mit der Firma e.ventures arbeitet Otto noch in zahlreichen anderen Ländern zusammen. Das Unternehmen verwaltet insgesamt fünf Fonds , diese sind unter anderem an Start-ups in Deutschland, Frankreich, England, den USA, China, Japan und Russland beteiligt. Insgesamt ist Otto über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren mit mehr als 200 Millionen Dollar an den e.ventures-Fonds beteiligt. Der Versandhändler macht bereits rund die Hälfte seines Umsatzes im Internet; er tut sich aber schwer, gegenüber Konkurrenten wie Amazon nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Mit seiner Investment-Strategie versucht Otto von Unternehmen mit großem Wachstumspotential auf der ganzen Welt zu profitieren. Ein riskantes Geschäft, denn viele Start-ups erweisen sich trotz Millioneninvestitionen als nicht tragfähig, das investierte Geld ist dann weg. Aus einem Wagniskapitalfonds werden aber meist mehrere Start-ups finanziert. Nicht selten reicht es schon, wenn eines davon es an die Börse schafft oder übernommen wird, um das Geld der Investoren wieder einzuspielen.

Boommarkt Brasilien

E.ventures war 2011 erfolgreich. Zwei aus den Fonds finanzierte Start-ups schafften es an die Börse, drei wurden von anderen Firmen übernommen. Zu den Erfolgsunternehmen um e.ventures gehörte unter anderem das Rabattportal Groupon.

Mit Brasilien wagt sich Otto in einen Schlüsselmarkt. Das Land mit seiner rasch wachsenden Mittelklasse könnte laut Prognosen der Weltbank im Jahr 2016 in die Liga der fünf größten Wirtschaftsmächte aufsteigen. Brasilien gilt als nächster möglicher Boom-Markt für Internet-Start-ups. "Erst seit einigen Jahren entwickelt sich dort eine Szene aus Gründern und Investoren", sagt Mathias Schilling, Mitgründer von e.ventures. "Es herrscht Aufbruchstimmung."

Tatsächlich ist die Zahl der Start-ups stark gestiegen. "Viele Bereiche des Internetgeschäfts, für die es in Ländern wie den USA oder Deutschland längst lokale Marktführer gibt, sind in Brasilien noch gar nicht besetzt", sagt Schilling.

An diesem Boom wollen noch andere teilhaben. Neben Otto sind an dem Brasilien-Fonds von e.ventures noch elf weitere Investoren beteiligt, darunter auch deutsche Unternehmen.

Der Otto-Konzern hatte kürzlich auch in Deutschland sein Investment in Start-ups ausgebaut. Im Januar steckte der Konzern 50 Millionen Euro in den Inkubator Project A. Anders als ein Wagniskapitalgeber investiert ein Inkubator nicht einfach in junge Gründer; die Start-ups nisten sich in den Büroräumen des Inkubators ein und werden von einem Expertenteam betreut, das bei Buchhaltung, rechtlichen Problemen und der Ausarbeitung des Geschäftsmodells hilft. Project A wurde von mehr als einem Dutzend Szenekennern gegründet, die die Samwer-Firma Rocket Internet AG schlagartig verlassen hatten. In der Folge hatte es Gerüchte gegeben, Otto habe Project A geholfen, die Kreativen abzuwerben.

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