»Kolleg*innen« Gendersternchen bei Otto sorgt für Aufregung

Darf der Otto-Konzern »Kolleg*innen« schreiben? Auf Twitter wird über einen aktuellen Post des Versandhändlers in gendersensibler Sprache gestritten. Einen Boykottaufruf kontert Otto souverän.
Die Zentrale des Versandhändlers Otto in Hamburg

Die Zentrale des Versandhändlers Otto in Hamburg

Foto: Markus Scholz / dpa

Eigentlich wollte das Versandhausunternehmen Otto vergangene Woche nur die neueste Folge seines Podcasts »O-Ton« auf Twitter bewerben. Jedoch sorgt seither nicht etwa das Thema des Hörformats – die Zusammenarbeit von Beschäftigten im Büro und im Homeoffice – für Aufregung. Sondern das Wort »Kolleg*innen« in der Ankündigung des Podcasts. Weil das Versandhaus in dem Text gendert, rufen einige Nutzerinnen und Nutzer zum Boykott des Unternehmens auf. Andere verteidigen und loben die Unternehmenskommunikation.

»Wir sind überrascht von der Kritik«, sagte Otto-Sprecher Frank Surholt, aber es sei jedem freigestellt, wie er das finde, zitiert ihn das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Das Unternehmen verwende seit 2019 gendersensible Sprache. »Wenn man sich dafür entschieden hat, steht man dazu – das tun wir.«

Auf die Kritik eines Users, wegen des Gendersterns künftig nur noch beim Konkurrenten Amazon einzukaufen, kontert Otto in einem Tweet: »Stimmt, so einfach ist das: Wir gendern. Und du musst nicht bei uns bestellen. ;)«.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Der scheidende AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen nutzte Ottos Reaktion am Mittwoch für parteipolitische Ziele und feuerte mit einem Post die Debatte zusätzlich an.

Otto hatte zuletzt von der Coronapandemie profitiert. Im März teilte das Hamburger Unternehmen mit, seinen Umsatz 2020/21 mit 4,5 Milliarden Euro um 30 Prozent gesteigert zu haben. Erstmals war auch die Marke von zehn Millionen Onlinekundinnen und -kunden geknackt worden.

Im September 2020 kündigte Otto an, seinen Retourenstammsitz in Hamburg »trotz technisch hohem Niveau und hervorragend arbeitender Kolleg*innen« aus Kostengründen zu schließen und die Arbeit in zwei bestehende Standorte in Tschechien und Polen zu verlegen. 840 Stellen waren damals davon betroffen, überwiegend in Teilzeit.

Dieses Vorgehen sorgt in der aktuellen Debatte nun für nachträgliche Kritik. Einige Userinnen und User warfen Otto Doppelmoral vor, da Teilzeitstellen vor allem mit Frauen besetzt werden und man sie im Ausland noch besser ausbeuten könne.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Otto-Gruppe hat sich bis 2023 einen Umstrukturierungsplan auferlegt, weg vom reinen Händler hin zur Plattform mit den Produkten von Partnerunternehmen. Durch den Wandel sollen weitere Kosten – und somit auch Stellen – eingespart werden. Wie vielen Beschäftigten dadurch Entlassung drohen, teilte das Versandhaus bisher nicht mit.

atb
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.