Versicherungskonzern Oxfam wirft Allianz gigantische Spekulation mit Nahrungsmitteln vor

Deutsche Banken und Versicherungen spekulieren trotz öffentlicher Kritik weiter massiv mit Nahrungsmitteln. An erster Stelle steht in Deutschland dabei offenbar der Versicherungskonzern Allianz. Das hat laut "Süddeutscher Zeitung" eine Studie der Organisation Oxfam ergeben.
Allianz-Gebäude in Berlin: Rekordhalter der Nahrungsmittelspekulation

Allianz-Gebäude in Berlin: Rekordhalter der Nahrungsmittelspekulation

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

München - Termingeschäfte mit landwirtschaftlichen Rohstoffen sind äußerst lukrativ, Banken und Versicherungen investieren Milliarden in diesen umstrittenen Markt. Allen voran der Münchner Versicherungskonzern Allianz. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf eine Studie der Entwicklungsorganisation Oxfam, die am Mittwoch veröffentlicht werden soll.

Nach Recherchen der Organisation handelt der Versicherer so intensiv wie kein zweites deutsches Unternehmen an Warenterminbörsen mit Nahrungsmitteln. In fünf Fonds setze das Unternehmen demnach auf steigende Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse, insbesondere über die zum Konzern gehörende Kapitalanlagegesellschaft Pimco.

Der Studie zufolge hatte die Allianz   2011 mehr als 6,2 Milliarden Euro in solche Fonds investiert, die Deutsche Bank   knapp 4,6 Milliarden Euro. In einem globalen Markt, den Analysten auf rund 70 Milliarden Euro schätzen, kämen allein diese beiden Geldinstitute auf einen Anteil von rund 14 Prozent.

Solche Geschäfte trieben Nahrungspreise hoch und verschärften so Hungerkrisen, kritisiert Oxfam. "Menschen in armen Ländern geben bis zu 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus", sagte Frank Braßel, Leiter der Oxfam-Kampagne. Die seien "den Preissprüngen durch die Spekulation mit Nahrungsmitteln schutzlos ausgeliefert". Während sich viele Gründe für den Hunger nicht beeinflussen ließen, gelte das für spekulative Geschäfte sehr wohl.

Kritik an solchen Geschäften gibt es seit Monaten, zuletzt stand vor allem die Deutsche Bank im Vordergrund. Sie überprüft derzeit die Vorwürfe und will solange keine weiteren Anlageprodukte auf der Basis von Grundnahrungsmitteln auflegen.

Die Allianz wies die Vorwürfe zurück. Der Finanzkonzern investiere weniger als ein Prozent seiner Anlagen in Nahrungsmittelderivate. "Unsere Fonds setzen dabei nicht gezielt auf steigende Preise", sagte ein Sprecher, an den Finanzmärkten lasse sich ja auch auf fallende Preise setzen. Ein Ausstieg stehe zurzeit aber nicht zur Debatte.

nck/dpa
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