Wegovy und Ozempic Abnehmspritzen bedrohen Umsätze von US-Lebensmittelbranche
Walmart-Kunde in Torrington im US-Bundesstaat Connecticut
Foto: A. Farnsworth / IMAGOSemaglutid gilt als neues Wundermittel im Kampf gegen Fettleibigkeit. Der Wirkstoff, der ursprünglich nur gegen Diabetes Typ 2 eingesetzt werden sollte, eignet sich nämlich oft auch zum Abnehmen. Seit Monaten finden Spritzen mit Semaglutid unter den Markennamen Ozempic oder Wegovy entsprechend reißenden Absatz.
Während Hersteller Novo Nordisk über riesige Gewinne dank des neuen Mittels jubelt, sind andere Wirtschaftszweige sehr besorgt. Konkret etwa die für Kalorienbomben in überdimensionierten Verpackungen bekannte US-Supermarktkette Walmart. Denn das, was den Patienten hilft, wird für das Handelsunternehmen zum Problem: Semaglutid zügelt den Appetit und macht satt .
Die Folge: Kunden, die das Medikament nehmen, kaufen weniger ein. Es seien weniger Artikel und »leicht weniger Kalorien«, sagte der Chef des US-Geschäfts von Walmart, John Furner, vergangene Woche der Nachrichtenagentur Bloomberg . Walmart verkauft außer den Lebensmitteln auch die Medikamente über Apotheken in seinen Supermärkten und kann sich dadurch ein Bild vom Kaufverhalten machen – anonymisiert, wie der Konzern versichert.
Aktienkurse von PepsiCo oder McDonald’s unter Druck
Experten der Bank Barclays rechnen ebenfalls bereits damit, dass die Ausbreitung der Abnehmmittel die Nachfrage bei Anbietern von Snacks wie Chips und Fast-Food-Ketten drücken könnte. Das US-Unternehmen Conagra, das unter anderem Tiefkühlkuchen und Trinkkakao herstellt, erwägt deshalb nach eigenen Angaben kleinere Packungsgrößen. Diese könnten allerdings auch ein Mittel im Kampf gegen die durch die Inflation gestiegenen Kosten sein. Andere Firmen schränkten ein, man habe noch zu wenig Daten über das Kundenverhalten.
Angeblich wegen des Booms der Appetitzügler waren zuletzt auch die Aktienkurse von PepsiCo oder McDonald’s unter Druck geraten. Ein Experte der Finanzfirma Mizuho sagte dem Wirtschaftssender CNBC, dass auch das Geschäft der US-Restaurantbranche bis 2025 um 25 Milliarden Dollar schrumpfen könnte. Analysten der Bank of America sehen zudem in Anbietern von kalorienarmen Tiefkühlprodukten einen weiteren potenziellen Verlierer des Trends. Sie könnten durch die neuen Medikamente überflüssig werden.
Für Walmart bleibt angesichts der neuen Schlankheitsspritzen die Hoffnung, dass die Leute mehr Geld für andere Dinge ausgeben. So sei etwa der Umsatz mit Gesundheits- und Wellnessprodukten in den Märkten gestiegen, hatte Konzernchef Doug McMillon bereits im August die Anleger beruhigt.