Anleger um Altersvorsorge geprellt Container-Betrugsskandal - Firmengründer Roth angeklagt

Es ist einer der größten Betrugsfälle der Nachkriegsgeschichte - nun muss der mutmaßliche Verursacher vor Gericht: Seine Firma P&R hat Container vermietet, die es gar nicht gab - und ergatterte von Anlegern mehrere Milliarden.

Hamburger Hafen (Archiv)
DPA

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Die Staatsanwaltschaft München hat Anklage gegen den Gründer der insolventen Containerfirma P&R, Heinz Roth, erhoben.

Dem 75 Jahre alten Manager werden 414 Fälle des gewerbsmäßigen Betrugs mit einem Schaden von knapp 18 Millionen Euro vorgeworfen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst. Es sei nur ein kleiner Teil der "gigantisch großen Anlagesumme" von 3,5 Milliarden Euro berücksichtigt worden.

Chefermittler sieht Eile geboten

Roth ist die Schlüsselfigur in einem der größten Betrugsfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der Gesamtschaden übertrifft die jetzt angeklagten Fälle bei Weitem. Chefermittler Kornprobst begründete das mit der Komplexität des Verfahrens und der gebotenen Eile - Roth sitzt seit Monaten in Untersuchungshaft. P&R hatte die Vermietung von Containern als Geldanlage angeboten, insgesamt etwa 54.000 Kunden hatten investiert.

Nach den Untersuchungen des Insolvenzverwalters Michael Jaffé handelte es sich zu einem beträchtlichen Teil um Scheingeschäfte - knapp zwei Drittel der angeblich vermieteten 1,6 Millionen Container existierten gar nicht.

P&R könnte damit sogar den FlowTex-Skandal der Neunzigerjahre übertreffen, den bisher größten Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte. Flowtex-Boss Manfred S. - genannt "Big Manni" - und seine Komplizen hatten mehr als 3000 nicht vorhandene Spezialbohrmaschinen für unterirdische Bauarbeiten verkauft und damit über zwei Milliarden Euro erschwindelt.

Viele Rentner und Pensionäre betroffen

Viele der geprellten P&R-Kunden sind Rentner und Pensionäre, die ihre Altersvorsorge aufbessern wollten. Laut Insolvenzverwalter ist fast ein Drittel der Anleger mehr als 70 Jahre alt. P&R vermietete die Container an Frachtunternehmen, damit sollte die Rendite für die Anleger finanziert werden. Außerdem bot P&R den Anlegern den Rückkauf nach fünf Jahren an.

Das Geschäftsmodell funktionierte über Jahre, weil P&R mit dem Geld immer neuer Kunden die Renditen der Altanleger zahlte. Roth hat sich nach Worten Kornprobsts zu den Vorwürfen geäußert: "Er hat Angaben gemacht. Das heißt nicht, dass er alles zugegeben hätte." (Lesen Sie, wie sich Anleger vor windigen Finanzfirmen schützen können.)

Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei P&R gab es seit Jahren: Die Unstimmigkeit im P&R-Geschäftsmodell bestand unter anderem darin, dass P&R weit mehr Geld an die Anleger auszahlte, als die Containervermietung einbrachte. Die Stiftung Warentest hatte das im Juni 2017 publik gemacht, Zweifel und Diskussionen in der Fachwelt gab es schon Jahre vorher. Von Anlegern gibt es daher Kritik an der Finanzaufsicht Bafin, weil die mutmaßlichen Betrügereien über ein Jahrzehnt unentdeckt blieben.

Roth selbst bezifferte sein Privatvermögen laut einem Gutachten der P&R-Insolvenzverwalter auf zehn bis 13 Millionen Euro. Der Firmengründer hat jedoch keine Kontrolle darüber, seit Dezember haben darauf nur noch die Insolvenzverwalter Zugriff.

brt/dpa



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