Container-Vermieter P&R wohl schon seit 2010 pleite

Der Insolvenzverwalter des Container-Vermieters P&R geht davon aus, dass das Schneeballsystem des Unternehmens acht Jahre lang lief. Auf der Gläubigerversammlung machte er den Betrogenen etwas Hoffnung.

Container im Hamburger Hafen (Archiv)
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Container im Hamburger Hafen (Archiv)


Acht Jahre lang soll sich der Container-Vermieter P&R nur mit einem Schneeballsystem über Wasser gehalten haben. Das geht aus Erkenntnissen von Insolvenzverwalter Michael Jaffé hervor.

Der Insolvenzantrag, den das Unternehmen im Frühjahr stellte, wäre eigentlich schon im Jahr 2010 fällig gewesen, sagte Jaffé auf der ersten von einer Reihe von Gläubigerversammlungen in der Olympiahalle in München.

Seither habe P&R die fälligen Auszahlungen an die Anleger nur noch mit neu eingeworbenem Geld finanziert. Die Anlagen seien aber nach der Insolvenz des Konkurrenten Magellan 2016 und 2017 eingebrochen, sodass die Liquidität im März 2018 aufgebraucht war.

P&R ist einer der größten Anlageskandale in Deutschland. Das jahrzehntelang erfolgreiche Unternehmen hatte am Ende rund 1,6 Millionen Schiffscontainer als Kapitalanlage an 54.000 Anleger verkauft, von denen aber eine Million gar nicht existierten.

Insolvenzverwalter betreibt Geschäft weiter

Die Lücke war laut Jaffé seit 2007 immer größer geworden. Der Insolvenzverwalter versucht, das Geschäft mit den Containern, die vom schweizerischen Zug aus an Reedereien und Leasingfirmen vermietet werden, weiterzubetreiben und die Container erst nach und nach zu verkaufen oder zu verschrotten.

Damit könne noch ein Teil der Vermögenswerte für die Anleger gesichert werden. Allein bis 2021 rechnet Jaffé mit Einnahmen von rund 560 Millionen Euro. Daher sei es wichtig, die P&R-Gesellschaft in der Schweiz nicht ebenfalls in die Pleite rutschen zu lassen.

P&R hatte bei den Anlegern 3,5 Milliarden Euro eingesammelt. Die Münchner Staatsanwaltschaft, die P&R-Firmengründer Heinz R. im September wegen Betrugsverdachts in Untersuchungshaft nehmen ließ, schätzt den Schaden auf 1,5 bis zwei Milliarden Euro. Die Chance, von R. oder den Versicherern Geld zurückzubekommen, schätzt Jaffé gering ein.

Jaffé hofft auf Zahlungen ab 2020

Ein Großteil der Anleger ist mehr als 70 Jahre alt, Jaffé drängt daher auf rasche Abschlagszahlungen: "Wenn wir wie geplant bei unserem mehrstufigen koordinierten Verwertungskonzept vorankommen, erscheint eine erste Zahlung an die Gläubiger im Jahr 2020 möglich."

Zur ersten von vier Gläubigerversammlungen von P&R-Firmen in der Olympiahalle kamen gut 2500 Geschädigte, weitere 7700 schickten ihre Anwälte. Allein sie hatten zusammen mehr als eine Milliarde Euro bei P&R angelegt. Presse und Öffentlichkeit waren zu der Versammlung nicht zugelassen, viele Anleger wollten anonym bleiben. Sie bestätigten Jaffé als Insolvenzverwalter.

brt/Reuters



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