Boomendes Paketgeschäft Post verspricht Tausende neue Arbeitsplätze

Die Deutsche Post will Jobs schaffen. Der Haken: Der überwiegende Teil der neuen Mitarbeiter soll in eigens gegründeten Tochtergesellschaften arbeiten - zu deutlich niedrigeren Löhnen.
Paketzusteller der Post: Tarifsystem aus den Siebzigerjahren

Paketzusteller der Post: Tarifsystem aus den Siebzigerjahren

Foto: Oliver Berg/ dpa

Bonn - Das boomende Paketgeschäft ruft die Konzernstrategen der Deutschen Post auf den Plan. Sie versprechen Tausende neue Arbeitsplätze in den kommenden Jahren: "Wir rechnen mit 10.000 neuen Stellen bis 2020 und wahrscheinlich 20.000 in Summe bis 2025", sagte der für das Brief- und Paketgeschäft zuständige Vorstand Jürgen Gerdes.

Allzu hohen Erwartungen verpasste Gerdes jedoch einen Dämpfer. Denn die neuen Mitarbeiter sollen in eigens gegründeten Gesellschaften arbeiten. Der Hausvertrag der Post gilt für sie damit nicht, vielmehr sollen sich ihre Löhne an den Tarifen der Logistikbranche orientieren. Diese liegen vielfach unter denen des Bonner Konzerns. Gerdes hatte immer wieder beklagt, die Personalkosten seien im Durchschnitt doppelt so hoch wie die der Wettbewerber: "Die Paketzustellung ist auf Dauer nicht innerhalb der existierenden Tarifverträge machbar, weil der Wettbewerbsnachteil zu groß ist", sagte er.

Gerdes und die Gewerkschaft Ver.di liegen deshalb im Clinch, der Post-Vorstand forderte für Neueinstellungen immer wieder eine "marktgerechte Bezahlung". "Unser altes Tarifsystem in der AG kommt aus den Siebzigerjahren, aus den Zeiten der Bundespost", sagte er. "Heute sind wir ein modernes Dienstleistungsunternehmen und brauchen somit auch ein modernes Tarifgefüge."

Für Festangestellte gilt Haustarifvertrag weiter

Ziel von Gerdes ist es, die Lohnkosten näher an die von Wettbewerbern wie UPS oder TNT zu bringen. Die Tarifentgelte in der Logistik beginnen bei Stundenlöhnen von knapp über zehn Euro, in einigen Bezirken - etwa in Süddeutschland - liegen sie deutlich höher.

Die Post hat laut Gerdes bereits 49 neue Gesellschaften gegründet, die die neuen Mitarbeiter einstellen sollen. Die Post beschäftigt derzeit im Brief- und Paketgeschäft in Deutschland rund 180.000 Mitarbeiter. "Diejenigen Menschen, die bereits bei uns unbefristet beschäftigt sind, sind nicht Zielgruppe der neuen Gesellschaften", betonte Gerdes: "Für sie gilt der Haustarifvertrag weiter."

mik/Reuters