Krisengewinner Paketdienstleister profitieren vom Trend zum Homeoffice

Weihnachts- und Corona-Zeit: Die Paketzusteller vermelden ein Rekordgeschäft – auch weil viele Empfänger im Homeoffice arbeiten. Doch das könnte einem langfristigen Ziel der Unternehmen zuwiderlaufen.
Ein DHL-Paketbote: Schnellere Lieferung dank Homeoffice

Ein DHL-Paketbote: Schnellere Lieferung dank Homeoffice

Foto: Jan Woitas / dpa

DHL beförderte unlängst 56 Millionen Paketsendungen in einer Woche, ein Rekord. Der Boom des Paketversands liegt an der Kombination aus Weihnachts- und Corona-Zeit. Die Branche profitiert vom Homeoffice: Denn die Paketboten treffen häufiger die Empfänger in ihren Wohnungen an. Dadurch entfällt zeitraubendes Klingeln bei den Nachbarn oder eine erneute Zustellung, wie die deutschen Paketdienstleister auf Anfrage mitteilten.

Ein weiterer Grund für schnellere Zustellabläufe ist die sogenannte kontaktlose Zustellung: Empfänger müssen den Erhalt des Pakets nicht mehr mit Unterschrift quittieren, zudem willigen sie deutlich häufiger als früher in die Ablage vor der Tür oder anderswo auf ihrem Grundstück ein.

»Abstell-Okay« erleichtert Paketzustellung

Marktführer bei Paketen ist die Deutsche Post DHL, zu den Konkurrenten gehören Hermes, DPD und GLS. Von GLS hieß es, durch Homeoffice sei die Wahrscheinlichkeit »wesentlich höher«, die Adressaten anzutreffen.

Ein DPD-Sprecher verwies auf positive Effekte durch das »Abstell-Okay«, das Kunden vor der Paketzustellung im Internet geben. Beim Abstell-Okay kann man vorab im Internet mitteilen, dass das Paket vor der Haustür, auf der Terrasse oder andernorts deponiert werden möge. Der Bote klingelt zwar, stellt es dann aber dort ab und entfernt sich aus Infektionsschutzgründen recht schnell wieder. Das habe die Zustellquote im ersten Versuch spürbar nach oben getrieben, sagte der DPD-Sprecher.

Bei Hermes liegt die Zustellquote bei 90 Prozent und damit etwa so hoch wie 2019. Da die Zahl der Pakete aber nach oben geschnellt ist, stieg auch die Zahl der erfolgreichen Erstzustellungen des Hamburger Logistikers an.

Paketplus von 20 Prozent im Weihnachtsgeschäft erwartet

In der Corona-Pandemie bestellen viel mehr Menschen als früher Waren im Internet, anstatt in Geschäfte zu gehen. Nach Angaben des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik kletterte das Paketvolumen im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,9 Prozent in die Höhe. Im Weihnachtsgeschäft – also im November und Dezember – rechnet der Verband sogar mit einem Plus von 20 Prozent. Marktführer DHL beförderte unlängst in einer Woche 56 Millionen Paketsendungen und damit so viele wie noch nie. Der bisherige Wochen-Höchstwert aus der Weihnachtszeit 2019 lag bei 47 Millionen Paketen.

DHL kämpft mit Verzögerungen

Die Sendungsmassen bringen Probleme mit sich. Laut einem Bericht von »Business Insider« konnte die Deutsche Post DHL Pakete dieses Jahr nicht so rechtzeitig zustellen wie geplant, die Firma liege zehn Prozent unter ihrem Zielwert. Dabei beruft sich das Wirtschaftsmagazin auf eine interne Postanalyse. DHL teilt hierzu mit, es sei in der Hochsaison nicht ungewöhnlich, dass es tageweise an einzelnen Standorten Rückstände geben könne: »Daher haben wir unsere Geschäfts- wie auch unsere Privatkunden rechtzeitig darauf hingewiesen, dass es in dieser besonderen Situation vor Weihnachten zu Verzögerungen kommen kann.« Ein frühzeitiger Versand sei ratsam.

Ziel: Packstation statt Haustürlieferung

Unklar ist allerdings, wie stark es den Firmen wirtschaftlich hilft, dass die Empfänger häufiger die Tür aufmachen oder vorab einer Ablage zugestimmt haben. Denn die Unternehmen wollen eigentlich weg von der Haustürzustellung und den Kunden stattdessen dazu bringen, sich die Sendungen in Paketstationen oder Paketshops abzuholen – dort können die Dienstleister ihre Pakete gebündelt abladen und müssen nicht jede Sendung einzeln übergeben.

Eine GLS-Sprecherin weist darauf hin, dass sich die Sendungsstruktur für die Paketboten bei der Auslieferung merklich verändert habe: »Sie haben mehr Stopps pro Tour, und die Pakete sind größer geworden, weil vermehrt Waren wie Gartenmöbel und Gartenzubehör, Sportgeräte oder Ähnliches bestellt wurden.« Das heißt: Der eigentliche positive Trend hin zu einer schnelleren Paketabgabe an der Haustür hat für die Firmen auch Schattenseiten.

Dass Kunden sich nun wieder an die Haustürzustellung gewöhnten und auch langfristig keine Lust mehr hätten, Sendungen aus Paketshops oder Packstationen zu holen, hält Logistikexperte Kai-Oliver Schocke nicht für wahrscheinlich. Sobald die Pandemie vorbei sei, werde die Anwesenheit der Paketempfänger daheim nachlassen, sagt der Professor von der Frankfurt University of Applied Sciences – der Anteil der Sendungen nach Hause werde sinken und die Nachfrage nach sicheren Abholorten werde deutlich steigen. Das wäre eine überaus positive Nachricht für die Branche – allerdings erst nach der Pandemie.

caw/dpa-AFX
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