Vorwurf der Zwangs- und Kinderarbeit USA verhängen Einfuhrstopp für weltgrößten Palmöl-Produzenten

Seit Jahren steht Palmöl für die Zerstörung von Natur und die Verletzung von Menschenrechten auf den Plantagen. Nun hat die US-Zollbehörde Einfuhren des malaysischen Weltmarktführers verboten.
Mädchen bei Arbeit auf Palmölplantage in Indonesien (2017): Hinweise auf Praktiken wie Täuschung, psychische und sexuelle Gewalt, Einschüchterung und Drohungen sowie das Zurückhalten von Ausweispapieren

Mädchen bei Arbeit auf Palmölplantage in Indonesien (2017): Hinweise auf Praktiken wie Täuschung, psychische und sexuelle Gewalt, Einschüchterung und Drohungen sowie das Zurückhalten von Ausweispapieren

Foto: Binsar Bakkara / AP

Die USA haben den Import von Palmöl des weltgrößten Produzenten FGV verboten. Der Einfuhrstopp gegen den malaysischen Konzern sei erfolgt, nachdem eine jahrelange Untersuchung Anzeichen auf Zwangsarbeit und sexuelle Gewalt auf den Plantagen ergeben habe, teilte die US-Zollbehörde CBP am Mittwoch mit. Zudem gebe es Hinweise, dass möglicherweise Kinder bei der Produktion des Palmöls eingesetzt würden, so die Behörde. Das Verbot trete sofort in Kraft.

Palmöl wird in zahlreichen Produkten des Alltags verwendet, von Lebensmitteln über Kosmetika bis zu Biodiesel. Seit Langem werfen Menschenrechtsgruppen nicht nur FGV, sondern auch anderen Palmölproduzenten die Verletzung von Menschen- und Arbeitsrechten vor. FGV zeigte sich in einer Stellungnahme "enttäuscht" über den US-Einfuhrstopp. Der Konzern habe in den vergangenen Jahren "konkrete Schritte" unternommen, diese Rechte zu achten, hieß es in der Mitteilung weiter.

"Der Einsatz von Zwangsarbeit bei der Herstellung eines so allgegenwärtigen Produkts ermöglicht es Unternehmen, vom Missbrauch gefährdeter Arbeitnehmer zu profitieren", sagte Brenda Smith von der US-Zollbehörde. Im Einzelnen habe die Untersuchung der Zustände auf den Plantagen Hinweise auf Praktiken wie Täuschung, psychische und sexuelle Gewalt, Einschüchterung und Drohungen sowie das Zurückhalten von Ausweispapieren ergeben.

Indonesien und Malaysia sind die beiden größten Produzenten von Palmöl. Der größte Teil der Arbeiter auf den malaysischen Palmölplantagen sind Migranten aus Ländern wie Indonesien, Indien und Bangladesch. Ihr Anteil der 337.000 Migranten auf den Plantagen wird auf 84 Prozent aller Arbeiter dort beziffert. Die Industrie wird außerdem für die Abholzung von Regenwäldern und die Zerstörung natürlicher Lebensräume verantwortlich gemacht.

Arbeiter auf Palmölplantage in Malaysia

Arbeiter auf Palmölplantage in Malaysia

Foto: LIM HUEY TENG / REUTERS

Smith sagte, das CBP habe Anschuldigungen im Zusammenhang mit der Palmölindustrie im weiteren Sinne erhalten und forderte die belieferten US-Konzerne auf, die Arbeitspraktiken ihrer Lieferanten zu überprüfen. "Ich kann an dieser Stelle nicht genauer sein, aber ich würde vorschlagen, dass US-Importeure, die mit Palmölproduzenten Geschäfte machen, einen Blick auf deren Lieferkette werfen und viele Fragen zu den Arbeitspraktiken stellen", sagte Smith.

Konkret nannte Smith den US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble, der ein Joint Venture mit FGV hat. Procter & Gamble sollte das Verbot "ernst" nehmen, sagte Smith.

Ausgangspunkt der Untersuchung der Zollbehörde waren Appelle von Menschenrechtsgruppen im vergangenen Jahr. Diese hatten Berichte über Zwangsarbeit und Menschenhandel auf den FGV-Plantagen öffentlich gemacht. Im Juni dieses Jahres hatte FGV mitgeteilt, dass es die Menschenrechtsgruppen um weitere Informationen gebeten habe, die Vorwürfe gründlich untersuchen und etwaige Verstöße zügig abstellen werde. 

fdi/Reuters/AP
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