Rekrutierung in Gefängnissen und Drogenzentren Personalmangel auf Palmölplantagen gefährdet Ernte

Bis zu 30 Prozent der Ernte stehen auf dem Spiel: Wegen der Corona-Reisebeschränkungen fehlen Malaysias Palmölindustrie rund 37.000 Arbeiter. Die Plantagenbesitzer rekrutieren nun in Gefängnissen und Drogenzentren.
Ein Arbeiter in einer Palmölplantage nahe Kuala Lumpur: Die Arbeit auf den Plantagen gilt als hart, gefährlich und schmutzig

Ein Arbeiter in einer Palmölplantage nahe Kuala Lumpur: Die Arbeit auf den Plantagen gilt als hart, gefährlich und schmutzig

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Samsul Said / REUTERS

Die Coronakrise könnte in Malaysia ehemalige Drogenabhängige und Strafgefangene auf die Plantagen bringen. Der Palmölindustrie in Malaysia fehlen fast zehn Prozent ihres Personals, weil die ausländischen Arbeiter aufgrund der Reisebeschränkungen nicht ins Land reisen können. Deswegen drohe der für die Wirtschaft wichtigen Palmölindustrie ein Ernteeinbruch von bis zu 30 Prozent, sagt der Branchenverband Malaysian Palm Oil Association (MPOA).

Insgesamt fehlten rund 37.000 Arbeitskräfte aus dem Ausland, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters. Auf der Suche nach Erntehelfern im Inland versuchen die Plantagenbesitzer demnach nun, Drogenabhängige und Strafgefangene für die Arbeit zu gewinnen.

Erntehelfer aus Indonesien und Bangladesch fehlen

"Wir suchen in Gefängnissen nach solchen, die in den kommenden Monaten entlassen werden sollen", sagte Renaka Ramachandran, Finanzvorstand des weltweit größten Palmölproduzenten Sime Darby. "Wir haben uns außerdem an Drogenrehabilitationszentren gewandt und versuchen, jeden einzustellen, der geeignet sein könnte."

Der Branchenverband MPOA erklärte, in der Vergangenheit habe es zwar schon Initiativen gegeben, Häftlinge anzuheuern, aber nun seien immer mehr Palmölfirmen daran interessiert.

Malaysia ist nach Indonesien der zweitgrößte Exporteur von Palmöl weltweit und rekrutiert in normalen Zeiten Erntehelfer aus Indonesien und Bangladesch. Die Arbeit gilt als hart, gefährlich und schmutzig. Die Branche hat in den vergangenen Monaten versucht, die einheimische Bevölkerung zur Arbeit auf den Plantagen zu bewegen - mit mäßigem Erfolg.

Der Mangel insbesondere in den Spitzenproduktionsmonaten September bis November beeinträchtigt die Ernte. Die MPOA schätzt, dass die Produzenten auf bis zu 30 Prozent ihres potenziellen Ertrags verzichten müssen.

caw/Reuters
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