Briefkastenfirmen Auch viele Deutsche machten Panama-Geschäfte

Die Enthüllungen um Briefkastenfirmen in Panama betreffen auch mehrere Tausend Deutsche. Vermittelt wurden die Geschäfte laut der "Süddeutschen Zeitung" unter anderem von mindesten 28 deutschen Banken. Illegal ist die Praxis aber nicht per se.


Mehrere Tausend Deutsche sollen Briefkastenfirmen einer panamaischen Anwaltskanzlei genutzt haben. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") in ihrer Dienstagsausgabe.

Demnach nutzten die Deutschen ebenfalls Briefkastenfirmen der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca. Von der Enthüllung über die Panama Papers hatte ein Redaktionskonsortium von rund Hundert Medien aus 80 Ländern berichtet.

Die Gründung oder Nutzung einer Briefkastenfirma ist allerdings nicht per se strafbar. Erst, wenn die Einkünfte verschwiegen und Steuern hinterzogen werden, wäre das illegal. Die "SZ" stellte in ihrem Bericht dann auch klar, dass sich bei den meisten in den Panama Papers erwähnten Deutschen nicht klären ließe, "ob sie wirklich das Finanzamt betrogen haben oder ob sie die Einkünfte deklariert haben; die Steuerbehörden geben dazu keine Auskunft".

Banken distanzieren sich von der Geschäftspraxis

Als Vermittler für die deutschen Nutzer der Offshorefirmen traten laut dem Bericht nicht nur ausländische, sondern auch deutsche Banken auf. Demnach geht es um mindestens 28 deutsche Geldhäuser. Insgesamt hätten die Banken, darunter sechs der sieben größten Kreditinstitute, bei dem Offshoredienstleister mehr als 1200 Briefkastenfirmen gegründet oder verwalteten sie für ihre Kunden.

Die beteiligten Banken betonen, dass sie ihre Geschäftspolitik schon in den vergangenen Jahren geändert hätten.

So bestätige etwa die Deutsche Bank, Briefkastenfirmen vermittelt zu haben. Sie soll bis zum Jahr 2007 mehr als 400 Offshorefirmen aufgesetzt haben, schreibt das Blatt unter Berufung auf die Panama Papers.

Die Commerzbank erklärte der "SZ", sie habe ab 2008 "konsequent umgesteuert". Die BayernLB teilte mit, sie habe das Privatkundengeschäft der Luxemburger Tochter 2013 verkauft. Zuvor hatte sie über Luxemburg mindestens 129 Briefkastenfirmen verwaltet. Die BayernLB kündigte auf "SZ"-Anfrage zusätzlich zu einer früheren Prüfung eine weitere Untersuchung an. Auch die Dresdner Bank und die Commerzbank sollen in der Vergangenheit Briefkastenfirmen vermittelt haben.

Justizminister Maas will Geldwäschegesetz ergänzen

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) will mit einem Transparenzregister für Briefkastenfirmen auf die neuen Enthüllungen reagieren. "Die Heimlichtuerei muss ein Ende haben", sagte er neben der "SZ" auch dem NDR und dem WDR.

Dies sei ein wichtiger Schritt gegen Steuerhinterziehung und Terrorismusfinanzierung, so Maas. Um Briefkastenfirmen aus der Anonymität zu holen, will der Minister das deutsche Geldwäschegesetz ergänzten. Maas hat der Zeitung zufolge den Passus bereits vor einem Monat in der Regierung vorgeschlagen.

sun/dpa/AFP

insgesamt 73 Beiträge
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AxelSchudak 04.04.2016
1. auch viele Deutsche...
Was an den Daten wohl auffällt ist, das sich - zumindest nach derzeitigem Wissen - keine US-Amerikaner und Kanadier darunter befinden. Damit dürfte dann wohl auch klar sein, woher die Daten kommen, denn es scheint eher unwahrscheinlich das in Panama Menschen aus aller Welt ihre Steuern "optimieren", aber niemand aus den USA.
silverhair 04.04.2016
2. Es ist immer schön zu hören ....
Wenn Juristen/Politiker erklären, das sie etwas unternehmen wollen, weil sie gerade erfahren haben das etwas dringend notwendig ist, obwohl schon ihr Alltag und Ihre Ausbildung genau diesen Zustand zum Thema hat! Seit 65 Jahren ist das nun nicht nur bekannt, gab unzählige Gerichtsverfahren, es wird in der Ausbildung Wirtschaftsrecht präzise erklärt wie man eine Briefkasten firma gründet, das gehört schon in der Ausbildung zum Buchhalter zum Grundwissen und Know How, und jetzt tut man überrascht, als wäre das alles mal wieder "neu"! Es ist weder neu, noch sind die Parteien selber da unbeleckt , den auch deren "Transaktionen zb: CDU" waren oft genug über solche Steueroasen und Scheinfirmen getätigt.. Im Bundestag (und nicht nur dort) sitzen 30 % Juristen , denen sogar noch der Parlamentspräsident schutz gibt, wenn deren "Verstricktungen" in dubiose Geschäfte durch Veröffentlichungen der "Kunden" bei Politikern ansteht! Man soll doch nicht glauben das ihr eine ganze Generation von Juristen die präzise wissen was sie da seit Jahrzehnten tun plötzlich ihre Moral entdeckt hätten, nein .. das ganz läuft nur auf "andere gesetze" hinaus, die die selben Sachverhalten nur anders wieder verkleiden damit dieses schöne Model nicht kaputt geht!
philosophus 04.04.2016
3. Relationen...
Oxfam-Studie 62 Superreiche besitzen so viel wie die halbe Welt... für solche "astronomische" Summen sind Panama Papers, in etwa wie mein zusammengekratzter Tausender, welcher als Girokonto bei der Bank um die Ecke, "angelegt" wurde !...
adam.danziger.walencik 04.04.2016
4. Sinnlos !
Eine Firma in Panama hat nur Sinn wenn ich von dieser Firma Rechnungen bekomme um meine Kosten (wenn ich selbständig bin ) zu vergrößern und (logisch) mein Gewinn zu verkleinern ( Deutsche Reeder und andere Firmen aus der Branche ) oder um meinen Arbeitgeber zu beklauen ( wenn ich als Angestellte arbeite ). Alles andere wäre zwecklos .
spmc-12355639674612 04.04.2016
5. Naja ...
Zitat von AxelSchudakWas an den Daten wohl auffällt ist, das sich - zumindest nach derzeitigem Wissen - keine US-Amerikaner und Kanadier darunter befinden. Damit dürfte dann wohl auch klar sein, woher die Daten kommen, denn es scheint eher unwahrscheinlich das in Panama Menschen aus aller Welt ihre Steuern "optimieren", aber niemand aus den USA.
die US-Amerikaner und Kanadier, die Geld verstecken wollen, sind ja schließlich nicht blöd. Als US-Bürger würde ich mein Steuergeheimnis auf keinen Fall einer Anwaltskanzlei aus Panama anvertrauen, die von einem Deutschen betrieben wird.
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