Panik am Aktienmarkt Dax und Dow stürzen ab

Erst war es ein normaler Abwärtstrend, doch nun regiert am Aktienmarkt die Panik: Der Dax hat mit einem Minus von 3,4 Prozent geschlossen, zeitweise fiel er auf ein neues Jahrestief. Auch die US-Börsen brechen auf breiter Front ein. Anleger fürchten einen Kollaps der Konjunktur. 
Börsenhändler in Frankfurt: Entsetzen über den Kurssturz

Börsenhändler in Frankfurt: Entsetzen über den Kurssturz

Foto: dapd

Frankfurt - Der Absturz am Aktienmarkt ist nicht zu bremsen. Nachdem es am Donnerstagmorgen noch so ausgesehen hatte, als würde der Deutsche Aktienindex Dax   nach sieben Verlusttagen in Folge zum ersten Mal wieder Kursgewinne verbuchen, ging es am Nachmittag erneut nach unten - und zwar drastisch.

Innerhalb kürzester Zeit verlor der Index mehr als drei Prozent und fiel zwischenzeitlich auf ein neues Jahrestief von 6392 Punkten. Zum Handelsschluss lag er noch 3,4 Prozent im Minus bei 6414 Punkten. Damit wurden alleine bei den 30 Dax-Unternehmen in den vergangenen Tagen Börsenwerte von insgesamt fast hundert Milliarden Euro vernichtet. Dies entspricht in etwa der jährlichen Wirtschaftsleistung von Neuseeland. Auch der wichtigste US-Index, der Dow Jones  , fiel zeitweise um mehr als 400 Punkte - auch für diesen Index war es ein neues Jahrestief.

Den bisherigen Tiefstand von 6483 Punkten hatte der Dax nach der japanischen Atomkatastrophe in Fukushima im März erreicht. Nun sorgen sich die Anleger vor allem um die Konjunktur. Die USA hatten zuletzt enttäuschende Wachstumszahlen vermeldet. Und auch in Europa trübt sich die wirtschaftliche Entwicklung immer stärker ein. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hatte die Unsicherheit für die Konjunktur am Donnerstag als "ungewöhnlich hoch" bezeichnet - zugleich aber weitere Leitzinserhöhungen angedeutet, um die Inflation zu bremsen.

Der heftige Absturz der vergangenen Tage kommt überraschend - vor allem beim Dax. Den deutschen Leitindex hatte die Schuldenkrise der Euro-Zone bis vor zwei Wochen kaum beeinflusst. Seit Ende August 2010 war er von 6000 Punkten auf zeitweise mehr als 7500 Punkte gestiegen. Nun aber drücken einfach zu viele Probleme gleichzeitig auf die Stimmung der Anleger: Zu den Schuldenkrisen in Europa und den USA ist nun auch noch die Sorge um die Konjunktur gekommen. Die größte Volkswirtschaft der Welt droht zurück in die Rezession zu rutschen.

"Wir sehen zur Zeit eine kräftige Korrektur", sagte Aktienexperte Christian Stocker von der italienischen Bank Unicredit  . "Die Frühindikatoren aus den USA haben frühzeitig Warnsignale gesendet." Doch erst mit dem Hochkochen der Schuldenproblematik in den USA und den gleichzeitigen Problemen in Europa seien die Konjunktursorgen "mit Wucht in den Vordergrund gerückt". Stocker kann sich vorstellen, dass der Dax in den kommenden Wochen bis auf 6200 Punkte abrutscht. Dann werde sich die Lage aber wieder beruhigen.

Während die Aktien fallen, profitiert der Goldpreis von der Unsicherheit der Anleger: Er stieg einmal mehr auf ein Allzeithoch bei 1681,90 Dollar je Feinunze (etwa 31 Gramm). Gold gilt vielen Investoren als sichere Anlage in Krisenzeiten.

Angesichts der Furcht vor einer Ausdehnung der Schuldenkrise verlor auch die wichtige Börse in London 3,1 Prozent, der Aktienmarkt in Paris gab um 2,5 Prozent nach. Die wichtigsten Aktien an den Börsen in Mailand und Madrid verloren mehr als drei Prozent.

stk/itz/Reuters/dpa-AFX/dapd/AFP
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