Stahlwerk in Italien Papst kritisiert ThyssenKrupp wegen Jobabbau

"Mit Arbeitsplätzen spielt man nicht": Papst Franziskus hat deutliche Worte an den Industriekonzern ThyssenKrupp gerichtet. Der will in einem Stahlwerk in Italien Jobs streichen. Der Pontifex wirft dem Unternehmen vor, die Würde der Arbeiter zu missachten.
Papst Franziskus: "Logik des Profits darf nicht gewinnen"

Papst Franziskus: "Logik des Profits darf nicht gewinnen"

Foto: Alessandra Tarantino/ AP/dpa

Rom/Essen - Jahrzehntelang waren im Ruhrgebiet zwei Dinge wichtig: die katholische Kirche und das Schwerindustrie-Unternehmen Krupp, mittlerweile zu ThyssenKrupp fusioniert. Nun liegen Krupp und Klerus im Clinch. Der Grund dafür: ein italienisches Stahlwerk, genauer 550 Mitarbeiter dieses Werks. Sie werden nach der Übernahme durch ThyssenKrupp voraussichtlich ihre Jobs verlieren.

Er mache sich Sorgen angesichts der "schlimmen Lage", in welcher die Familien in Terni wegen der Pläne des Essener Konzerns steckten, sagte der Papst vor 20.000 Gläubigen. "Mit Arbeitsplätzen spielt man nicht." ThyssenKrupp hatte die vor 130 Jahren gegründete Firma Acciai Speciali Terni (AST) in Umbrien in diesem Jahr übernommen und im Juli angekündigt, knapp jeden fünften Arbeitsplatz zu streichen.

Die Kritik des Papstes richtete sich jedoch nicht nur gegen ThyssenKrupp  ; auch andere Unternehmen tadelte er für deren Profitorientierung. "Diejenigen, die aus finanziellen Gründen Arbeitsplätze streichen, sollten wissen, dass sie damit dem Arbeitnehmer die Würde nehmen", sagte der das Oberhaupt der katholischen Kirche. "Ich appelliere erneut, dass nicht die Logik des Profits gewinnen darf, sondern die der Solidarität und Gerechtigkeit", forderte er.

Ein ThyssenKrupp-Sprecher sagte, das Unternehmen halte unverändert an seinen Plänen fest. Bislang habe es jedoch noch keine Gespräche zur Umsetzung der geplanten Maßnahmen gegeben. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP soll das italienische Werk in den vergangenen fünf Jahren mehrere hundert Millionen Euro Verlust gemacht haben.

vks/dpa/AFP