Mögliche Preisabsprachen Vier große Duftstoffhersteller unter Kartellverdacht

Europäische Behörden ermitteln gegen vier große Duftstoffhersteller. Es geht um verbotene Absprachen.
Auch unter Verdacht: Dax-Konzern Symrise

Auch unter Verdacht: Dax-Konzern Symrise

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Peter Steffen/ picture-alliance/ dpa

Es wäre eine klassische Kartellbildung: Vier der größten Duftstoffhersteller der Welt stehen im Verdacht, illegale Preis- und Marktabsprachen getroffen zu haben. Sowohl die EU-Kartellbehörde als auch die Schweizer Wettbewerbskommission (Weko) haben Untersuchungen gegen die Unternehmen wegen des Verdachts auf wettbewerbswidrige Absprachen eingeleitet.

Am Dienstagabend hatte die EU-Kommission mitgeteilt, ein Wettbewerbsverfahren in der Branche gestartet zu haben, aber keine Namen genannt. Die Weko bestätigte eine eigene Kartelluntersuchung gegen mehrere Hersteller und nannte am Mittwochmorgen als betroffene Unternehmen die Schweizer Hersteller Firmenich International sowie Givaudan, den deutschen Dax-Konzern Symrise mit Sitz im niedersächsischen Holzminden sowie den US-Hersteller International Flavors & Fragrances (IFF). An verschiedenen Standorten gab es laut Weko Hausdurchsuchungen.

Die EU-Kartellbehörde befürchtet laut ihrer Mitteilung, dass es bei der Lieferung von Duftstoffen und Duftinhaltsstoffen zu Absprachen gekommen ist, die gegen die Kartellvorschriften verstoßen. Die Razzien seien in Absprache mit dem US-Justizministerium und den Wettbewerbsbehörden in Großbritannien und der Schweiz ausgeführt worden. Laut der Schweizer Wettbewerbskommission besteht der Verdacht, dass die Firmen ihre Preispolitik koordinierten, Konkurrenten bei der Belieferung bestimmter Kundschaft behinderten und die Herstellung gewisser Duftstoffe beschränkten.

Givaudan, Symrise, IFF und Firmenich bestätigten die Untersuchungen und erklärten, mit den Behörden vollumfänglich zu kooperieren. Bei Firmenich gab es nach Angaben des Unternehmens unangekündigte Inspektionen in seinen Büros in Frankreich, der Schweiz und Großbritannien.

Symrise räumte auf Nachfrage ein, von der Europäischen Kommission kontaktiert worden zu sein. Von der Untersuchung betroffen sei der Hauptsitz von Symrise im niedersächsischen Holzminden. Noch gebe es aber keine Details. Symrise kooperiere vollumfänglich und werde aktuell als Zeuge gehört. Symrise-Chef Heinz-Jürgen Bertram sagte auf der ohnehin für diesen Mittwoch angesetzten Jahrespressekonferenz: »Preisabsprachen: Wir sehen uns da nicht betroffen. Wir denken heute, wir haben nichts zu verbergen.«

Nummer eins, zwei, drei und vier der Welt betroffen

Symrise ist nach eigenen Angaben derzeit die weltweite Nummer drei im Markt für Aromen und Grundstoffe für Parfüms, Düfte und Kosmetika. Marktführer ist demnach IFF, gefolgt von Givaudan, Firmenich liegt auf Platz vier. Duftstoffe werden vielfältig eingesetzt, vor allem in Kosmetik- und Körperpflegeprodukten sowie Wasch- und Reinigungsmitteln.

An der Börse kam der Kartellverdacht nicht gut an. Die Aktien von Symrise fielen um bis zu 4,3 Prozent auf 91,52 Euro. Damit waren sie größter Verlierer im Dax. Givaudan tauchten um bis zu knapp vier Prozent ab. »Es ist das erste Mal, dass wir eine so umfangreiche Untersuchung in der Parfümindustrie erleben und die Behörden scheinen glaubwürdige Hinweise auf Fehlverhalten zu haben«, kommentierte Analyst Jean-Philippe Bertschy von der Bank Vontobel.

sol/dpa/Reuters
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