Schlechtes Image Patagonia will nicht Marke der Wall-Street-Banker sein

Wall-Street-Banker lieben die grauen Fleecewesten von Patagonia. Weil aber niemand Wall-Street-Banker liebt, will auch die Outdoor-Marke in der Finanzwelt nicht mehr so prominent vertreten sein.

Outdoor-Marke Patagonia: Distanz zur Wall Street
Wong Maye-E/AP

Outdoor-Marke Patagonia: Distanz zur Wall Street


Die graue Fleeceweste von Patagonia hat sich inzwischen zum Dresscode an der Wall Street entwickelt, ebenso wie der dunkelblaue Anzug und handgefertigte Schuhe. Im Laufe der Jahre sind viele Unternehmen aus der Finanzwelt dazu übergegangen, die Westen mit ihrem Logo zu besticken. Doch daran stören sich die umweltbewegten Outdoor-Schneider aus dem kalifornischen Ventura. Sie wollen nicht länger mit ihrem guten Namen für Unternehmen stehen, die nach Maßstäben handeln, die sie ablehnen.

Künftig dürfen deshalb nur noch jene Unternehmen bestickte Westen ordern, die als sogenannte "B Corporation" zertifiziert sind oder sich der Initiative "One Percent for the Planet" oder ähnlichen Organisationen angeschlossen haben. Als "B Corporation" verpflichten sich Unternehmen, bestimmte Standards einzuhalten, wenn es um ihre Rolle in der Gesellschaft oder den Schutz für die Umwelt geht. So investieren Unternehmen, die sich unter "One Percent for the Planet" zusammengeschlossen haben, ein Prozent ihres Umsatzes für Umweltschutz-Projekte.

Nachhaltigkeit gehört nach eigener Anschauung zur DNA von Patagonia. Die Kalifornier bezogen in der Vergangenheit auch immer wieder in politischen Diskussionen Stellung - zuletzt mit der Unterstützung des "Green New Deal", eine Gesetzesinitative der demokratischen Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez.

Seit ausgerechnet Wall-Street-Banker Patagonia als Markenzeichen für sich entdeckt haben, fürchten sie in Ventura offensichtlich um ihr Image. Spottnamen wie "Patagucci" oder "Patabropia" machen bereits die Runde. Schließlich sind die Westen auch bei Firmen im Silicon Valley beliebt. Auf Instagram gibt es einen Kanal namens "Midtown Uniform", der Fotos von Westenträger in New York zeigt.

mik



insgesamt 5 Beiträge
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opameier 04.04.2019
1. Vorschlag für die Konzernleitung
Preis halbieren, Gewinn wird dann immer noch genug gemacht und die Finanzjongleure und Hippster verlieren ihr Interesse an der Marke, im Gegenzug wird es für die eigentlich Zielgruppe interessant und dann tatsächlich vermehrt in Outdoorbereich anzutreffen sein.
alsterherr 04.04.2019
2.
Leider finde ich unter dem Kürzel "mik" keine/n Autor/in ... die Aussage "Weil aber niemand Wall-Street-Banker liebt, [...]" ist derbe tendenziell und einer/s objektiven Journalistin/en nicht würdig. Ich verstehe, daß die Spiegel Redaktion eher politisch links steht, ich verstehe auch, daß im Spiegel eine gewisse journalistisch gesellschaftliche Agenda vertreten wird, aber mit genau solchen Aussagen schafft es der Spiegel, daß immer mehr Leser das Vertrauen in objektive Berichterstattung verlieren.
hasselblad 04.04.2019
3.
Ein Statement a la "niemand liebt Wall Street Banker" würde ich jetzt eher in der Blöd-Zeitung oder einem vergleichbaren Fachmedium für Sozialneider verorten. In diesen Kreisen gönnt man insbesondere Kopfarbeitern den Erfolg nicht und goutiert solche Polemik. Beim Spiegel erwarte ich unreflektierten Unfug maximal unter "bento" und in Fleischhauers "Konservative Männer sind die geilsten Menschen"-Kolumnen, aber eigentlich gar nicht. Ich zB. "liebe" Wall Street Banker, weil sie mir über die letzten 20 Jahre zu einer Menge (virtueller) blinkender Münzen verholfen haben. Und wenn Patagonia ein Problem mit seiner kaufkräftigen Kundschaft hat und sich mehr in Richtung niederer Stände orientieren möchte, dann können sie ja von grauen auf gelbe Westen umstellen.
ABnun 04.04.2019
4. nicht nur dort abstoßend
Das nehme ich nun Patagonia übel, dass sie gekauften Erlass statt Taten akzeptieren. Banker, insbesondere Börsianer, sind nicht nur dort unbeliebt. Beta-Männer, die meinen, durch Zurschaustellung von Gekauftem können sie sich eine Alpha-Image erwerben, das sie gerne hätten. Selbstverständlich empfinden dann Dritte dieses Gehabe als abstoßend und möchte sich ihnen nicht länger als ähnlich zeigen, und weichen aus: Den Trendsetter sind sie. Wie bei der Jugend, die sich in Karteien wie Facebook, in die nun gefühlt Senioren eindringen, nicht mehr so recht unter sich fühlt.
theos001 05.04.2019
5.
Ich unterstütze die Aussage "niemand liebt Wall Street Banker" mit der Einschränkung auf "größenwahnsinnige Banker". In jedem Berufsfeld gibt es fachlich kompetente und nette Menschen, aber leider auch die nach-mir-die-Sintflut Variante
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