Patentstudie Autobranche hat die meisten Ideen

Ist die Autobranche etwa doch zukunftsfähig? Laut einer Studie trägt sie zumindest einen Großteil zu den deutschen Patentanmeldungen bei.

Autowerk in Leipzig: "Dominanz der Kfz-Industrie"
Jan Woitas/DPA

Autowerk in Leipzig: "Dominanz der Kfz-Industrie"

Von Sebastian Späth


Die Autoindustrie meldet die meisten Patente an - und gilt damit als Innovationstreiber der deutschen Wirtschaft. Das ergab eine aktuelle Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Darin wird die Anzahl der Patentanmeldungen aus der Kfz-Branche, an denen mindestens ein Anmelder aus Deutschland beteiligt war, mit anderen Branchen verglichen. Das Ergebnis: Mehr als 40 Prozent der Patentanmeldungen kommen mittlerweile aus der Autoindustrie, also von Kfz-Herstellern und Zulieferern von Fahrzeugteilen.

Zuletzt standen die deutschen Autobauer im Ruf, die technologische Zukunft verschlafen zu haben. Die Patentzahlen ergeben ein anderes Bild: Zwischen 2005 und 2016 nahm die Zahl der Anmeldungen beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA), die aus der Kraftfahrzeugbranche kamen, um 70 Prozent zu und stieg von 9800 auf 16.700 Anmeldungen.

Weitaus weniger stark wuchs die Gesamtzahl der Patentanmeldungen beim DPMA. Sie nahm zwischen 2005 und 2016 nur um 3,4 Prozent zu - von 37.800 auf 39.100 Anmeldungen. Ohne die Leistungen der Kfz-Branche, so das Ergebnis der IW-Studie, wäre die Zahl der Patentanmeldungen in Deutschland im Beobachtungszeitraum sogar gesunken.

Mit rund 440.000 Beschäftigen ist die Autoindustrie einer von Deutschlands wichtigsten Industriezweigen - und zumindest laut der IW-Studie auch der innovativste.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.


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curiosus_ 14.09.2019
1. Nee, nee..
..die Automobilindustrie hat die Zukunft verschlafen, sich auf alten Lorbeeren ausgeruht und geht gerade den Bach runter. Das kann gar nicht anders sein.
bertramkaufmann 14.09.2019
2. Kunststück...
Wenn man bedenkt das die Automobilindustrie mit all den Zulieferern der größte Part der deutschen Industrie ausmacht, ist es da kein Wunder ??? Also, nix neues....
jla.owl 14.09.2019
3. nur Kleinkram...
...bei den Patenten der Autohersteller geht es um so eminent wichtige Dinge wie Türschliessungen etc.. Jede Änderung am Schloß führt zu einem neuen Patent. Da geht es selten um Innovation, auch wenn wir das bei dem Wort Patent oft glauben. Eigentlich geht es da mehr um Gebrauchsmuster. Die Patentanmeldung ist derart schwierig geworden, dass man schon eine Menge Geld in die Hand nehmen muß, für Einzelpersonen oder kleine Betriebe ist das nicht mehr wirklich leistbar, da baut man dann eben ohne Patentanmeldung und läuft gefahr, dass das dann von der Industrie einfach kopiert wird... Wenn sich da nichts ändert (vereinfachte Anmeldung für Einzelpersonen oder Kleinbetriebe), werden die Patentanmeldungen weiter zurückgehen, trotz teilweise enormer Kreativität.
dirkcoe 14.09.2019
4. Verschwendete Ressourcen
Was nützt es, wenn die Autobauer fleißig zum Patentamt laufen - und doch nichts anderes als Stadtpanzer auf die Räder stellen?
x+n 14.09.2019
5.
Zitat von jla.owl...bei den Patenten der Autohersteller geht es um so eminent wichtige Dinge wie Türschliessungen etc.. Jede Änderung am Schloß führt zu einem neuen Patent. Da geht es selten um Innovation, auch wenn wir das bei dem Wort Patent oft glauben. Eigentlich geht es da mehr um Gebrauchsmuster. Die Patentanmeldung ist derart schwierig geworden, dass man schon eine Menge Geld in die Hand nehmen muß, für Einzelpersonen oder kleine Betriebe ist das nicht mehr wirklich leistbar, da baut man dann eben ohne Patentanmeldung und läuft gefahr, dass das dann von der Industrie einfach kopiert wird... Wenn sich da nichts ändert (vereinfachte Anmeldung für Einzelpersonen oder Kleinbetriebe), werden die Patentanmeldungen weiter zurückgehen, trotz teilweise enormer Kreativität.
Gebrauchsmuster sind gebrauchsmuster und keine Patente. Die zählen also nicht. Patent anmelden ist übrigens recht einfach und nicht teuer. Das kann man auch als Privatperson machen.
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