Dokudrama »Der gute Göring« NDR schaltet im Fall Schlesinger Antikorruptionsbeauftragte ein
Patricia Schlesinger 2019: Wird der Untreue und der Vorteilsannahme verdächtigt
Foto: Christian Ditsch / epd / IMAGODer Fall Patricia Schlesinger zieht weitere Kreise. Neben dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) befasst sich nun auch der Norddeutsche Rundfunk (NDR) mit dem Vorgehen der zurückgetretenen ARD-Vorsitzenden.
Es geht um interne Vorgänge zum Dokudrama »Der gute Göring« aus dem Jahr 2016. Die unabhängige Antikorruptionsbeauftragte des Senders sei eingeschaltet worden, bestätigte der NDR entsprechende Medienberichte. Sie habe einen Hinweis von außerhalb erhalten und prüfe nun den Vorgang.
Bei dem Dokudrama hatte es sich um eine Auftragsproduktion für den NDR gehandelt. Schlesinger war damals Leiterin des Programmbereichs Kultur und Dokumentation und verantwortlich für die Produktion, auch die TV-Firma von ARD-Talkerin Sandra Maischberger war beteiligt. Schlesingers Ehemann wiederum, der frühere SPIEGEL-Autor Gerhard Spörl, war einer von zwei Drehbuchautoren.
Erst am Donnerstag hatte die Berliner Generalstaatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen die später zum RBB gewechselte Schlesinger, Spörl sowie gegen den RBB-Verwaltungsratschef Wolf-Dieter Wolf übernommen. Es geht um den Verdacht der Untreue und der Vorteilsannahme.
ARD-Chef Buhrow mahnt »lückenlose« Aufklärung an
Die bislang ungeklärten Vorwürfe betreffen fragwürdige Beraterverträge zu einem inzwischen auf Eis gelegten RBB-Bauprojekt, eine große Gehaltserhöhung für Schlesinger auf gut 300.000 Euro aber auch ein zusätzliches Boni-System. Außerdem geht es um Essen mit »Multiplikatoren« auf RBB-Kosten in ihrer Privatwohnung – und einen luxuriösen Dienstwagen mit Massagesitzen, für den es einen sehr hohen Rabatt gegeben haben soll.
Schlesingers Ehemann bekam auch Aufträge von der landeseigenen Messe Berlin, bei der Wolf auch Chefkontrolleur ist. Nach SPIEGEL-Informationen wird zudem eine dreitägige Londonreise Schlesingers und Spörls zu einem glamourösen Charity-Event diskutiert.
Die Vorwürfe drehen sich insbesondere um die Frage, ob die Senderchefin und der Senderchefkontrolleur Wolf-Dieter Wolf miteinander einen zu laxen Umgang bei der möglichen Kollision von Interessen gepflegt haben. Beide wiesen Vorwürfe zurück. Derzeit läuft eine externe Untersuchung einer Anwaltskanzlei. Ergebnisse liegen noch nicht vor.
Die ARD scheint angesichts all dieser Vorhaltungen dennoch beunruhigt. Der Intendant des Westdeutschen Rundfunks und Nachfolger Schlesingers auf dem Posten des ARD-Vorsitzenden, Tom Buhrow, sagte der »Welt am Sonntag «: »Wir erwarten vom RBB jetzt lückenlose und transparente Aufklärung.«
Der Rundfunkrat des RBB will sich nun offenbar früher als geplant treffen, um über die Vertragsauflösung Schlesingers zu beraten. Berichten zufolge kommt das Gremium bereits am Montagnachmittag und nicht wie zunächst geplant am Dienstag zu einer Sondersitzung zusammen.
Das Kontrollgremium des RBB hatte am Montag die Sondersitzung angekündigt. Am Sonntag hatte Schlesinger ihren Rückzug von der RBB-Spitze bekannt gemacht. Zuvor, am Donnerstag vor einer Woche, war sie als ARD-Chefin zurückgetreten.