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22. Juli 2016, 08:56 Uhr

Online-Bezahldienst geht offline

Paypal und Visa werden Partner

Millionen Menschen zahlen im Internet über ihre Paypal-Konten. Künftig sollen sie diese auch im Einzelhandel nutzen können: Dafür tut sich der Bezahldienst nun mit dem Kreditkartenanbieter Visa zusammen.

Kunden des Online-Bezahldienstes Paypal sollen künftig über ihre Konten auch an Karten-Terminals bezahlen können. Dazu hat das Unternehmen einen Deal mit dem Kreditkartenanbieter Visa abgeschlossen.

Damit stößt der Onlineanbieter in den Einzelhandel vor. Verfügbar soll der Service an Terminals sein, die kontaktlose Zahlungen mit Visa-Karten unterstützen - allerdings zunächst nur in den USA. Dort werden aktuell in großem Stil Lesegeräte für Kontaktloszahlungen per NFC-Nahfunk eingeführt, die Umrüstung soll in den nächsten Jahren abgeschlossen werden. Damit sollen auch Zahlungen per Smartphone ermöglicht werden.

Der Deal mit Visa ermöglicht es Paypal, unter anderem mit Apple Pay auf iPhones oder Samsung Pay auf Smartphones des südkoreanischen Marktführers zu konkurrieren. Für Paypal ist es der bisher größte Vorstoß, auch zum Bezahlen in Läden genutzt zu werden.

Paypal und Visa beenden damit auch einen langjährigen Konflikt. In der Vergangenheit hatte Visa kritisiert, dass Paypal Kunden dazu verleitete, ihre Accounts beim Online-Dienst direkt mit ihren Bankkonten statt mit ihren Kreditkarten zu verbinden - dem Konzern entging so ein Geschäft. Zugleich rückte Visa selbst ins Geschäft mit Online-Zahlungen und digitalen Brieftaschen vor und machte damit Paypal Konkurrenz.

Der Deal werde die Umsätze mit Visa-Karten erhöhen, sagte der Chef des Kreditkarten-Konzerns, Charlie Scharf, in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Zu der Vereinbarung gehört auch, dass Paypal den Banken, die Visa-Karten ausgeben, mehr Daten über Transaktionen geben wird.

Die beiden Unternehmen legten zugleich aktuelle Quartalszahlen vor. Paypal gab bekannt, dass die Zahl aktiver Kunden im vergangenen Quartal um elf Prozent auf 188 Millionen zulegte. Der Umsatz wuchs um 15 Prozent auf 2,65 Milliarden Dollar und der Gewinn kletterte um sechs Prozent auf 323 Millionen Dollar. Die Firma gehörte bis vor einem Jahr zur Handelsplattform Ebay und ist seitdem eigenständig.

Bei Visa drückte im vergangenen Quartal die Integration des Europageschäfts den Gewinn. Im vergangenen Quartal verdiente der Finanzkonzern 412 Millionen Dollar. Dabei schlugen die Belastungen im Zusammenhang mit der Eingliederung von Visa Europe mit knapp 1,9 Milliarden Dollar zu Buche. Im Vorjahresquartal hatte es noch einen Gewinn von 1,7 Milliarden Dollar gegeben. Der Umsatz wuchs unterdessen um 3,2 Prozent auf 3,63 Milliarden Dollar.

brk/dpa

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