Personalabbau VW-Führung und Betriebsrat verschärfen den Streit

Bei Volkswagen spitzt sich der Konflikt um den Stellenabbau bei der Marke VW zu. Ein vom Betriebsrat erzwungener Termin mit Markenchef Diess endet ohne Ergebnis.

VW-Markenchef Diess, Betriebsratschef Osterloh (November 2015)
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VW-Markenchef Diess, Betriebsratschef Osterloh (November 2015)


Der Streit zwischen Betriebsrat und dem Chef von Volkswagens Kernmarke VW gewinnt an Brisanz. Die Arbeitnehmervertreter hatten Markenchef Herbert Diess und Personalvorstand Karlheinz Blessing zu einer Sitzung des Betriebsausschusses einbestellt. Doch das Treffen sei ohne Ergebnis geblieben, teilte ein Sprecher des traditionell mächtigen VW-Betriebsrats mit.

Ob ein Termin für ein weiteres Treffen vereinbart wurde, darüber verriet der Sprecher ebenso wenig wie über die Inhalte des Gesprächs. Es bestehe aber Einvernehmen über die Dringlichkeit des Themas. Ausdrücklich positiv bewertete der Betriebsratssprecher ein Rundschreiben von Konzernchef Matthias Müller an die Belegschaft, wonach das Management alles tun werde, um Konflikte konstruktiv zu lösen.

Kern des Streits ist die Umsetzung des im vergangenen November zwischen Betriebsrat und Management vereinbarten Zukunftspakts. Dieser soll die derzeit sehr niedrige Profitabilität der Kernmarke VW steigern und sieht vor, dass bis zum Jahr 2025 bis zu 30.000 Arbeitsplätze weltweit gestrichen werden sollen. Auf der anderen Seite sollen aber mehrere Tausend Stellen in zukunftsträchtigen Bereichen geschaffen werden. VW hat seinen Willen bekundet, den Stellenabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen zu schaffen.

Belegschaft erhält viele Rundschreiben

Zwischen Osterloh und Diess hatte es bereits im April vergangenen Jahres heftig gekracht. Der Konflikt ging soweit, dass Diess die Vertrauensfrage stellte. Damals bekundete die Mehrheitseigentümerfamilie Porsche/Piëch explizit, dass sie hinter Diess stehe und für eine Ablösung keinen Anlass sehe. Seitdem herrscht ein brüchiger Burgfrieden.

Zuletzt hatte Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh dem Top-Manager vorgeworfen, Vereinbarungen des Zukunftspakts nicht einzuhalten und die Zusammenarbeit bei mehreren Projekten gestoppt. Im Kern der Kritik steht, dass im laufenden ersten Halbjahr in einigen Positionen keine neuen Stellen geschaffen werden sollen. In einem Schreiben des Betriebsrats an die Belegschaft hieß es über Diess, er agiere "zutiefst unsozial" - und lud den Manager umgehend für diesen Montag in den Betriebsausschuss vor, in dem die Führung der Arbeitnehmervertreter sitzt.

Konkret wirft der Betriebsrat Diess vor, er wolle möglichst schnell und möglichst viele befristete Beschäftigte aus dem Unternehmen drängen, um bereits im ersten Quartal Erfolge beim Stellenabbau vorzuweisen. Es sei aber vereinbart, dass Jobs nur dann wegfallen sollen, wenn die dahinterstehende Arbeit nicht mehr vorhanden oder anders organisiert ist. Diess sorge zudem durch einen Einstellungsstopp in Zukunftsbereichen dafür, dass 1500 freie Stellen wegfielen.

Diess selbst hatte daraufhin seinen Sparkurs verteidigt - und sich ebenfalls per Rundschreiben an die Belegschaft gewandt. "Die wirtschaftliche Lage des Unternehmens lässt uns im Moment wenig Spielraum", schrieb Diess darin. Er betonte zugleich, er würde sich an den Zukunftspakt halten. "Wir haben fest zugesagt, keinen Standort zu schließen und den notwendigen Personalabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen zu bewältigen." Dazu stehe das Unternehmen Chart zeigen.

fdi/dpa/Reuters

insgesamt 25 Beiträge
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MisterD 13.02.2017
1. Alternativ...
könnte man aufhören den Werkern absurd hohe Löhne für simpelste Tätigkeiten zu bezahlen. Hr Osterloh hat noch nicht verstanden, dass am Band stehen und auf Knöpfe drücken heutzutage jeder kann und diese Tätigkeit aufgrund Wettbewerbsdruck mit Fernost nicht mehr mit 5.000 EUR brutto vergütet werden kann...
Andiken 13.02.2017
2. Vorstände im Selbstbedienungsladen, Angestellte auf dem Arbeitsamt
Jetzt sollen also die Arbeiter für schwerwiegende Managementfehler büßen - wogegen man an sich nichts sagen könnte, das passiert weltweit und auch in ganz anderen Firmen immer wieder. Ein Geschmäckle bekommt das ganze, wenn man sich die Nachrichten vom Wochenende noch einmal durchliest (VW-Managerin kassiert für 13 Monate "Arbeit" 12 Mios und 8.000€ Rente bis Lebensende) oder daran denkt, dass Winterkorn seine Bonis nicht zurückzahlen will und auch VW nichts tut, um ihm für seine "Mangagementleistungen" keine Geldleistungen, sondern Anklageschriften zu überreichen. Da verfestigt sich dann schon ein wenig der Gedanke, dass bei VW einiges schief läuft und sich der Vorstand im Selbstbedienungsladen wähnt und nicht für die Firma arbeitet - wobei auch hier Hr. Weil und Hr. Osterloh aufklären könnten, warum sie solche Manager-Verträge im Aufsichtsrat nicht hinterfragen und dagegen auftreten.
wasistlosnix 13.02.2017
3. @MisterD
Ich denke sie wissen das auch ihre Arbeits irgendwo auf der Welt günstiger erledigt wird. Bitte veranlassen Sie deshalb eine freiwillige Kürzung Ihrer Bezüge.
jkbremen 13.02.2017
4. Werden ihr blaues Wunder erleben
Die niedersächsische Politik und die ebenfalls selbstbedienerische Grwerkschaftsriege werden den Laden schon irgendwann so vor die Wand fahren, dass angesichts des weltweiten Wandels in der Automobilindustrie dann bei VW nichts mehr geht. Dann baden es wieder die Mitarbeiter aus und erleben ihr blaues Wunder.
mettwurstlolli 13.02.2017
5. Alternativlos
VW hat eine im Branchenvergleich geradezu grotesk niedrige Profitabilität, das ist nicht zuletzt die Folge eines übermächtigen Betriebsrates, massiver politischer Einflussnahme und nicht zuletzt auch der nicht immer einig agierenden Eigentümerfamilien. Wenn VW überleben will, ist die Verbesserung der Kostenstruktur unumgänglich. Aber das dürfen Betriebsrat und Gewerkschaften natürlich nicht zugeben. Sie protestieren dann lieber so lauthals wie ergebnislos, wenn in Deutschland Werke geschlossen und im Ausland neue gebaut werden. PS: Die Litanei von den überbezahlten Vorständen und den armen Arbeitern, die das ausbaden müssen, kann man auch gern den SPD-Politikern und den Betriebsräten vorleiern, die diese Vorstandsverträge unterschrieben haben.
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