Personalmangel nach der Pandemie Lufthansa rechnet erst 2023 mit Normalisierung des Flugverkehrs

Gestrandete Passagiere, Kofferchaos, lange Schlangen: Die Lufthansa rechnet wegen fehlenden Personals an den Airports mit weiteren Störungen des Flugverkehrs. Aktuell helfe nur, die Zahl der Flüge zu verringern.
Gedränge am Flughafen Düsseldorf: 200.000 Passagiere werden allein dieses Wochenende hier erwartet – doch es fehlt Personal

Gedränge am Flughafen Düsseldorf: 200.000 Passagiere werden allein dieses Wochenende hier erwartet – doch es fehlt Personal

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David Young / picture alliance / dpa

Als erstes der 16 deutschen Bundesländer ist Nordrhein-Westfalen dieses Wochenende in die Sommerferien gestartet. An den Flughäfen im bevölkerungsreichsten Bundesland gab es bereits am Freitag teils chaotische Szenen und Gedränge, bei der Gepäckaufgabe und vor den Sicherheitskontrollen bildeten sich lange Warteschlangen. An diesen Zuständen dürfte sich nach Einschätzung der Lufthansa so schnell nichts ändern.

DER SPIEGEL

Die Fluggesellschaft erwartet erst im nächsten Jahr eine Normalisierung des Flugbetriebs. »Eine kurzfristige Verbesserung jetzt im Sommer werden wir realistisch leider kaum erreichen können«, sagte Lufthansa-Vorstand Detlef Kayser der »Welt«. Aktuell helfe nur, die Zahl der Flüge zu reduzieren. Das sei nicht nur ein deutsches Problem, sondern gelte für die ganze Welt. »Wir rechnen damit, dass sich die Lage 2023 insgesamt wieder normalisiert.«

Die Lufthansa hatte zuletzt angekündigt, mehr als 2000 weitere Flüge an ihren Drehkreuzen Frankfurt und München zu streichen, unter anderem weil sich auch vermehrt Besatzungen wegen Coronafällen krankmelden. Schon vor gut zwei Wochen hatte sie angekündigt, 900 Verbindungen an Freitagen und Wochenenden im Juli zu canceln. Auch die Billigtochter Eurowings rechnet mit weiteren Streichungen. Als Hauptgrund für die Ausfälle gilt insbesondere jedoch fehlendes Personal – sowohl bei den Flughäfen etwa bei der Sicherheitskontrolle als auch bei den Airlines selbst.

7200 Fachkräfte fehlen

Es sei schon sehr früh klar gewesen, dass Personalmangel in der Flugindustrie ein Problem sein werde, sagte Kayser der Zeitung. Der Frankfurter Flughafen etwa habe massiv in Rekrutierung investiert. Doch man habe erkannt, dass sich Personal nicht so schnell wie erhofft aufbauen lasse, was zum Beispiel auch an den verschärften branchenspezifischen Sicherheitsüberprüfungen liege. Die Branche hofft derweil auf rasche Ausnahmegenehmigungen deutscher Behörden für den Einsatz von etwa 2000 türkischen Arbeitskräften.

Die Gewerkschaft Ver.di dagegen begründet ihre aktuelle Forderung nach deutlich mehr Gehalt auch mit der Suche nach dringend notwendigem zusätzlichem Personal. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hat diese Woche für die Luftfahrt in Deutschland insgesamt eine Lücke von rund 7200 Fachkräften ermittelt. Zugleich gebe es »keine Reserven mehr am Arbeitsmarkt«, um diese freien Stellen beim Luft- und Bodenpersonal zu füllen – besonders am Boden fehle es an Personal.

Unterdessen erwartet allein der Flughafen Düsseldorf am ersten Ferienwochenende mehr als 200.000 Passagiere – in den Ferien insgesamt sogar drei Millionen Fluggäste. In den verkehrsreichsten Zeiten würden damit schon wieder fast so viele Passagiere abgefertigt wie vor der Coronapandemie, berichtete Flughafenchef Thomas Schnalke in dieser Woche.

Immerhin: Lufthansa und Eurowings haben angekündigt, die klassischen Urlaubsstrecken von den Kürzungen weitgehend auszunehmen. Wegfallen sollen vor allem Flüge innerhalb Deutschlands und Europas, zu denen es alternative Reisemöglichkeiten etwa mit der Bahn gibt.

apr/dpa
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