Personalmangel bei Airlines 2000 Arbeitskräfte aus der Türkei sollen Lage an Flughäfen entspannen

Die Reiselust der Menschen in Deutschland ist groß nach mehr als zwei Coronajahren. Allein: Airlines und Flughäfen fehlt Personal. Nun hofft der Luftverkehr auf Unterstützung aus der Türkei.
Eine Passagiermaschine hebt am Frankfurt Flughafen ab. An den deutschen Flughäfen wird am Wochenende aufgrund von Personalmangel mit Verzögerungen gerechnet

Eine Passagiermaschine hebt am Frankfurt Flughafen ab. An den deutschen Flughäfen wird am Wochenende aufgrund von Personalmangel mit Verzögerungen gerechnet

Foto: Boris Roessler / dpa

Um die Situation an den deutschen Flughäfen zu entspannen, wollen Fluggesellschaften jetzt Personal aus der Türkei hinzuziehen. Die Luftverkehrsbranche wünscht sich rasche Ausnahmegenehmigungen deutscher Behörden für den Einsatz von etwa 2000 türkischen Arbeitskräften an deutschen Flughäfen. »Wir hoffen, dass es sehr zügig geht«, sagte eine Sprecherin des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL).

Der Personalmangel bei Fluggesellschaften und Flughäfen beeinträchtigt zunehmend die Reisepläne der Menschen. Weil sich vermehrt Besatzungen wegen Corona-Fällen krankmelden, streicht die Lufthansa mitten in der Sommerferienzeit mehr als 2000 weitere Flüge an ihren Drehkreuzen Frankfurt und München. Zusammen mit bereits angekündigten Kürzungen fallen damit im Juli über 3000 Verbindungen weg. Auch die Billigtochter Eurowings rechnet mit weiteren Streichungen. Für zusätzliche Turbulenzen sorgen Streiks bei anderen europäischen Airlines.

»2000 Arbeitskräfte würden die Branche stark entlasten«

Für die unterstützenden Arbeitskräfte aus der Türkei könnten die notwendigen Zuverlässigkeitsprüfungen innerhalb von etwa sechs Wochen erfolgen und die Beschäftigten bei Bodenverkehrsdiensten so noch während der Sommerreisezeit eingesetzt werden. Eine Sprecherin des Flughafenverbands Flughafenverband ADV ergänzte: »2000 Arbeitskräfte würden die Branche stark entlasten und die Zuverlässigkeit steigern.«

Reiseveranstalter werden dem Branchenverband DRV zufolge alles dafür tun, dass gebuchte Sommertrips stattfinden. »Dass gut gebuchte Strecken zu den Pauschalreise-Zielen rund ums Mittelmeer oder zu ferneren Zielen in größerem Umfang gestrichen werden, ist eher unwahrscheinlich«, sagte eine Sprecherin des Deutschen Reiseverbandes DRV am Freitag. Das gelte insbesondere für Flüge, die von den Veranstaltern lange vorher eingekauft worden seien. Veranstalter und Reisebüros seien in engem Austausch mit Airlines und Flughäfen.

Lufthansa: Über 95 Prozent der geplanten Flüge werden geflogen

Die Lufthansa begründet ihre neuesten Kürzungen damit, dass Streiks von Fluglotsen zum Beispiel in Marseille, Wetterereignisse und insbesondere eine erhöhte Corona-Krankenquote das System in jüngster Zeit zusätzlich belastet hätten. »In den vergangenen Tagen kam es zu kurzfristigen Krankmeldungen unserer Crews.« Bereits vor gut zwei Wochen hatte das Unternehmen für Juli in Frankfurt und München 900 Flüge innerhalb Deutschlands und Europas gestrichen. »Wir gehen aber davon aus, dass wir im Sommer über 95 Prozent der geplanten Flüge fliegen werden«, sagte ein Lufthansa-Sprecher.

Auch Eurowings hat für Juli bereits Hunderte Flüge gestrichen – und erwartet wenig Besserung. Für August seien ähnliche Anpassungen zu erwarten, »wenn sich die Personalsituation an Airports bei Sicherheitskontrollen, Bodenverkehrsdiensten, Flugsicherung etc. nicht verbessert«, sagte ein Sprecher. »Zudem beobachten wir mit Sorge die wieder steigenden Corona-Inzidenzen, die sich in höheren Krankenständen bei allen Systempartnern der Prozesskette widerspiegeln.«

Vor allem Flüge mit alternativen Reisemöglichkeiten werden gestrichen

Lufthansa und Eurowings beabsichtigen die klassischen Urlaubsstrecken von den Kürzungen weitgehend auszunehmen. Wegfallen sollen vor allem Flüge innerhalb Deutschlands und Europas, zu denen es alternative Reisemöglichkeiten etwa mit der Bahn gibt. So fliege Eurowings statt zehnmal neunmal pro Tag von Düsseldorf nach Mallorca – und im Idealfall kämen alle vorgesehenen Passagiere am geplanten Tag an ihr Ziel.

Zum Ferienstart in Nordrhein-Westfalen an diesem Wochenende könnte es an den Flughäfen allerdings eng werden. Es werde »auf jedes einzelne Rädchen der Prozesskette ankommen«, sagte der Eurowings-Sprecher. Gerade an den Sicherheitskontrollen und bei den Bodenverkehrsdiensten, die etwa das Gepäck ein- und ausladen, fehlt es nach der Pandemie an Mitarbeitern. Flughäfen und viele Airlines hatten in der Pandemie Personal abgebaut, welches ihnen jetzt in der Sommerreisezeit fehlt. Flugreisende berichteten teils von extrem langen Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen.

Beschäftigte der Lufthansa-Tochter kritisieren hohe Arbeitsbelastung

Für zusätzliche Turbulenzen im europäischen Luftverkehr sorgen aktuell Streiks bei den Fluggesellschaften Ryanair und Brussels Airlines. Bei Brussels Airlines legen Kabinenpersonal und Piloten bis Samstag die Arbeit nieder. Die Beschäftigten der Lufthansa-Tochter kritisieren unter anderem die hohe Arbeitsbelastung. Von Freitag bis Sonntag kommt ein Arbeitskampf von Mitarbeitern der irischen Billigairline Ryanair in Belgien hinzu. In Spanien sollten nach Medienberichten alle geplanten Ryanair-Flüge stattfinden. Ryanair habe alle Mitarbeiter unter Hinweis auf eine Anordnung der Regierung verpflichtet, zu arbeiten.

Auch Angestellte der Fluggesellschaft British Airways (BA) am Flughafen Heathrow London haben sich für einen Streik in den Sommerferien ausgesprochen. Ungemach könnte auch in Deutschland drohen. Die Gewerkschaft Verdi fordert für rund 20 000 Lufthansa-Beschäftigte am Boden 9,5 Prozent mehr Geld. Die Tarifverträge laufen am 30. Juni aus.

ktz/dpa
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