Pandemie der Innenstädte Altmaier will Ladensterben verhindern

Die Geschäfte in vermeintlich guten Innenstadtlagen litten besonders unter den Corona-Schließungen. Mit neuen Konzepten will er die öden Fußgängerzonen deutscher Städte wieder attraktiver machen.
Peter Altmaier will Innenstädte als Erlebnisräume, damit diese attraktiv bleiben

Peter Altmaier will Innenstädte als Erlebnisräume, damit diese attraktiv bleiben

Foto:

Michael Kappeler/ dpa

Unter der Coronakrise leiden kleinere Läden in teuren Innenstadtlagen besonders. Um sie zu retten, hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier nun umfassende Schritte gefordert. "Wir müssen Konzepte zur Wiederbelebung der Innenstädte entwickeln", sagte der CDU-Politiker. "Wir wollen verhindern, dass es zu einem Sterben der Geschäfte in den Innenstädten kommt." Dabei setzt er vor allem auf Digitalisierung, um Einzelhändler zu stärken und das Shoppen und Verweilen für Kunden in den Stadtzentren attraktiver zu machen.

Er halte es etwa für wichtig, unter Einsatz von digitalen Angeboten Stadtteilkonzepte zu entwickeln, die beispielsweise an Wochenenden dazu führten, dass die Stadt von den Menschen als "Erlebnisraum" wahrgenommen werde. Das eröffne dann auch der Gastronomie neue Möglichkeiten. Auch Stadtforscher Thomas Krüger fordert, die sterbenden Zentren weiterzuentwickeln.

Mit Blick auf Forderungen, Konsumgutscheine auszugeben, sagte Altmaier jedoch: "Jetzt kommt es weniger darauf an, immer neues Geld zu verteilen, sondern darauf, die Attraktivität der Innenstädte zu stärken." Die Absenkung der Mehrwertsteuer  bis Ende des Jahres wirke nach seiner Beobachtung und trage dazu bei, dass vor allen Dingen Investitionen in höherwertige Konsumgüter vorgezogen würden.

Altmaier will Beteiligte zu Gespräch einladen

Seit der Corona-Pandemie werden viel mehr Geschäfte online getätigt. Der weltweit größte Internethändler Amazon konnte seinen Gewinn in der Corona-Pandemie um mehr als 40 Prozent steigern. Am zunehmenden Onlinehandel will Altmaier auch kleinere Geschäfte stärker beteiligen: "Wir müssen den Geschäftsinhabern in den Innenstädten dabei helfen, ihre Kundenbeziehungen so zu digitalisieren, dass es auch den Modeläden und Schuhgeschäften zugutekommt", sagte er. "Wenn zum Beispiel ein Kunde ein Markenhemd online bestellen möchte, sollte er das nicht unbedingt beim Hersteller tun müssen, sondern die Möglichkeit haben, zum gleichen Preis auch über den Einzelhändler seiner Wahl online zu kaufen."

Altmaier kündigte an, Anfang September die Beteiligten an einen Tisch zu laden, "um über die wirtschaftlichen Chancen von Digitalisierung für Innenstädte, für Einzelhändler, für die Gastronomie zu sprechen". Der Bund müsse bereit sein, "notwendige Maßnahmen gemeinsam mit Kommunen und Ländern noch stärker zu unterstützen".

Der Präsident des Handelsverbandes HDE, Josef Sanktjohanser, hatte beklagt, die Coronakrise werde den Handelsunternehmen abseits des Lebensmittelhandels voraussichtlich Umsatzeinbußen von 40 Milliarden Euro bringen. Dies könne 50.000 Standorte in Deutschland die Existenz kosten: "Wenn schon die erste Welle der Pandemie solch dramatische Folgen im Handel hervorruft, möchte ich mir eine zweite nicht vorstellen", sagte er.

Viele Händler hätten bei erneuten Einschränkungen oder gar einer zweiten Lockdown-Phase keine Chance mehr, der Insolvenz zu entgehen. Die Kunden bat er deshalb um mehr Disziplin bei der Einhaltung der Corona-Regeln.

apr/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.