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24. Juli 2012, 16:55 Uhr

Staatshilfe für Peugeot

Hollande stemmt sich gegen die Globalisierung

Von , Paris

Präsident Hollande will den Standort Frankreich retten: Der Sozialist hat sich die Industriellenfamilie Peugeot vorgeknöpft und will den Jobabbau beim angeschlagenen Autokonzern PSA mit Staatshilfe mindern. Doch die Traditionsfirma ist nicht der einzige gallische Patient.

Seinen Start hatte sich François Hollande anders gewünscht. Zwei Monate nach dem Amtsantritt des sozialistischen Präsidenten sammeln sich die schlechten Nachrichten aus der französischen Wirtschaft: der Geflügelfleischproduzent Doux ist pleite, Telekom-Anbieter wie Bouygues und SFR und der Autokonzern PSA Peugeot Citroën streichen Tausende Stellen. Radio France rief die sonst so gemächliche Urlaubszeit in diesem Jahr bereits zum "Sommer der Sozialpläne" aus.

Vor allem zwischen dem Autobauer und der linken Regierung hängt der Haussegen schief, seit PSA die Entlassung von 8000 Arbeitern und das Ende der Produktion im Werk von Aulnay angekündigt hat. Hollande reagierte sauer auf die Pläne. Er warf der PSA-Führung gar "Lüge" vor, weil der Jobabbau schon 2011 klar gewesen, aber erst nach der Präsidentenwahl verkündet worden sei. Die schlechten Nachrichten belasten das soziale Klima erheblich, kaum dass der Staatschef seine ehrgeizigen Reformprojekte angeschoben hat. Der Plan "in der gegenwärtigen Form ist nicht hinnehmbar", schimpfte der Präsident im traditionellen TV-Interview zum Nationalfeiertag am 14. Juli. "Er muss neu verhandelt werden."

Also wurde PSA-Chef Philippe Varin von Premier Jean-Marc Ayrault in dessen Amtssitz ins Hôtel Matignon zitiert. Begleitet von Streiks der betroffenen Arbeiter debattierten Konzernchef und Ministerpräsident über die beabsichtigte Streichung von Stellen und über die Rettungspläne der Regierung für Frankreichs marode Automobilindustrie. Bereits im Wahlkampf hatte sich Hollande für die Arbeiter und Angestellten der angezählten Produktionsstätten eingesetzt. Der kriselnde Autohersteller Opel kann in Deutschland nicht auf die Unterstützung der Regierung hoffen - der linke Staatschef Hollande aber scheut nicht vor direkter, staatlicher Intervention zurück.

Ökonomen warnen vor dem Niedergang des Standorts Frankreich

Denn der Fall des Autokonzerns PSA ist ein Symbol für die strukturellen Probleme der französischen Wirtschaft. "Hinter dem sozialen Drama der Firmenschließung in Aulnay lauert der Zusammenbruch der nationalen Industrie und der Niedergang des Standorts Frankreich", warnte der Ökonom Nicolas Baverez im Polit-Magazin "Le Point".

Das pessimistische Szenario stützt sich auf ernüchternde Fakten: Laut dem französischen Statistikamt Insee hat sich das Land noch immer nicht von den Folgen der 2008 einsetzenden Wirtschafts- und Finanzkrise erholt. Demnach hat die Wirtschaft gerade einmal das Niveau von 2008 erreicht. Die Industrieproduktion liegt sogar fünf Prozent unter dem Niveau der Vorkrisenzeit. Seit 2007 gingen mehrere hunderttausend Jobs verloren. Das Handelsbilanzdefizit kletterte 2011 auf die Rekordmarke von 70 Milliarden Euro.

Das Credo der Regierung: Der Automobilbranche muss trotz Sparzwang und Schuldenberg geholfen werden. Arnaud Montebourg soll als "Minister für die Wiederherstellung der Produktion" ein Konzept für die notleidende Branche vorlegen. Der Industrieminister setzt dabei auf "massive Hilfestellung" für Hybrid- und Elektroautos. Eine Abwrackprämie, mit der Ex-Präsident Nicolas Sarkozy die Inlandsnachfrage vorübergehend anschob, schließt Montebourg aus.

Der Industrieminister zitiert den Peugeot-Erben zu sich

Der Minister will in den kommenden Tagen auch PSA-Aufsichtsratschef Thierry Peugeot einbestellen. Die Industriellenfamilie, die mit 25,4 Prozent der Aktien noch immer den größten Teil an PSA hält, ist mit dem Stellenabbau ins Visier der Regierung geraten. "Wir haben kein außerordentlich großes Vertrauen in das, was uns die Firmenleitung von Peugeot gesagt hat", wetterte Montebourg. Die Regierung habe mit der Konzernstrategie, dem Bündnis mit General Motors und dem Verhalten der Familie Peugeot als Hauptaktionär ein "echtes Problem", ließ der Minister wissen.

Montebourg zielte damit offenbar auf die von den Gewerkschaften vorgebrachte Kritik an den Ausschüttungen für die privaten Anteilseigener, die während der vergangenen acht Jahre "im Vergleich größer waren als die Dividenden bei Renault oder Volkswagen".

Peugeot wies die harschen Angriffe umgehend zurück: "Wir sind bereit, Kritik zu akzeptieren, aber es gibt Grenzen", erklärte Aufsichtsratschef Thierry Peugeot. Die Kritik der Regierung habe das Unternehmen geschwächt, es könnte damit auch Ziel einer feindlichen Übernahme werden, warnte er in der Zeitung "Le Figaro". Auch die ehemalige Justizministerin Rachida Dati warnte, durch die Kritik würden "Investoren entmutigt".

Die Machtübernahme eines ausländischen Investors bei PSA wäre kaum im Sinne der Regierung. Industrieminister Montebourg gilt als Vertreter der Entglobalisierung. Im Gegenzug für Staatshilfe und ökologische Anreize zur Förderung des Absatzes - etwa über ein System von Bonus und Malus für "innovative und saubere" Fahrzeuge - fordert er "konkrete Gegenleistungen". "Wir wollen diese Vorteile unterstützen, um damit diejenigen Konstrukteure zu fördern, die auf französischem Territorium produzieren", verkündete er.

Die Produktion in Frankreich wird für PSA zum Problem

Angesichts seiner Modellpolitik müsse PSA aber ins Ausland ausweichen, sagen Experten. Der Konzern fokussierte sich lange auf die Ober- oder Mittelklasse - Segmente die nun besonders von der Wirtschaftskrise betroffen sind. "Das untere Segment hält sich gar nicht mal so schlecht, aber es bringt nicht viel ein und bedarf daher geringer Produktionskosten", beschreibt das Blog "Wirtschaft und Soziales" das Dilemma. "Damit sind die Kleinwagen und die unteren Modelle zur Auslandsproduktion verurteilt - und bei diesem Spiel hat Renault PSA abgehängt: Die Firma stellt nur 23 Prozent ihrer Autos in Frankreich her, PSA aber 44 Prozent."

Auch in Sachen Auslandsgeschäft müsse PSA aufholen, fordern Analysten. So startete der Konzern zwar 1985 etwa zeitgleich mit Volkswagen in China, doch während die Franzosen dort im vergangenen Jahr nur 380.000 Fahrzeuge verkauften, setzten die Wolfsburger 1,7 Millionen Autos ab.

Die Regierung gibt sich dennoch optimistisch, dass PSA seinen Fokus auf Frankreich legt. Sie teilte mit, bei der Aussprache mit Premier Ayrault habe PSA-Chef Varin versprochen, den Anforderungen der Regierung "Rechnung zu tragen". Der Manager zeigte sich verhaltener: "Wir haben unsere Verbundenheit zum sozialen Dialog bekräftigt", sagte er. Man wolle für jeden Beschäftigten eine Lösung finden.

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