Frankreich Peugeot will offenbar Staatshilfe beantragen

Der französische Autokonzern Peugeot muss den Staat womöglich um eine Finanzspritze bitten. Mit dem Geld soll vermutlich ein zweites Werk vor der Schließung gerettet werden.

Peugeot-Autos in Nizza
REUTERS

Peugeot-Autos in Nizza


Paris - Der französische Autobauer PSA Peugeot Citroën hat offenbar um Hilfe der Regierung gebeten. Mit Staatshilfen will das Unternehmen womöglich verhindern, dass ein zweites Werk in Frankreich geschlossen werden muss. Mitte Juli gab Peugeot bekannt, 8000 Stellen zu streichen und das Werk Aulnay bei Paris mit allein mehr als 3000 Beschäftigen schließen zu wollen.

"Sie haben uns gesagt, dass sie nach umfangreichen Hilfen der Regierung gefragt haben", sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Das Geld könnten von der Regierung in Paris oder Regionalregierungen bereitgestellt werden, sagte eine andere Person.

Man wolle beim geplanten Abbau von 8000 Stellen ohne Kündigungen auskommen, kündigte PSA-Chef Philippe Varin nach Gesprächen mit Premierminister Jean-Marc Ayrault in Paris an. Ayrault ließ mitteilen, er habe das Unternehmen gebeten, betroffene Beschäftigte zu begleiten, bis sie wieder einen Job gefunden haben. Der VW-Konkurrent ist Europas zweitgrößter Autobauer und beschäftigte nach eigenen Angaben Ende 2011 konzernweit etwa 123 000 Menschen im Autobereich.

Peugeot hatte noch Montagmittag bekanntgegeben, mit dem japanischen Autokonzern Toyota kooperieren zu wollen. Ab dem zweiten Quartal 2013 liefern die Franzosen Kleinlaster an Toyota, die in Europa unter dem Logo der Japaner vertrieben werden, wie Toyota mitteilte.

Zudem sei für die nächste Generation leichter Nutzfahrzeuge eine Entwicklungspartnerschaft vereinbart worden, die bis mindestens 2020 andauern soll. Pläne für eine gegenseitige Kapitalbeteiligung der beiden Konzerne oder ein weiteres gemeinsames Werk gebe es aber nicht.

Peugeot hatte erst im Februar eine Allianz mit dem US-Konzern General Motors (GM) geschlossen. Beide Unternehmen wollen gemeinsam einkaufen und Fahrzeugplattformen entwickeln, um die Kosten zu senken. Peugeot-Chef Philippe Varin erklärte damals, die Auswirkungen der Krise auf das Geschäft in Europa machten diese Neuordnung unvermeidbar.

Frankreichs Präsident François Hollande kritisierte Peugeot Mitte Juli wegen des Stellenabbaus scharf und kündigte an, die angeschlagene Autoindustrie in seinem Land anzukurbeln. Hollande will den Fahrzeugherstellern Kredite zur Verfügung stellen und die Forschung vorantreiben. Zudem sollen staatliche Einrichtungen sowie Kommunen und Gemeinden die Autos verstärkt kaufen.

kha/Reuters/AFP/dapd/dpa



insgesamt 29 Beiträge
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dubtown 23.07.2012
1. Super Idee...
Zitat von sysopREUTERSDer französische Autokonzern Peugeot muss den Staat womöglich um eine Finanzspritze bitten. Mit dem Geld soll vermutlich ein zweites Werk vor der Schließung gerettet werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,845996,00.html
Wieder einmal werden Verluste sozialisiert. Sind Autohersteller systemrelevant? Wird das beanspruchte Geld im besten Falle wieder zurück erstattet? Immer mehr Menschen haben das Gefühl, nicht mehr Teil dieser Perversion zu sein.
gewgaw 23.07.2012
2. :{[
Da Peugeot systemrelevant ist, sollte jedes Fahrzeug mit 10000 € aus irgendwelchen europäischen Rettungsfonds subventioniert werden, damit Absatzerfolge und natürlich keinerlei Wettbewerbsverzerrungen garantiert sind und die grande nation ihren Stolz behält
geckox 23.07.2012
3. Staatshilfe !
Staatshilfe , damit die Aktionäre ihre Dividende ausgezahlt bekommen . Umverteilung von Unten nach Oben . Ein bekanntes Denkmuster .
wakaba 23.07.2012
4. optional
Streiff hat PSA in den Sand gesetzt, Varin ist ein französischer Staatsfunktionär. Er kündigt den Untergang an und macht sich dann aus dem Staub. Im folgenden Chaos wird PSA dann verstaatlicht. Nur mit dieser Garantie gab Toyota den Zuschlag für die Labelproduktion der Kleinlaster. Nur mit dieser Garantie - GM wird für PSA Peugeot in Korea produzieren. PSA ist ausgehöhlt und bereits ein Zombie wie Opel. Totaler Kannibalismus in einem wegbrechenden Markt. Auch Deutschland wird bald das Klumpenrisiko Autokonzerne den Hals brechen.
weltoffener_realist 23.07.2012
5. Risikenakkumulation
Zitat von sysopREUTERSDer französische Autokonzern Peugeot muss den Staat womöglich um eine Finanzspritze bitten. Mit dem Geld soll vermutlich ein zweites Werk vor der Schließung gerettet werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,845996,00.html
Nur zu, Staatshilfen sind momentan total en vogue. Schlecht gewirtschaftet? Miese Marktlage? Egal, ab einer gewissen Größe und Marktstellung kümmert sich der Staat. Das geht dann so lange gut, bis die Finanzierung unter der Zinsbelastung zusammenbricht. Wie wir aus der Hypothekenkrise gelernt haben: Man kann Risiken zwar umverteilen, nicht aber in Luft auflösen - irgendwo und irgendwann ploppen sie wieder mit einem Knall an die Oberfläche.
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