PSA-Aufsichtsrat Peugeot berät über Kapitalspritze von Dongfeng

Die Zeichen für einen Einstieg des chinesischen Autoherstellers Dongfeng bei seinem angeschlagenen Partner PSA Peugeot Citroën verdichten sich. Der Aufsichtsrat des französischen Konzerns will schon in der kommenden Woche über eine Kapitalspritze aus China beraten.

Peugeot-Fabrik in China: Hoffnung auf Ausweitung der Geschäftsbeziehung
AFP

Peugeot-Fabrik in China: Hoffnung auf Ausweitung der Geschäftsbeziehung

Von David Pearson, Colum Murphy und Sam Schechner, Wall Street Journal Deutschland


Paris - Auf der Suche nach frischem Geld will der Aufsichtsrat des angeschlagenen französischen Autobauers Peugeut Citroën noch im Oktober über eine mögliche Kapitalspritze von Seiten des chinesischen Partners Dongfeng Motor Corp. beratschlagen. Das berichtet eine Person, die mit der Sache vertraut ist. Das Kapital wäre notwendig, um Peugeots Überleben in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts zu sichern.

Gut informierte Personen nennen den 22. Oktober als geplantes Datum für die Aufsichtsratssitzung. Der Autohersteller, der in Europa unter schwachen Verkäufen leidet und heftige Verluste macht, verhandelt bereits seit Monaten mit Dongfeng über eine Ausweitung der bestehenden Geschäftsbeziehung außerhalb Chinas. Im Gespräch ist laut Insidern auch eine direkte Investition bei Peugeot.

Dieser Artikel ist im Wall Street Journal Deutschland erschienen.
Nach Auskunft eines Sachkenners könnte sich neben Dongfeng auch die französische Regierung an einer Kapitalerhöhung beteiligen, um Peugeots Geschäftspläne über das Jahr 2016 hinaus abzusichern. Peugeot aber habe die französische Regierung bisher offiziell nicht um eine Beteiligung gebeten.

Paris sagt, eine Beteiligung sei "heute" kein Thema

Am Samstag äußerte sich Finanzminister Pierre Moscovici zudem ausweichend zu dem Thema: Weder ein Einstieg der öffentlichen Hand noch eines anderen Unternehmens sei eine Frage, die sich "heute" dringend stelle, sagte Moscovici in Washington. Der Konzern bemühe sich jedoch um "nützliche Industriepartnerschaften" und werde dabei von der Regierung "aufmerksam verfolgt".

Ein Peugeot-Sprecher bestätigte, dass für den 22. Oktober eine Aufsichtsratssitzung anberaumt sei. Wie der Sprecher weiter mitteilte, schaue sich der Konzern weiterhin mögliche industrielle und kaufmännische Partnerschaften mit verschiedenen industriellen Gruppen an. Wie das Unternehmen seine Zukunftsprojekte finanzieren könne, sei Teil dieser Diskussionen, sagte der Sprecher.

Ein Sprecher von Dongfeng lehnte einen Kommentar ab. Das chinesische Unternehmen hatte im September allerdings bestätigt, von mehreren Investmentbanken angesprochen worden zu sein, die eine engere Partnerschaft mit Peugeot vorgeschlagen hatten. Diese Gespräche befänden sich aber in einem sehr frühen Stadium, sagte Dongfeng damals.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte als erste darüber berichtet, dass sich Dongfeng und die französische Regierung an einer möglichen Kapitalerhöhung beteiligen könnten.

PSA Peugeot Citroën hatte vergangenes Jahr einen drastischen Sparplan beschlossen, der den Abbau von insgesamt 11.200 Stellen bis Mai 2014 vorsieht. Der Konzern leidet stark unter der Krise auf dem europäischen Automarkt, wo er nach wie vor den Großteil seiner Fahrzeuge verkauft. 2012 brach der Absatz von Fahrzeugen des Konzerns weltweit um 16,5 Prozent ein,

Peugeot musste den höchsten Nettoverlust seiner Geschichte verkraften.Eine stärkere Geschäftsbeziehung zwischen Peugeot und Dongfeng oder eine Kapitalspritze würde zu den Expansionsplänen chinesischer Autohersteller passen, die erpicht darauf sind, ihr technologisches Wissen zu erweitern und außerhalb ihres Heimatmarktes zu wachsen. "Staatliche und staatsnahe chinesische Autohersteller und Zulieferer in China haben reichlich Bargeld in der Kasse, was ihnen Spielraum gibt, Anteile zu erwerben und in manchen Fällen sogar internationale Akteure komplett zu kaufen", sagt Namrita Chow, Autoanalystin beim Marktforschungsinstitut IHS Automotive.

Im Jahr 2010 etwa kaufte die chinesische Zhejiang Geely Holding Group die Marke Volvo vom US-Autokonzern Ford. SAIC Motor kaufte Technologie von der inzwischen zerfallenen MG Rover Group.

Wird Entwicklungspartner General Motors gehen?

Ein Pakt zwischen Dongfeng und Peugeot könnte allerdings einen Konflikt schüren zwischen Peugeots wichtigstem Industriepartner General Motors. Der US-Konzern hält einen Anteil von 7 Prozent an Peugeot und entwickelt gemeinsam mit Peugeot Fahrzeuge. Sollten sich die Eigentumsverhältnisse beim Partner ändern, darf die jeweils andere Seite laut Vertrag die Geschäftsbeziehung aufkündigen. Das könnte laut Unterlagen an die Börsenaufsicht bedeuten, dass Peugeot nur einen Anteil von maximal 10 Prozent an einen Konkurrenten verkauft.

Aus dem Umfeld von GM hieß es jedoch am Sonntag, dass das US-Unternehmen die derzeitige Beziehung nicht auflösen werde, wenn Dongfeng oder die französische Regierung bei Peugeot einstiegen.

Laut Analysten ist nicht absehbar, wie es Peugeot mit einer Beteiligung von Dongfeng außerhalb Chinas gehen würde. John Zeng, Geschäftsführer bei der Branchenberatung LMC Automotive in Schanghai, verweist darauf, dass die Kontrolle eines ausländischen Konzerns und der Erwerb von Technologie zwei völlig verschiedene Dinge seien.

"Dongfeng besitzt nicht viel Technologie und hat wenig Erfahrung damit, ausländische Geschäfte zu verwalten", sagt Zeng. "Selbst wenn sie einen beherrschenden Anteil an PSA hätten, wie würden sie denn solch ein Unternehmen managen, das derart große Probleme hat?"

Sollte die französische Regierung beschließen, einen Anteil an Peugeot zu kaufen, müsste die Europäische Kommission zustimmen und garantieren, dass dies nicht eine unfaire, wettbewerbsverzerrende staatliche Hilfe wäre. Renault, Peugeots Rivale auf dem französischen Heimatmarkt, war einst vollständig in Staatsbesitz. Inzwischen hat sich der Anteil des Staates auf 15 Prozent verringert.

Originalartikel auf Wall Street Journal Deutschland



insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
kenterziege 14.10.2013
1. Peugeot könnte vom Markt...
....verschwinden. Es würde genau so wenig bemerkt werden, wie der Abgang der Marke MG/Rover. Europa hat 20% Überkapazitäten! Schon jetzt stehen die Autos auf Halde. Normalerweise ist es so, dass die am wenigsten leistungsfähigen dann aussteigen. Hier werden sie durch den Staat oder durch Firmen, die an der Technologie - aber nicht an der Produktion interessiert sind, am Sterben gehindert. Ich bin gespannt, wie GM darauf reagiert, wenn gemeinsam entwickeltes Know How nach China abwandert. Noch gespannter bin ich, wie die Chinesen mit der Kultur französischer Arbeitsbeziehungen zurecht kommen werden! Es hat doch einen Grund, weshalb sich Peugeot ausschließlich auf den europäischen Markt konzentriert hat. Die wollten einfach nicht ihre Komfort-Zone verlassen!
GSYBE 14.10.2013
2. Sehe ich völlig anders
Zitat von kenterziege....verschwinden. Es würde genau so wenig bemerkt werden, wie der Abgang der Marke MG/Rover. Europa hat 20% Überkapazitäten! Schon jetzt stehen die Autos auf Halde. Normalerweise ist es so, dass die am wenigsten leistungsfähigen dann aussteigen. Hier werden sie durch den Staat oder durch Firmen, die an der Technologie - aber nicht an der Produktion interessiert sind, am Sterben gehindert. Ich bin gespannt, wie GM darauf reagiert, wenn gemeinsam entwickeltes Know How nach China abwandert. Noch gespannter bin ich, wie die Chinesen mit der Kultur französischer Arbeitsbeziehungen zurecht kommen werden! Es hat doch einen Grund, weshalb sich Peugeot ausschließlich auf den europäischen Markt konzentriert hat. Die wollten einfach nicht ihre Komfort-Zone verlassen!
Ihre Meinung; wir fahren seit 10 Jahren Peugeot Fahrzeuge und interessieren uns für alle europäischen Fahrzeuge...ausser dem deutschen Einheitsbrei.
hebbelille 14.10.2013
3. peugeot
schade, wenn Peugeot verschwinden sollte. Wenn mein Golf IV die gleiche Qualitaet haette wie mein 307 sw, wuerde er noch fahre und waere nicht abgebrannt! I
smartphone 14.10.2013
4. verschwindende Marken
Mir sind Studien aus den 90er Jahren, bei welchen ganz andere Marken verschwinden . So zB Opel , Ford , Fiat ... Daß die noch Leben ist im Grunde auch erstaunlich . General Motors stand damals nicht auf dem Index - und wäre , hätte man in den USA DIESE Art marktkapitalismus betrieben , den man gerne den anderen aufoktroiert ... wäre also längst "vom Fenster" . PSA hat das vermeintliche Problem "nur" in Europa zu agieren .... Tja , was macht eigentlich VW mit seinen 40% Verkaufsanteil in China , wenn dort plötzlich keiner mehr kauft .... das geht schneller ,als man uns weismachen will . Oder um es mal auf den Punkt zu bringen .. Wäre ich ein Banker und ein Automobilangestellter wollte einen (Bau) Kredit - den würde ich nicht geben , weil Höchstrisikogruppe. .......... Übrigens , ich fahre auch ein Peugeot , weil das Preisleistungsverhältnis seit xx jahren bei duetschen Autos nicht mehr stimmt ( der einzige Vorsprung ist der in der Werbetechnik )
kenterziege 14.10.2013
5. Schön für Sie
Zitat von GSYBEIhre Meinung; wir fahren seit 10 Jahren Peugeot Fahrzeuge und interessieren uns für alle europäischen Fahrzeuge...ausser dem deutschen Einheitsbrei.
...dann heben Sie den Marktanteil von Peugeot in Deutschland von 2,8 auf 2,8001 % erhöht. Oder den EU-Marktanteil vom 6,6 auf 6,60001%. Ich hielt lange Peugeot zusammen mit Citroën für die "bessere" französische Marke. Der Schachzug von Herrn Ghosn, Nissan in einer Schwächeperiode zu übernehmen, hat Renault gerettet, das sie als Konzern im Gegensatz zu Peugeot global auftreten. Genießen Sie Ihre Peugeots, solange sie laufen. Ich fürchte Peugeot kann das Geld für die notwendigen Investitionen nicht mehr aufbringen. Als Massenhersteller muss man heute mehr als 6Mio Fahrzeuge pro Jahr verkaufen, um technologisch am Ball zu bleiben und Skalenvorteile bei den Zulieferern zu generieren. Das kann Peugot nicht mehr. Da nutzen auch staatliche Hilfen nicht - soweit sie überhaupt von der EU genehmigt werden. Die Marke wird ausscheiden. Schade, Peugeot war die deutscheste der Franzosen. Mit Fiat wird das auch so passieren. Opel und Ford überleben mit amerikanischer Hilfe evtl. knapp.
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