Produktionsschwierigkeiten Pfizer liefert vorübergehend weniger Corona-Impfstoff nach Deutschland

Weil Pfizer seine Produktionsanlagen ausbaut, muss der US-Konzern den Lieferumfang seines Impfstoffs in Europa vorübergehend reduzieren. Auch Deutschland ist betroffen.
Impfstoff von Pfizer und Biontech in einem deutschen Seniorenheim: Kürzungen »ab kommender Woche«

Impfstoff von Pfizer und Biontech in einem deutschen Seniorenheim: Kürzungen »ab kommender Woche«

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Matthias Bein / dpa

Kaum haben die Impfungen begonnen, schwächelt vorübergehend die Produktion: Der US-Pharmakonzern Pfizer wird die Liefermenge seines gemeinsam mit dem Mainzer Unternehmen Biontech entwickelten Corona-Impfstoffes an europäische Länder vorübergehend senken. Davor warnt das norwegische Gesundheitsinstitut  – mit Folgen für alle Länder in Europa: »Die vorübergehende Kürzung wird alle europäischen Länder betreffen«, hieß es. Sie würde »ab kommender Woche« erfolgen.

Auch Deutschland ist von den Engpässen betroffen. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums verringere sich der zugesagte Impfstoff für die kommenden drei bis vier Wochen.

Pfizer teilte mit, die Produktionsanlagen würden ausgebaut, um mehr Impfdosen herzustellen. Dies werde aber vorübergehende Auswirkungen auf die Lieferungen Ende Januar bis Anfang Februar haben. Es sei nicht klar, wie lange es dauere, bis Pfizer wieder die maximale Produktionskapazität erreichen werde. Im Werk im belgischen Puurs könne es bei Aufträgen und Lieferungen daher zu Schwankungen kommen. Ende Februar und März stünde dann mehr Impfstoff zur Verfügung. Auch im westfälischen Halle soll eine neue Produktionsanlage für den Impfstoff entstehen.

Gesundheitsministerium: keine kurzfristigen Auswirkungen

Das Bundesgesundheitsministerium äußerte sein Bedauern über die angekündigten Engpässe. »Dies gilt umso mehr, da es verbindlich vom Unternehmen zugesagte Liefertermine bis Mitte Februar gegeben hatte« teilte ein Sprecher laut Nachrichtenagentur Reuters mit. Die Produktionsprobleme würden aber keine kurzfristigen Auswirkungen haben: »Die Deutschland für Montag zugesagten Impfstoff-Lieferungen erfolgen wie geplant«.

In der norwegischen Behördenerklärung heißt es indes: »Es ist derzeit nicht klar, wie lange es genau dauern wird, bis Pfizer seine maximale Produktionskapazität erreichen wird, die von 1,3 Milliarden auf zwei Milliarden Dosen jährlich steigen soll.«

18 Prozent weniger in Norwegen erwartet

Das norwegische Gesundheitsinstitut machte keine Angaben über die Liefermengen für ganz Europa, sondern nur für Norwegen: Demnach werden für das skandinavische Land in der kommenden Woche nur 36.075 Impfstoffdosen erwartet, zuvor waren es 43.875. Dies entspricht einem Minus von fast 18 Prozent. Dies dürfte ein herber Rückschlag für die laufende Impfkampagne in dem Land sein. Die Vakzine sind der wichtigste Hoffnungsschimmer im Kampf gegen die Pandemie.

Klar ist: Auch viele EU-Staaten bemängeln bereits die unter den Erwartungen liegenden Liefermengen des Impfstoffs von Pfizer und Biontech, wie EU-Vertreter sagten. Zudem sei man verunsichert, was zukünftige Lieferungen angehe. Bei einem Treffen der EU-Gesundheitsminister am Mittwoch hätte rund ein Drittel der Teilnehmer von unzureichenden Mengen gesprochen, sagte ein Insider.

Der Impfstoff von Biontech und Pfizer war als erstes Vakzin gegen das Coronavirus in der Europäischen Union (EU) zugelassen worden. Er wird bereits weitflächig eingesetzt. Als zweiter Impfstoff erhielt inzwischen auch das Mittel des US-Herstellers Moderna eine europaweite Zulassung, der Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca wird derzeit von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) geprüft.

apr/Reuters/AFP