Fachkräftemangel Altenheime benötigen 183 Tage, um Stelle einer Pflegekraft zu besetzen

In der Altenpflege ist die Personalnot laut Bundesagentur für Arbeit weiter angespannt. Um das Problem zu lösen, schlägt die Behörde vor, dass Teilzeitkräfte mehr arbeiten.
Pflegeheim in Brandenburg

Pflegeheim in Brandenburg

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Christophe Gateau/ dpa

Mit der "Konzertierten Aktion Pflege" kämpft die Bundesregierung gegen die Personalnot in der Altenpflege an, doch die Personalsituation hat sich weiter verschlechtert: Der Fachkräftemangel in der Branche habe zuletzt weiter zugenommen, teilte die Bundesagentur für Arbeit zum "Tag der Pflege" in Nürnberg mit. Inzwischen bestehe bundesweit ein Mangel in diesem Bereich.

"In keinem Bundesland stehen rechnerisch ausreichend arbeitslose Bewerber zur Verfügung, um damit die der Bundesagentur gemeldeten Stellen besetzen zu können", bilanziert die Bundesbehörde . Dies gelte allerdings nur für examinierte Altenpflegefachkräfte, nicht für Altenpflegehelfer.

Im Jahresschnitt 2018 gab es laut der Behörde in der Altenpflege bei knapp 15.100 gemeldeten Stellenangeboten für examinierte Altenpfleger nur 2900 arbeitslose Fachkräfte, die Zahl der arbeitslosen Spezialisten und Experten lag bei unter 200. Die Folge: Inzwischen dauere es 183 Tage, bis Heimbetreiber eine frei gewordene Pflegestelle neu besetzt hätten, zwölf Tage länger als noch im Jahr 2017. Immerhin hätten die verbesserten Fördermöglichkeiten mehr Jobsucher veranlasst, sich zum Altenpfleger ausbilden zu lassen. Besser sehe die Relation bei den Altenpflegehelfern aus.

Mit Tausenden Aus- und Weiterbildungsplätzen und einer Öffentlichkeitskampagne wollen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sowie Familienministerin Franziska Giffey und Arbeitsminister Hubertus Heil (beide SPD) gegen den Notstand angehen. Bis 2023 soll die Zahl der Azubis und ausbildenden Einrichtungen durch die "Konzertierte Aktion Pflege" im bundesweiten Schnitt um zehn Prozent im Vergleich zu diesem Jahr steigen. Ob das gelingt, ist angesichts der aktuellen Entwicklung fraglich.

Mehr Pflegekräfte aus dem Ausland

Erschwerend kommt hinzu, dass die Zahl der Pflegebedürftigen steigt: 2017 waren 3,3 Millionen Menschen auf Pflege angewiesen, 2045 sollen es dem Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos zufolge fünf Millionen Menschen sein. Damit steigen auch die Kosten der Pflegeversicherung - über eine Lösung wird seit Monaten gestritten. Höhere Beiträge, gedeckelter Eigenbetrag oder Steuergeld stehen zur Debatte, auch über eine Versicherungspflicht für Beamte und Selbstständige wird nachgedacht. Lesen Sie hier: Wer bezahlt die deutsche Vollkasko-Illusion?

Ebenfalls schwierig, wenn auch nicht ganz so dramatisch ist laut Arbeitsagentur die Situation bei Krankenpflegern. Auch hier ist der Bedarf an examinierten Kräften groß. Ein Teil des Fachkräfteproblems könnte nach Einschätzung der Bundesagentur dadurch gelöst werden, dass Teilzeitbeschäftigte in der Pflege dazu ermuntert werden sollten, ihre Arbeitszeit zu verlängern. In der Altenpflege arbeiteten nach BA-Angaben im Juni vergangenen Jahres 56 Prozent in Teilzeit, in der Krankenpflege 44 Prozent. In allen anderen Berufen liegt dieser Anteil dagegen im Schnitt nur bei 28 Prozent.

Angesichts der dramatischen Lage setzt die Bundesagentur inzwischen wieder verstärkt auf die Anwerbung ausländischer Pflegekräfte. Im Rahmen des Programms "Triple Win" wirbt die Behörde in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) seit 2013 Pfleger aus Bosnien-Herzegowina, Serbien, den Philippinen und Tunesien an. Seit dem Start des Projekts seien bereits 2000 Pflegekräfte an deutsche Pflegeheime vermittelt worden. Bis Jahresende sollen es laut einer BA-Sprecherin 3000 sein.

apr/dpa
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