Großbritannien Pfund steigt auf höchsten Stand seit Dezember

Die Ankündigung von Neuwahlen stärkt das zuletzt schwächelnde britische Pfund. Der Wechselkurs zum Dollar stieg auf den höchsten Stand seit mehr als fünf Monaten. Die Investoren erwarten offenbar einen klaren Sieg der Konservativen.

Pfund-Münzen
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Mit ihrer Ankündigung von Neuwahlen hat die britische Premierministerin Theresa May nicht nur die europäische Politik überrascht - auch an den Finanzmärkten sorgt die Entscheidung für Wirbel.

Das Pfund stieg bis zum späten Nachmittag bis 1,2766 Dollar und erreichte so den höchsten Stand seit dem 6. Dezember. Zuvor hatte das Pfund nur knapp über der Marke von 1,25 Dollar notiert.

Premierministerin May hatte am Dienstag überraschend Neuwahlen für den 8. Juni ausgerufen (mehr dazu lesen Sie hier). Sie will sich damit größere Rückendeckung für ihre Brexit-Verhandlungen mit der Europäischen Union verschaffen. Die meisten Devisenexperten gehen davon aus, dass die aktuelle Regierungspartei - also die konservativen Tories - gestärkt aus den Wahlen hervorgehen wird.

Der britische Finanzminister Philip Hammond äußerte sich erfreut über die jüngste Wechselkursentwicklung. Sie zeige, dass die Märkte Vertrauen in die Zukunft des Landes unter einer konservativen Regierung hätten.

IWF hebt Wachstumsprognose für Großbritannien an

Mittelfristig betrachtet ist diese Einschätzung zumindest zweifelhaft. Denn seit dem Brexit-Votum der Briten im Sommer vergangenen Jahres hat das Pfund im Vergleich zum Dollar mehr als 15 Prozent an Wert verloren.

Ein schwächeres Pfund hilft zwar der heimischen Exportwirtschaft, weil ihre Produkte auf dem Weltmarkt günstiger werden. Allerdings verteuern sich dadurch auch Importe und treiben die Preise nach oben.

Insgesamt hält sich die britische Wirtschaft bislang besser als von den meisten Experten erwartet. Der Internationale Währungsfonds (IWF) korrigierte seine Wachstumsprognose für das Vereinigte Königreich am Dienstag abermals nach oben. Demnach soll die britische Wirtschaft im laufenden Jahr um zwei Prozent wachsen. Dies ist ein halber Prozentpunkt mehr, als der IWF noch im Januar vorhergesehen hatte und fast ein Prozentpunkt mehr als in der Prognose vom Oktober vergangenen Jahres. Damit würde die Wirtschaft des Königreichs in diesem Jahr auch schneller wachsen als die der anderen großen EU-Volkswirtschaften Deutschland, Frankreich und Italien.

"Wir haben den befürchteten steilen Abfall von Konsumverhalten nicht gesehen", sagte IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld. Für 2018 rechnet er allerdings mit einem Rückgang des Wachstums auf 1,5 Prozent.

stk/Reuters/dpa



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
aurichter 18.04.2017
1. Der (Das?) Pfund
steigt so hoch, weil Anleger und Unternehmen nach der Ankündigung von Neuwahlen davon ausgehen, dass es dann evtll nach dem 8.Juno 2017 einen Exit vom Brexit geben wird. Spannend auf jeden Fall das Votum in den enttäuschten Gebieten von UK, wo dann Schotten und Waliser zeigen können, wie ernst ihnen der Brexit unter Theresa May tatsächlich ist. Außerdem die noch spannendere Frage und Antwort, wie stark die Wahlbeteiligung gerade in der jungen - und damals beim Referendum Wahlfaulen - Bevölkerung ausfallen wird. Seinerzeit hat gerade diese Bevölkerungsschicht das Versäumnis zum Referendum medienwirksam bejammert, da kann man jetzt umso deutlicher zeigen, wie sehr man diese Bemühungen der Theresa May um diesen eigentlich-egal-wie- Brexit unterstützt. Sehr interessante Entwicklung und so überraschend eigentlich nicht, da die Brexit-Hardliner vermutlich ein Schlupfloch suchen.
tommau63 18.04.2017
2. und wieder sind alle überrascht
diese permanenten Überraschungen in der Politik lassen nur den Schluss zu, das die Regierenden unfähig sind noch irgend etwas in dieser Welt zu realisieren.
keksen 18.04.2017
3.
Diese Wachstumsprognosen scheinen ja wirklich nützlich zu sein wenn man sie alle drei Monate ändern muss. Zumindest wenn sie zw. 0,5 und 2 Prozent liegen.
Bertha H. 18.04.2017
4. Abgewertete Währung erleichtert den Export.
Sie haben es offenbar nicht mitbekommen, dass die Abwertung des Pfundes die britische Wirtschaft ungemein belebt. Sie sollten nicht Ihren eigenen Prognosen glauben, sondern die Fachleute des Forums fragen. Woher ich meine Informationen beziehe und was Sie für mich noch nützlich macht. Die Fachleute im Forum (Volkswirte) haben genau diesen Effekt vorhergesagt und verfallen nicht wegen täglichen Währungsschwankungen in Schnappatmung.
niacoupr 18.04.2017
5. Es gibt keinen Exit vom Brexit
Zitat von aurichtersteigt so hoch, weil Anleger und Unternehmen nach der Ankündigung von Neuwahlen davon ausgehen, dass es dann evtll nach dem 8.Juno 2017 einen Exit vom Brexit geben wird. Spannend auf jeden Fall das Votum in den enttäuschten Gebieten von UK, wo dann Schotten und Waliser zeigen können, wie ernst ihnen der Brexit unter Theresa May tatsächlich ist. Außerdem die noch spannendere Frage und Antwort, wie stark die Wahlbeteiligung gerade in der jungen - und damals beim Referendum Wahlfaulen - Bevölkerung ausfallen wird. Seinerzeit hat gerade diese Bevölkerungsschicht das Versäumnis zum Referendum medienwirksam bejammert, da kann man jetzt umso deutlicher zeigen, wie sehr man diese Bemühungen der Theresa May um diesen eigentlich-egal-wie- Brexit unterstützt. Sehr interessante Entwicklung und so überraschend eigentlich nicht, da die Brexit-Hardliner vermutlich ein Schlupfloch suchen.
Das ist ein völlig irreale Erklärung. Im Vereinigten Königreich geht kaum ernsthaft davon aus, dass es einen Rückzug geben wird - geschweige denn, dass der auch so einfach möglich wäre. Theresa May hat auch klar genug gemacht, dass es keinen Rückzug vom Brexit geben wird. Gleichzeitig geniesst ihre Partei in Umfragen eine geradezu historische Zustimmung und Vorsprung vor Labour - was allerdings auch der Schwäche von Labour geschuldet ist. Der Wahlzeitpunkt nun ist clever: Nach der Einleitung des Austrittsverfahrens, wenn äusserer Druck das Land tendentiell eher - zugunsten der Regierung - zusammenrücken lassen dürfte. Aber nicht erst in einigen Monaten oder Jahren, wenn die harte ökonomische Realität erst einmal für eine Weile zuschlagen dürfte.
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