Brexit-Angst Britisches Pfund fällt auf tiefsten Stand seit 1985

Der Devisenmarkt reagiert hochgradig nervös auf den nun konkret werdenden Brexit der Briten. Das Pfund Sterling bricht stark ein. Währungsexperten rechnen mit keiner schnellen Erholung.

Finanzdistrikt in London: Unsicherheit nach dem Brexit-Votum
REUTERS

Finanzdistrikt in London: Unsicherheit nach dem Brexit-Votum


Die Ankündigung der britischen Premierministerin Theresa May, Großbritannien werde bis spätestens Ende März den Antrag zum Austritt aus der Europäischen Union stellen, hat das Pfund Sterling stark unter Druck gesetzt.

Das britische Pfund fiel im Verhältnis zum US-Dollar auf den tiefsten Stand seit 1985. Ein Pfund kostete zwischenzeitlich nur noch 1,2757 Dollar. Gegenüber dem ebenfalls schwächelnden Euro sackte das Pfund auf ein neues Drei-Jahres-Tief.

Unter Börsianern schürten Mays Pläne die Ängste vor einem "harten" Brexit. "Für Unsicherheit unter Investoren sorgt vor allem das feste Bekenntnis der britischen Regierung, bei den Austrittsverhandlungen auf eine Beschränkung der Zuwanderung zu bestehen", teilte die Commerzbank mit. Dies werde kaum ohne wirtschaftliche Folgen bleiben und damit einen Einfluss darauf haben, wie attraktiv Anlagen in das Pfund Sterling künftig seien. "Solange sich in dieser Frage keine gütliche Einigung abzeichnet, bleibt das Pfund unter Druck."

Das Brexit-Votum treibt auch die britischen Geschäftsleute um. Einer Umfrage zufolge erwägen Dreiviertel von ihnen die Verlagerung von Geschäftsteilen ins Ausland. 76 Prozent der 100 befragten Chefs von Unternehmen mit Umsätzen zwischen 100 Millionen und einer Milliarde Pfund denken darüber nach, den Firmensitz oder Teile des Betriebs aus Großbritannien abzuziehen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es unter Berufung auf die Nachrichtenagentur dpa, das Pfund sei auch im Verhältnis zum Euro auf den tiefsten Stand seit 1985 gefallen. Das ist aber nur für das Verhältnis zum Dollar richtig - im Verhältnis zum Euro erreichte das Pfund am Dienstag hingegen lediglich ein Drei-Jahres-Tief. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

msc/Reuters/dpa



insgesamt 66 Beiträge
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Schwarzwaldmann 04.10.2016
1.
Naja... Entscheidend ist in diesem Verhältnis wohl eher der Wechselkurs zum Euro. Gegen den hat das Pfund in den letzten Monaten zwar auch nachgegeben, befindet sich aber noch auf dem Niveau von von 2013. Der Vergleich zum Dollarkurs von 1985 ist da etwas suggestiv...
spiegel@nosegaywookie.de 04.10.2016
2. tiefster Stand?
War das Pfund nicht 2009 mal bei 95 Euro Cent?
Claus P. Baumann 04.10.2016
3. Heute so - morgen so
Was jubelte die bundesdeutsche Journaille, als der Euro gegenüber dem US-$ massiv einbrach! Das war "gut für die Exportwirtschaft" usw. usw. Wenn jetzt das britische Pfund einbricht, ist das doch auch "gut für die britische Exportwirtschaft", da britische Exporte ja billiger werden. Den Herren Ökonomen und der regierungshörigen Journaille kann man es eben nicht recht machen. Da fällt einem mal wieder Pippi Langstrumpf ein: "Ich mach' mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt ...."
Unzumutbar 04.10.2016
4. 1985 oder eher 2008 ?
Am 29.12.2008 erreichte das Pfund seinen historisches Tiefststand, man bekam für ein britisches Pfund nur noch 1,02 Euro. Nach einer stärkeren Phase Anfang 2009 verlor das britische Pfund bis Mitte 2009 noch einmal. Seit dem Kurs von 1,06 Euro für ein britisches Pfund vom 13.10.2009 legte das Pfund kontinuierlich an Wert zu....soviel zu 1985
wunderding 04.10.2016
5. schlicht falsch ..
---Zitat--- Das britische Pfund fiel im Verhältnis zum US-Dollar und zum Euro jeweils auf den tiefsten Stand seit 1985. ---Zitatende--- Das ist bezüglich des Euro nicht richtig. Ein Blick in die historischen Kursdaten zeigt, daß in den Jahren 2009 .. 2011 das Pfund oft für weniger als die aktuellen 1.14xx EUR gehandelt wurde.
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