Pfusch in Brasilien ThyssenKrupp bekommt etwas Schadensersatz von Chinesen

Mehr als 1,5 Milliarden Euro kostete ThyssenKrupp der Pfusch bei einer brasilianischen Kokerei, nun hat sich der Stahlkonzern laut "Handelsblatt" mit der verantwortlichen chinesischen Firma auf Schadensersatz geeinigt. Die 75 Millionen Euro decken allerdings nur fünf Prozent des Schadens.

ThyssenKrupp-Werk bei Rio de Janeiro: Ein Zwanzigstel des Schadens

ThyssenKrupp-Werk bei Rio de Janeiro: Ein Zwanzigstel des Schadens


Düsseldorf/Essen - Bei der Bewältigung der gigantischen Fehlinvestitionen in Brasilien kommt ThyssenKrupp offenbar ein kleines Stück voran: Der deutsche Industriekonzern erhält von der chinesischen Citic-Gruppe Schadensersatz für erhebliche Mängel beim Neubau einer Kokerei in der Nähe von Rio de Janeiro. Nach einer Klage haben sich die beiden Unternehmen auf eine Zahlung von 75 Millionen Euro geeinigt, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Insider. ThyssenKrupp habe nun keine Ansprüche mehr gegen die Chinesen.

ThyssenKrupp Chart zeigen hatte laut dem Bericht vor einigen Jahren Citic und nicht die Konzerntochter Uhde mit dem Bau einer Kokerei für sein neues Stahlwerk in Brasilien beauftragt. Demnach wollte der Konzern auf diese Weise rund 60 Millionen Euro einsparen. Die Anlage wies jedoch massive Mängel auf und musste teilweise abgerissen und neu gebaut werden. Der Schaden durch die fehlerhafte Konstruktion summiert sich den Insidern zufolge auf mehr als 1,5 Milliarden Euro.

Vor allem wegen massiver Fehlinvestitionen seiner Sparte Steel Americas in Brasilien und den USA befindet sich ThyssenKrupp derzeit in einer tiefen Krise. Sogar über die Komplettaufgabe des Stahlgeschäfts wurde zeitweise spekuliert, zudem bedroht die hohe Verschuldung des Konzerns die Eigenständigkeit. In den vergangenen beiden Jahren sank die Zahl der Mitarbeiter von 180.000 auf 150.000.

Druck zu Werksverkauf nicht mehr so hoch

Als entscheidend für die Zukunft des Konzerns gilt daher, wie erfolgreich die Stahlwerke auf dem amerikanischen Kontinent verkauft werden können. Doch nun könnte es eine Überraschung geben: Ein Scheitern der seit langem andauernden Verhandlungen wird offenbar wahrscheinlicher. Der Konzern arbeitet immer ernsthafter an Alternativplänen, berichtete das "Wall Street Journal Deutschland" unter Berufung auf Insider. Eine Variante sehe dabei sogar den Ausbau des Stahlgeschäfts in Brasilien vor.

Bislang galt der brasilianische Stahlkonzern CSN, der als harter Verhandlungspartner bekannt ist, als wahrscheinlichster Käufer. Allerdings ist der Verkaufsdruck bei ThyssenKrupp inzwischen nicht mehr so hoch, dass der Konzern die Werke auch zu einem sehr niedrigen Preis verkaufen müsste. Das liegt zum einen daran, dass die Anlage in Brasilien inzwischen technisch besser läuft. Zum anderen profitiert ThyssenKrupp davon, dass die brasilianische Währung zuletzt deutlich an Wert verloren hat.

Sollte lediglich der Verkauf des - für Interessenten wesentlich attraktiveren - Weiterverarbeitungswerks im US-Bundesstaat Alabama gelingen, wollen die Konzernverantwortlichen dem Bericht zufolge den in Brasilien produzierten Rohstahl künftig mit einem Partnerunternehmen noch in Südamerika weiterverarbeiten. Das sei die wahrscheinlichste Variante. Auch für den Fall, dass sich keines der Werke verkaufen lässt, sehe sich ThyssenKrupp gerüstet. Dann könnte der Konzern später einen Anteil am Stahlgeschäft zum Verkauf stellen.

fdi/AFP/dpa-AFX

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rainer_daeschler 28.10.2013
1. Made in Germany?
"Made in Germany" bestellt und "Schrott aus China" geliefert bekommen. Das Projekt Brasilien wird für potentielle Auftraggeber weltweit ein abschreckendes Beispiel sein. Für 60 Mio. € Ersparnis hat ThyssenKrupp seinen Ruf teuer verkauft.
robin66 28.10.2013
2. Haftung
Ist das nur Inkompetenz, oder sogar strafbar, was der TK-Vorstand da zum Schaden des Unternehmens entschieden hat? Solche Pappnasen gehören fristlos entlassen und persönlich haftbar gemacht. Wenn man schon die eigenen Leute verrät und "billige" Zulieferer einsetzt, dann macht man wenigstens wasserdichte Verträge! Ungenügend, setzen! Aber da es nicht eine Verkäuferin und ein Brötchen geht, sondern um sogenannte "Leistungsträger", die "Elite", die Besten der Besten (zumindest nach den Bezügen zu urteilen), wird wohl das Gegenteil passieren: Millionenbonus!
matthias_b. 28.10.2013
3. Deutschland
Die eigene Tochterfirma ausgebootet, weil man 60 Millionen sparen wollte. Stattdessen 1,5 Milliarden mehr bezahlt. Schlussendlich 5 % davon erstattet bekommen. Deutschland hat international fertig.
spon-1294658886485 28.10.2013
4. optional
Wie ist es nur zu erklären ,dass eine Konzernleitung die eigene Firma ,die unstreitig über das Know How verfügt ein Stahlwerk zu konzipieren und auch wirklich hinzustellen wegen dieser lächerlich geringen Preisdifferenz von 60 Millionen auszubooten ? Statt dessen wird eine unbrauchbare Industrieruine geliefert die dann mit riesigem Mehraufwand endlich fertiggestellt werden muss. Thyssen Krupp sollte jetzt nicht vorschnell verkaufen sondern nach vorne gehen und den Markt mit der neuen Anlage aufmischen.Ansonsten droht ein nochmals deutlich höherer Verlust. Was leisten die Nadelstreifen Träger eigentlich wirklich ? Sind denn da nur Blender am Werk ? Mit der Edelstahl Sparte von Thyssen Krupp in Bochum verhält es sich doch ähnlich. Offensichtlich sind dort nur Schaumschläger am werk.
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