Generika-Blockade EU verhängt Millionenstrafe gegen Pharmakartell

Das Kartell soll die Einführung günstiger Nachahmermedikamente blockiert haben: Die EU-Wettbewerbshüter haben gegen sechs Pharmafirmen eine Strafe von insgesamt fast 430 Millionen Euro verhängt. Hauptbeschuldigter ist der französische Konzern Servier.

Servier-Gebäude in Orléans: Pharmakonzern muss Löwenanteil der Strafe tragen
AFP

Servier-Gebäude in Orléans: Pharmakonzern muss Löwenanteil der Strafe tragen


Brüssel - Die EU-Kommission reagiert auf die Kartell-Vorwürfe gegen den französischen Pharmakonzern Servier und die israelische Ratiopharm-Mutter Teva. Die beiden Unternehmen und vier weitere Firmen müssen eine Strafzahlung von insgesamt 427,7 Millionen Euro leisten, teilte die Behörde mit. Servier soll mit 331 Millionen Euro den Löwenanteil des Bußgelds tragen.

In dem Fall geht es insbesondere um das blutdrucksenkende Medikament Perindopril. Die Unternehmen hätten den Preis für das Arzneimittel künstlich hoch gehalten, heißt es in der Mitteilung.

Zu den beschuldigten sechs Unternehmen gehören außer Servier und Teva auch Niche/Unichem, Matrix (inzwischen Teil von Mylan), Krka sowie Lupin. Das Pharmakartell soll die Markteinführung von sogenannten Generika - günstigen Nachahmer-Medikamenten - blockiert haben, lautet die Begründung. Dem Konzern Servier werfen die Wettbewerbshüter vor, strategisch Patente für die günstigeren Alternativprodukte aufgekauft zu haben.

Servier weist Anschuldigungen zurück

Servier wehrte sich in einer Mitteilung gegen die Anschuldigungen und kündigte an, vor den Europäischen Gerichtshof zu ziehen. "Zu keiner Zeit wurde Perindopril Patienten vorenthalten, und der Markteintritt von Generika wurde nicht verzögert", erklärte eine Sprecherin.

Serviers Patent für Perindopril war nach Kommissionsangaben im Jahr 2003 weitgehend ausgelaufen. In den Jahren danach habe Servier Generika-Firmen einige Dutzend Millionen Euro dafür gezahlt, dass sie ihre Produkte nicht auf den Markt brachten. Die mögliche Verteuerung des profitablen Medikaments beschreibt die EU-Kommission als erheblich. So hätten die Preise für Generika-Versionen von Perindopril in Großbritannien im Jahr 2007 um durchschnittlich 90 Prozent unter dem Preisniveau von Serviers Medikament gelegen.

bos/dpa/Reuters

insgesamt 7 Beiträge
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sunsan 09.07.2014
1. Servier ist übrigends auch der Konzern,
der gerne das Privatleben von neuen vorstelligen Mitarbeitern durchleuchtet und über private Angelegenheiten von Bewerber mit deren Freundinnen redet, wie eine Spiegel-Autorin schon mal berichtete hat: http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/bewerbungen-wie-unternehmen-freunde-von-bewerbern-aushorchen-a-968366.html
lotoseater 09.07.2014
2.
Och, das kann Teva bestimmt auch gut wegstecken. ;-) http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/wirtschaft_nt/article120796869/Ratiopharm-Mutter-Teva-will-5000-Stellen-streichen.html
atherom 09.07.2014
3. weshalb stört sich kein Politiker daran, dass in Deutschland
auch manche Generika keineswegs preiswert sind? Mein Lieblingsbeispiel ist ein sg. Breitspektrum-Antibiotikum, das seit Jahren kopiert werden darf: die Kombination aus Amoxicillin und Clavulansäure kostet in Deutschland ab etwa 33 Euro für 10 Tabletten, das Original etwa 55. Das macht bei der "billigeren" Version etwa 3,30 pro Tablette. Da die Therapie in der Regel über 7 Tage sinnvoll ist und man deshalb meistens 14 Tabletten benötigt ist eben 2. Päckcken notwendig. In Italien kosten 12 Tabletten etwa 8 Euro, was etwas o,7 Euro pro Tablette bedeutet. In Polen ebenfalls knapp 8 Euro, allerdings hat die Packung 14 Tabletten, was die Tablette noch preiswerter macht. Warum das so ist? Keine Ahnung. Zumal Deutschland ja kein Lobbyisten Land ist.
leser008 09.07.2014
4. Augen auf bd Berufswahl
Zitat von sunsander gerne das Privatleben von neuen vorstelligen Mitarbeitern durchleuchtet und über private Angelegenheiten von Bewerber mit deren Freundinnen redet, wie eine Spiegel-Autorin schon mal berichtete hat: http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/bewerbungen-wie-unternehmen-freunde-von-bewerbern-aushorchen-a-968366.html
Kann ich nur bestätigen. Bei einer Bekannten von mir ist das ganze Umfeld durchleuchtet worden. Nach ein paar Jahren hat Servier sie dann doch cool ab" serviert". Dass die ein solches Geschäftsgebahren vorlegen, wundert nicht. Die Mitarbeiter bei Servier werden aus Frankreich latent unter massivem Druck gehalten. Dass die dann auch mal Konkurrenten bestechen oder Patente missbrauchen dürfte da noch zu den harmloseren Ausrutschern gehören.
messwert 09.07.2014
5.
Angesichts der überragenden Pharma-Machtposition zum Schaden der Verbraucher, gleicht dieses Bußgeld das jetzt mal wegen Kartellverstoß lediglich zwei Konzerne betrifft, einem echten Cremschnittchen. Schon durch die Wucherpreise für Medikamente herzulande werden diese beiden kaum ernsthaft leiden müssen. Darüber hinaus können die Pharmaerzeuger auch über Wirksamkeit und den Einsatz der Medikamente bestimmen, da ihnen dies SELBST und ohne Fremdprüfung, vom vorherigen FDP-Gesundheitsminister eingeräumt wurde. Zu welch perversen Abzocktricks das führt ist seither immer wieder Thema.
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