Pharma-Produktion GlaxoSmithKline steht wegen Horror-Fabrik vor Gericht

Eine verseuchte Babysalbe, ein wirkungsloses Antidepressivum, ein falsches Mittel in der Packung - über Jahre hinweg herrschten chaotische Zustände in einer Fabrik von GlaxoSmithKline. Für die Schlampereien wird der britische Pharmakonzern nun zur Rechenschaft gezogen.
Fabrik von GlaxoSmithKline: Entschuldigung bei betroffenen Patienten blieb aus

Fabrik von GlaxoSmithKline: Entschuldigung bei betroffenen Patienten blieb aus

Foto: Jeff J Mitchell/ Getty Images

Washington/London - Glaxo muss in den Vereinigten Staaten 750 Millionen Dollar zahlen. Das US-Justizministerium sieht es als erwiesen an, dass das Unternehmen verunreinigte oder mit falschen Inhaltsstoffen versehene Medikamente verkauft hat. Sechs Jahre lang hatten die Behörden ermittelt, am Ende einigten sich die beiden Seiten auf einen Vergleich.

GlaxoSmithKline   räumte ein, die Produktion im Werk Cidra in Puerto Rico sei mangelhaft gewesen. Der Konzern unterließ es aber, sich bei den betroffenen Patienten zu entschuldigen. Stattdessen freute sich Chefjustiziar Elpidio "PD" Villarreal, dass das schon so lange laufende Verfahren endlich vom Tisch sei. Er versicherte, dass es sich um einen Einzelfall gehandelt habe.

Die Schlampereien in der Fabrik, die Staatsanwalt Tony West auflistete, klingen unglaublich: Mal wurden die Medikamente während der Produktion verunreinigt, mal wurden sie durcheinandergebracht und in falsche Flaschen abgefüllt, mal stimmten die Inhaltsstoffe nicht. West warnte vor "ernsthaften Konsequenzen" für die Patienten. Die Staatsanwaltschaft blieb aber den Beweis dafür schuldig, dass Menschen konkrete Vergiftungen erlitten.

Kronzeugin erhält Millionenbelohnung

Im vergangenen Jahr hatte GlaxoSmithKline die Fabrik dichtgemacht - die dort hergestellten Medikamente seien nicht mehr gefragt, lautete die offizielle Begründung. Auch das wegen erhöhter Herzinfarktgefahr ins Gerede gekommene, in Deutschland vom 1. November an verbotene Diabetesmittel Avandia wurde in Cidra hergestellt. Insgesamt liefen dort rund 20 Präparate vom Band. Cidra gehörte zeitweise zu den größten Werken von GlaxoSmithKline.

Eine ehemalige Qualitätsmanagerin hatte den Konzern nach Angaben ihrer Anwälte schon 2002 auf die Probleme hingewiesen - und sogar die Schließung empfohlen. Sie sei aber auf taube Ohren im Management gestoßen. Als sie nicht aufhörte, die Missstände anzuprangern, wurde sie nach Angaben ihrer Anwälte schließlich gefeuert. Daraufhin wandte sie sich 2004 an die US-Behörden.

Der Tipp rechnete sich jetzt: Als Informantin steht ihr nach amerikanischem Recht eine saftige Belohnung zu. Die Frau kassiert allein von der Regierung in Washington 96 Millionen Dollar - laut "New York Times" die höchste Summe, die ein sogenannter "Whistleblower" jemals einstreichen konnte. Hinzu kommen weitere Millionen aus den Bundesstaaten.

GlaxoSmithKline seinerseits hat bereits für die Millionenstrafe vorgesorgt und zur Jahresmitte ausreichend Geld beiseitegelegt. Das ließ damals den Gewinn einbrechen. Der Vergleich werde sich nun nicht weiter auf das Ergebnis auswirken, beruhigte das Unternehmen seine Investoren.

mik/dpa
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